Von der Düne zur Bühne

Stiller Wandel an der Playa de Palma

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Die Playa de Palma aus der Perspektive eines Fisches im Schnabel einer Möwe: 4600 Meter Sandstrand und ein intensives touristisc

Die Playa de Palma aus der Perspektive eines Fisches im Schnabel einer Möwe: 4600 Meter Sandstrand und ein intensives touristisches Hinterland. Foto: rotorflug.com

Die Playa de Palma aus der Perspektive eines Fisches im Schnabel einer Möwe: 4600 Meter Sandstrand und ein intensives touristiscEben noch im Alltag in Deutschland, jetzt auf der Strand-Bühne.Noch in den 1950er Jahren war die Playa weitgehend Dünenland.

Es gibt wohl kaum einen anderen Ort auf Mallorca, der in den vergangenen 50, 60 Jahren einen tief greifenderen Wandel erfahren hat als die Playa de Palma. Wo sich um 1950 lediglich Dünen und Strandhafer, Schilf, Mandelplantagen und hier und da ein Sommerhäuschen fanden, ragen heute Hotels und Wohnblöcke in die Höhe.

Der kilometerlange Sandstrand und sein Hinterland sind nahezu jedem Menschen in Europa und darüber hinaus ein Begriff, Millionen sind persönlich über den Küstenstreifen flaniert, mal auf Sand, mal auf Asphalt, mal watend im Wasser. Die Playa de Palma ist Kulisse und Bühne zugleich, zum Sehen und Gesehen werden, der Auftrittsort, dem Alltag für einige unbeschwerte Tage zu entfliehen.

Seit den Kindheitstagen des Tourismus hat sich viel verändert: Die Playa die Palma ist die urlauberstärkste Feriendestination in Europa und gemeinsam mit Mallorca das bei Weitem umsatzstärkste Reiseziel für deutsche Tourismuskonzerne wie TUI, Thomas Cook, Alltours und DER-Touristik. Die wirtschaftliche Bedeutung der Urlaubszone für die Balearen und Spanien ist enorm: Der frühere spanische Tourismus-Staatssekretär Raimón Martínez Fraile drückte es einmal so aus: "Sonne und Strand sind eine Energie, die nicht ausläuft. Wir erzielen mit dem Tourismus mehr Einnahmen als der Iran mit Erdöl", sagte der Politiker 2006 bei einem Besuch an der Playa de Palma.

Zur heutigen Urlaubermeile vor den Toren der Stadt Palma hat jeder eine Meinung: Die Playa wird geliebt oder gehasst, glorifiziert oder verteufelt, gefeiert oder dämonisiert. Wirklich kalt lässt der Uferbereich, der von Can Pastilla im Westen bis nach S'Arenal de Llucmajor im Osten reicht, niemanden.

Die nackten Zahlen: Im Umfeld des 4600 Meter langen Strandes leben 30.000 Einwohner. Auf sie entfallen 130 Hotels mit 40.000 Betten, in denen 2013 exakt 7.319.689 Übernachtungen erfolgten.

Die Playa de Palma mitsamt ihrer touristischen Infrastruktur trägt viele Beinamen: Sie gilt als die "Wiege des Massentourismus", wie er vor gut einem halben Jahrhundert begann. Wegen der Vielzahl deutscher Urlauber im Sommer wird sie als "Teutonengrill" oder auch "Europas Badewanne" bezeichnet, wenn nicht gar als Heimstätte aller "Ballermänner" zwischen "Bierstraße" und "Schinkenstraße". Doch es gibt auch andere, elegantere Namenszusätze wie das "Miami" oder die "Copacabana" Europas. Letztere sind eher als Wunschäußerungen und Zielvorgaben aufzufassen, die anzeigen sollen, in welche Richtung die Playa de Palma sich künftig entwickeln sollte.

Einig ist sich die große Mehrheit an Unternehmern, Politikern, Stadtplanern und Besuchern, dass die Playa de Palma in die Jahre gekommen ist und modernisiert werden sollte. Die Vergangenheit zeigt, dass der Strandabschnitt nach Phasen der Stagnation ruckartig von Erneuerungswellen durchlaufen wurde. Die alte Landstraße durch die Dünen, die immer wieder von Sand verweht wurde, wandelte sich um 1970 in eine erste befestigte Uferzone, auf der noch Autos fahren durften. Im Winter 1993/94 wiederum wurde die erste Linie zur heutigen Meerespromenade umgebaut und verkehrsberuhigt.

2006 gab es wieder ein Projekt zur Verschönerung der Playa de Palma. Doch das intensive Umbauvorhaben des niederländischen Landschaftsarchitekten und Stadtplaners Adriaan Geuze wurde nie realisiert. Das Projekt, dessen Kosten auf bis zu einer Milliarde Euro geschätzt wurden, scheiterte 2010 an leeren Kassen, der angebrochenen Wirtschaftskrise und auch am fehlenden politischen Willen, angesichts der umstrittenen, aber notwendigen Enteignungen von veralteten Immobilien.

In jüngster Zeit deutet sich jedoch wieder ein Entwicklungs- und Modernisierungsschub an, der das Gesicht der Playa erneut ein Stück weit verändern wird: Da ist zum einen die Neugestaltung der 15 Strandkioske geplant. Daneben hat sich das Tempo, mit dem die existierenden Hotels modernisiert werden sollen, intensiviert. Selbst eines der Klassiker und ersten Hotels an der Ufermeile, das 1953 eröffnete Riu San Francisco, wird derzeit komplett renoviert und um eine weitere Etage aufgestockt.

Der überarbeitete Integralplan für die Modernisierung der Playa de Palma sieht seinerseits vor, den Anteil der Vier-Sterne-Hotels in fünf bis zehn Jahren von jetzt 20 auf 60 Prozent zu erhöhen.

Während die staatlichen Investitionen seit Jahren allenfalls tröpfchenweise erfolgen oder sich auf flankierende Maßnahmen wie neue Grünzonen und Straßenlaternen beschränken, haben private Geldgeber längst die Schatulle geöffnet und gigantische Projekte auf den Weg gebracht, auch wenn konkret noch nicht allzu viel davon zu sehen ist. Die Rede ist etwa von zwei neuen Einkaufszentren im Wert von 400 Millionen Euro, die dicht beieinander in Ses Fontanelles an der Flughafen-Autobahn entstehen sollen.

Angedacht sind zudem weitere Hotel-Neubauten mit Investitionen im hohen zweistelligen Millionenbereich, auch wenn die Vorhaben immer wieder ins Stocken geraten. So sollte eines der geplanten Hotels erstmals die Fünf-Sterne-Kategorie an die Playa bringen und in seinen Mauern auch Platz für ein Spielkasino bieten. Wegen Verwaltungsklagen liegt das Projekt derzeit auf Eis, doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Für die Playa de Palma gilt, das zeigt allein schon die Erfahrung: Der Wandel setzt sich fort, auch wenn die Entwicklung oftmals nicht so schnell vorankommt, wie es die Politiker mitunter gerne versprechen.

(aus MM 10/2014)

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