Mallorcas scheue Besucher im blassrosa Kleid

| Es Trenc, Mallorca |
Flamingos stehen am liebsten im Wasser. Dort jagen sie nach kleinen Krustentieren.

Flamingos stehen am liebsten im Wasser. Dort jagen sie nach kleinen Krustentieren.

Foto: Patricia Lozano

Mallorcas Flamingos zu beobachten ist wie Meditieren. Es sind keine riesigen Schwärme wie in Afrika oder der Karibik. Kleine Gruppen stehen in den Teichen. Sie strahlen eine ansteckende Ruhe aus. Einige Tiere stecken ihren Kopf ins Gefieder und schlafen. Andere beugen den langen Hals ins Wasser, um Nahrung herauszufiltern. Ihre Bewegungen sind anmutig. Mühelos balancieren sie auf einem Bein. Das rosafarbene Gefieder glänzt in der Sonne.

Es sind Rosaflamingos, die einzige Art, die in Europa – fast ausschließlich im Mittelmeerraum – vorkommt. „Nicht so laut reden, damit sie nicht erschrecken”, mahnt der Ornithologe Manolo Suárez vom balearischen Naturschutzbund GOB, der heute die Besichtigung leitet. Die Warnung kommt zu spät. Die Flamingos im Becken geradeaus strecken die Hälse nach oben, wenden ihre kleinen Köpfe in Richtung Besucher und stolzieren dann geschwind in die entgegengesetzte Richtung. Beim Gehen knicken sie die Beine nach hinten ab. „Das sieht nur so aus”, sagt Manolo Suárez. „Was sie nach hinten knicken, ist nicht das Knie, wie man meint, sondern ihre Ferse.” Das Balancieren auf einem Bein habe praktische Gründe: „Sie wärmen sich abwechselnd die Füße im Gefieder.”

Lange Zeit haben sich Flamingos hier nur im Herbst und Winter aufgehalten. Im Frühling sind sie weiter auf das spanische Festland, nach Korsika, in die Türkei oder nach Nordafrika geflogen. Auch heute noch sieht man in den Monaten Oktober und November die meisten Exemplare, aber inzwischen bleiben immer mehr Flamingos das ganze Jahr über hier. Weltweit gebe es immer weniger Feuchtgebiete und in den Salinen fänden sie ideale Bedingungen vor, erklärt der Ornithologe.

Auf 170 Hektar Fläche – das sind 1,7 Quadratkilometer – verteilen sich Hundert große und einige Dutzend kleine Salzbecken. Hier habe der Eingriff des Menschen einmal etwas Gutes für die Tierwelt gebracht, meint Suárez. Ohne die Salinen gäbe es nur im Winter ein paar Lagunen, im Sommer wären sie vollkommen ausgetrocknet. So aber bildeten sie ein wertvolles Ökosystem für rund 170 Vogelarten. Mehrere Sorten von Regenpfeifern, Brandgänse, Stockenten und Rohrweihe sichtet der Experte allein während dieser Tour. Die Salzbecken sind gepflegt und nicht mit Chemie belastet. Das sei sehr wichtig, betont er. Schlecht geführte Salinen stellten eine Gefahr für die Tierwelt dar.

Flamingos sind gute Schwimmer und fliegen über weite Strecken, aber am liebsten stehen sie im Wasser. Sie haben so lange Beine und Hälse, weil sie sich weitgehend von planktonischen Algen und kleinen Krustentieren ernähren, die sie aus dem Wasser und der Schlammoberfläche filtern. Dabei ähneln sie eher Walen als Vögeln: „Sie drehen den Kopf um, so dass der obere Schnabel teils parallel zum Meeresgrund liegt und schwenken den halb geöffneten Schnabel seitlich hin und her. Dabei fährt die Zunge immer vor und zurück”, erklärt Suárez.

Weil es den Flamingos so gut in den Salinen gefällt, möchte der balearische Naturschutzbund sie nun dazu animieren, hier auch zu brüten. Bislang tun sie das nicht. Die Exemplare, die bislang im Sommer hier bleiben, sind entweder zu jung zur Fortpflanzung, oder sie setzen gerade aus, denn Flamingos brüten nicht jedes Jahr. „Schau dir das Prachtexemplar an”, unterbricht Suárez. „Der ist bestimmt 1,70 Meter groß und wunderschön gefiedert.” Flamingos seien sehr sozial, erzählt er dann. Sie brüten in Kolonien und ziehen die Jungvögel gemeinsam groß. Es sei die Aufgabe der Männchen, die Jungen zu bewachen. Die Nester bauen dagegen die Weibchen. Es sind kegelförmige Schlamm-anhäufungen, auf das ein Weibchen in der Regel nur ein Ei legt. Nach einem Monat schlüpft das Küken, das zunächst ein weiß-graues Daunenkleid hat. Erst wenn es sich selber ernährt, färbt es sich allmählich rosa. „In den Algen und Krustentieren sind Carotinoide enthalten. Das sind rote Farbstoffe, die die Leber der Flamingos in Pigmente umwandelt, was dann ihre Federn färbt”, erklärt der Ornithologe.

Letztes Jahr schon haben die Naturschützer aus Schlamm eine Brutinsel von dreißig Quadratmeter Durchmesser geschaffen. „So schnell entscheiden sich Flamingos aber nicht für einen neuen Brutplatz. Begutachtet und begangen haben sie die Insel schon und mit etwas Glück brüten sie dieses Jahr darauf.” Die Partnerwahl steht unmittelbar bevor, und im März wird sich zeigen, ob sich eine mallorquinische Brutkolonie bildet oder die meisten Flamingos wieder zu ihren alten Brutgebieten fliegen.

AUF DEN SPUREN DER FLAMINGOS

Knapp 500 Flamingos gibt es derzeit auf Mallorca. Einzelne Exemplare findet man in der Albufera, der Albufereta und in den Salinen der Colònia de Sant Jordi. Den besten Eindruck bekommt man aber in den Salinas de Levante, wo mehrsprachige Führungen angeboten werden, die etwa 45 Minuten dauern.

Diese gibt es montags, dienstags, donnerstags und freitags von 11.30 Uhr bis 13 Uhr, mittwochs von 11 bis 13 Uhr. Preis: 8 Euro p. P. Terminbestätigung unter Telefon 971-655306. Adresse: Salinas de Levante, Carretera Campos - Sant Jordi Km 8,7. www.salinasdestrenc.com

(aus MM 09/2018)

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