Medienrummel um Trinkverbot auf Mallorca

| Playa de Palma, Mallorca |
Feucht-fröhliche Feier am "Ballermann" auf Mallorca.

Feucht-fröhliche Feier am "Ballermann" auf Mallorca.

Foto: Foto: Click
Feucht-fröhliche Feier am "Ballermann" auf Mallorca.Angélica Pastor ist Sicherheitsdezernentin in Palma de Mallorca.

Schock-Nachricht für alle Trink-Touristen auf Mallorca: "Bald gibt's kein Bier am Ballermann", verkündet die Bildzeitung dieser Tage in ihrer Online-Ausgabe. Was in boulevardesker Manier überspitzt dargestellt ist, hat nur einen bedingt wahren Kern. Fakt ist: Die Stadt Palma hat die erste Meereslinie der Playa de Palma am Dienstag offiziell zu einer Zone "spezieller Intervention" erklärt. Wer sich hier auf offener Straße betrinkt oder Alkohol verkauft, dem drohen saftige Geldstrafen: 1500 bis 3000 Euro müssen Privatpersonen für Verstöße abdrücken, Touristen ebenso wie Einheimische.

"Krass! Das könnte dein Urlaubsfeeling ausbremsen", titelt das Online-Partymagazin virtualnights.com und mag recht haben: So hart ist bisher noch keine Gemeinde Mallorcas gegen Trinkexzesse vorgegangen. Kaum ein deutsches Medium hat die Neuigkeiten aus Palmas Rathaus in diesen Tagen nicht aufgegriffen.

Viel Rummel und wenig dahinter? "Gemütlich ein mitgebrachtes Bier am Strand zu trinken ist nicht verboten", betont Robert Pérez Mena, Sprecher von Palmas Sicherheitsdezernat. Vielmehr gehe es um Saufgelage, die Ruhestörungen und Verschmutzungen mit sich bringen.

Palmas Anliegen sind deutlich: "Wir wollen die Anhäufungen von trinkenden Menschen auf der Straße ausmerzen", erklärt Sicherheitsdezernentin Angélica Pastor im Gespräch mit MM. Ein Ziel, das ihrer Meinung nach durch die ehemalige "Ordenanza Cívica" (in deutschen Medien oft als "Eimer-Sauf-Verbot" bezeichnet) nicht erreicht worden sei. Diese ist ohnehin passé: Im Februar hatte das Oberste Gericht der Balearen die "Ordenanza" für ungültig erklärt. Begründung: Das Rathaus sei in der Angelegenheit gar nicht zuständig gewesen.

Seit der Abschaffung gilt nun wieder eine Verordnung, die bereits von 2007 bis 2011 in Palma angewendet wurde. Sie bietet die Rechtsgrundlage für die "speziellen Interventionszonen". Bisher hatte es davon nur eine gegeben: den Paseo Marítimo unweit von Palmas Zentrum, an dem vor allem Spanier ihr ausschweifendes Nachtleben genießen. Nun kommen sechs neue Zonen hinzu. Neben der Playa de Palma werden auch in Bereichen von Can Pastilla, El Jonquet, Son Armadams, El Terreno und an der Plaça Gomila, wo vornehmlich Mallorquiner feiern gehen, die harten Sonderregelungen gelten. Allein gegen Touristen geht es bei den Regelungen also nicht.

Konkret verboten ist in den Zonen ab sofort jeglicher Verkauf von Alkohol zwischen Mitternacht und acht Uhr morgens. Ausgeschlossen sind davon allein Gastronomiebetriebe und Diskotheken, hier wird auch weiterhin der Alkohol fließen. Alle anderen Einkaufsmöglichkeiten - Supermärkte, Kioske, Automaten oder Straßenhändler - dürfen in der vorgegebenen Zeit keinerlei alkoholische Getränke mehr an den Mann und die Frau bringen. Anders das Konsumverbot auf offener Straße: Es gilt - wie schon seit Jahren - rund um die Uhr, und zwar in ganz Palma. Im Unterschied zu den neuen Interventionszonen belaufen sich die Geldstrafen außerhalb derselben allerdings "nur" auf rund 100 bis 700 Euro - kein Vergleich zu den horrenden Strafen, die nun an der ersten Meereslinie der Playa und Co. gelten.

1500 bis 3000 Euro, das sind Summen, die ein Playa-Urlauber in der Regel nicht mal eben in bar mit sich herumträgt. "Wir prüfen derzeit die Möglichkeit, das Bußgeld mit Kreditkarte oder anderen Methoden zu begleichen", so Sicherheitsdezernentin Pastor. Wie konsequent die Ordnungshüter tatsächlich gegen Saufgelage vorgehen werden, bleibt abzuwarten - schließlich liegt es im Ermessensspielraum der Beamten, ob ein Besäufnis stattfindet oder nur eine ruhiger Feierabenddrink eingenommen wird. "Die exakte Höhe der Strafe hängt von der Schwere der Aktion ab", so Pastor. Schreiende oder störende Gruppen müssten mehr zahlen als ruhige, am teuersten werde es für Betrunkene, die Sachen zerstören und verschmutzen.

Den Feier-Tourismus an der Playa de Palma ausrotten wolle die Stadt nicht. "Wir haben einfach nur vor, unzivilisiertes Verhalten stärker zu regulieren", betont Pastor. "Sonst wird den Anwohnern hier ihr Recht auf Erholung genommen."Auch ansässige Unternehmer würden sich immer wieder über die Störungen der Trunkenbolde beschweren. "Deutsche Medien sollten in der Lage sein, das zu verstehen und auch so weiterzugeben. Wir können nicht erlauben, dass das Ansehen der Stadt beschädigt wird, weil in einigen Zonen in den Sommermonaten Chaos herrscht", rechtfertigt Pastor.

"Diese Maßnahme ist sehr willkommen", sagt Bernat Coll, der Präsident des Handelsverbandes Pimeco, der Deutschen Presse-Agentur. Es sei klar, dass "es auf unseren Straßen ein Sicherheitsproblem gibt". Als störend empfindet Coll dagegen die Regelung, den Verkauf nach Mitternacht zu verbieten. "Das schränkt die Freiheiten ein. Wer sich nachts betrinken möchte, der kann sich ja vor Mitternacht eindecken. Das macht keinen Sinn. Wir werden dagegen protestieren und vorgehen."

Die Regelungen sind bereits in Kraft, gerade rechtzeitig, bevor in wenigen Wochen die Partytouristen wieder in Strömen an die Playa ziehen. Zunächst sollen in den betroffenen Zonen Infoschilder angebracht werden. Ab April werden dann voraussichtlich die ersten Bußgelder verhängt.

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

MEGAchecker / Vor 11 Monaten

@ Horst Steiner

ich habe ihren Text als äußerst pessimistisch eingeschätzt. Faktum ist, am Staus Quo hat sich bis dato so gut wie nichts verändert. Alles beim Alten!

MEGAchecker / Vor 11 Monaten

@ Hajo Hajo

Von der von Ihnen "beworbenen" Schönheitskur der Belnearios und Liegen habe ich Vorort (bis 6.6.2016) aber sowas von NICHTS wahrgenommen, außer Reparaturen an Lichtmasten (wurden weiß eingehaust). Soviel zur Lügenpresse auf Malle!

MEGAchecker / Vor 11 Monaten

Alles Brot und Spiele für die geneigten Leser! Fakt ist, dass die Lärmbeschallung und der Alkoholkonsum an der Playa de Palma grundsätzlich stark zurück gegangen ist. Die mediengeil bekannt gegebenen Verbotsschilder habe ich bei meinem Aufenthalt bis 6.6.2016 vorort nirgends gesehen (joggte jeden Tag die gesamte Playa auf und ab!). Im Bereich von Ballermann 5 - 6 dürfte das Alkoholverbot noch nicht angekommen sein (vielleicht wurde dort das Jahr nicht bekannt gegeben, wann es in Kraft tritt!. Jedenfalls jeden Tag am Morgen (ca. 07:00 - 08:00 Uhr) ist die Playa eine Müllhalde voll mit Resten ausgiebigster Hinwendung zum Alkohol usw. Soviel zum medialen Wahrheitsgehalt.

Sepp Maier / Vor 12 Monaten

@ Hajo Hajo

Lieber Hajo Hajo, es scheint, dass Sie Vorortkenner der Lage sind. Da man in den einschlägigen Medien wie Mallorca Zeitung und Mallorca Magazin nichts mehr vom Fortgang des Alkoholverbotes etc. liest, meine Bitte an Sie: Können sie eventuell darüber berichten. Danke.

Sepp Maier / Vor 12 Monaten

Eine Frage an die Redaktion des Mallorca Magazins?

Warum wird nichts berichtet über die "diskrete" Arbeit der Ballermannbullen im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Alkoholverbotes auf der Playa de Palma, gegen Strandhändler, etc.?

Sepp Maier / Vor etwa 1 Jahr

Kann dem Kommentar von Konrad nur zustimmen. Das Übel muss an der Wurzel angegangen werden. Erst dann werden an der Playa de Palma wieder gesellschaftlich verträglichen Zustände einkehren. Es wird sich beim heurigen Urlaub an der Playa de Palma zeigen, wie die vollmundigen Ankündigungen von den Malorquinesen umgesetzt werden.

Konrad / Vor etwa 1 Jahr

In zivilisierten Gegenden wird nicht nur der Süchtige gestrafft sondern auch der Dealer! In Mallorca scheint das anders zu sein. Tonnenweise verkaufen die "Dealer" Bier und sonstige Alkgetränke an die Touristen. Verzehrt die Touristen die gekaufte Ware am Strand, schlägt aller Wahrscheinlichkeit die Staatsmacht zu. Nur der Dealer geht straffrei aus. Das ist Rechtsstaatlickeit auf spanisch!

Sepp Maier / Vor etwa 1 Jahr

Man muss nicht am Abend zwischen Ballermann 5 bis 7 gehen. Geht mal frühmorgens so um 07:00 Uhr (= nachtschlafene Zeit :-) ) beim Frühsport die Promenade an dieser Stelle ab, dann sieht man das ganze Ausmaß dessen, was hemmungslose, versoffene Touristen/innen hinterlassen. Es ist zum fremdschämen. Da kommt einem vor, dass ein Teil der Menschheit das evolutionäre Verlassen der Bäume noch nicht realisiert hat.

Hajo Hajo / Vor etwa 1 Jahr

Die Strandbuden an der Playa de Palma werden einer Schönheitskur unterzogen. So investiert die Konzessionsfirma Mar de Mallorca, die für den Betrieb der sogenannten balnearios und den Strandliegenverleih zuständig ist, zum Saisonbeginn insgesamt 1,5 Millionen Euro. Bislang wurden nach Angaben der mallorquinischen Lokalpresse für 300.000 Euro unter anderem mehr als tausend Strandliegen erneuert genauso wie die Maschinen zur Strandreinigung. Die Angestellten erhielten neue Arbeitskleidung. Die insgesamt 15 Strandbuden wurden mit jeweils unterschiedlichen Farben neu gestaltet, auch Speisekarten, Design und Mobiliar wurden erneuert.

Die Stadtverwaltung von Palma verweist darauf, dass es sich um eine rein private Investition des Konzessionärs handle. Durch die unterschiedlichen Farben könnten Urlauber nun leichter die Strandbuden unterscheiden und so etwa ihr Hotel auffinden.

Die Konzession von Mar de Mallorca läuft bis zum Jahr 2023. Zuletzt hatten die Stadtstrände von Palma mit einer Gebührenerhöhung für den Verleih von Liegen und Sonnenschirmen von sich reden gemacht.

Hajo Hajo / Vor etwa 1 Jahr

Wer am Abend mal den Strand zwischen Balenario 6(Ballermann6) und Balneario 7 begeht, findet einen Saustall sondergleichen vor. Müll ohne Ende. Kippen und Glasscherben. Ebenso in den Grünanlagen davor. Die Kosten für die Reinigung zahlen weder die Verursacher, noch die Pächter der Strandbars.