Mallorca erhält demnächst seinen ersten "Stolperstein"

| | Palma de Mallorca |
Palmas Kulturdezernent Llorenç Carrió präsentierte das Vorhaben gemeinsam mit Angehörigen der Schule Monte-Sion.

Palmas Kulturdezernent Llorenç Carrió präsentierte das Vorhaben gemeinsam mit Angehörigen der Schule Monte-Sion.

Foto: Rathaus

Die Gedenkaktion "Stolpersteine", die in Deutschland und Österreich schon lange an Opfer des Nationalsozialismus erinnert, wird erstmals auch auf Mallorca Fuß fassen. Das Rathaus von Palma plant, damit an Einwohner der Stadt zu erinnern, die in den Jahren des Zweiten Weltkriegs in Deutschland in Konzentrationslagern inhaftiert gewesen waren oder sogar zu Tode kamen. "Wir haben bisher zehn solcher Schicksale aufzeichnen können und appellieren an die Inselbevölkerung, uns mit weiteren biographischen Daten zu unterstützen", sagte Kulturdezernent Llorenç Carrió am Donnerstag vor Medienvertretern. Bei den zehn Schicksalen handle es sich allesamt um spanische Palmesaner.

Der erste Stolperstein, der auf der Insel installiert werden soll, erinnert künftig an Miquel Navarro. Der spanische Maurermeister war von 1932 bis 1936 Stadtrat in Palma. Gegen Ende des Spanischen Bürgerkrieges flüchtete der Republikaner nach Frankreich und wurde dort in einem Arbeitslager inhaftiert. Als die Wehrmacht Frankreich besetzte, geriet der Mallorquiner in die Fänge der Nationalsozialisten. Gemeinsam mit vielen anderen "Rotspaniern" landete er im KZ Mauthausen, aus dem er 1945 befreit wurde. 1953 kehrte Navarro nach Mallorca zurück, wo er 1974 im Alter von 88 Jahren starb.

Initiiert wurde die historische Aufarbeitung des Lebens Navarros von Angehörigen der Schule Monti-Sion in Palma. Oberschüler und die Deutschlehrerin María Grandió hatten im Rahmen eines Projekts Deutschland besucht und in den Archiven nach dem Angehörigen eines Schülers geforscht.

Das Gedenkprojekt "Stolpersteine" wurde 1992 von dem deutschen Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen. Bei den Stolpersteinen handelt es sich um kleine Messing-Gedenktafeln, die aus dem Bodenbelag von Bürgersteigen – minimal hervorstehend – verlegt werden, in der Regel vor den ehemaligen Wohnhäusern der NS-Opfer. Die Tafeln sind mit Namen und biographischen Daten versehen und erinnern an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. (as)

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Gecko / Vor 4 Monaten

Ich will ja nicht unhöflich sein, aber sollte es nicht langsam an der Zeit sein diese alten Geschichten ruhen zu lassen? Stolpersteine, Grabstätten und und und sollen an die alte Zeit erinnern, aber wehe man nimmt das Wort des einstigen Kriegsherren in den Mund, winken alle ab. Es waren nicht nur die Deutschen, sondern auch viele andere Nationen die mit Mitmenschen schlecht umgegangen sind.

Klaus / Vor 4 Monaten

Warum keine Stolpersteine für die Menschen, die in der Francozeit verschleppt und umgebracht worden sind? Die Größe eines Volkes zeigt sich darin, wie sie die eigene dunkle Vergangenheit aufarbeitet - oder eben tabuisiert.