Mit der Metro an den "Strand der Schienen"

| Palma de Mallorca |
Das Erdreich, das bei Bau der Tunnels anfiel, wurde vor der Stadtmauer abgekippt.

Das Erdreich, das bei Bau der Tunnels anfiel, wurde vor der Stadtmauer abgekippt. Auf diese Weise entstand der Untergrund für die Schienenstränge und die Hafenerweiterung. Heute befindet sich an der Stelle der Parc de la Mar. Foto: AAFB

Das Erdreich, das bei Bau der Tunnels anfiel, wurde vor der Stadtmauer abgekippt. An der Hafenmole erinnert ein kurzer Schienenstrang an die Gleise der Hafenbahn, die früher an der Stelle dort zu finden waren.Auftakt zur Jungfernfahrt der Hafenbahn. Der Tunnel wurden in den Jahren 1928 bis 1931 gebaut.Der Ausgang in der Stadtmauer vor Fertigstellung.Hier fuhr der Zug: In der Stadtmauer am Parc de la Mar ist die Öffnung des Tunnels noch heute zu sehen.
Beim Bau der Tiefgaragen in den 1970er Jahren am Olivar-Markt kam beim Aushub auch der bereits stillgelegte Bahntunnel zum VorscBeim Bau der Tiefgaragen unter der Plaça Major in den 1970er Jahren kam beim Aushub auch der bereits stillgelegte Bahntunnel zumDer Tunnel im Untergrund von Palma: So sieht es dort derzeit aus. Die Gleise sind verschwunden, aber das verschlossene Bauwerk wDas waren die Rampe und die Tunnelöffnung am Hauptbahnhof. Wo früher der Zug einfuhr, rollen nun Autos in die Tiefgarage.

Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber Mallorca war einst eine rohstoffreiche Insel, die ihre Energieträger sogar auf das Festland exportierte. Gemeint ist die Braunkohle, die im 19. Jahrhundert in den Minen von Lloseta abgebaut, per Eisenbahn nach Palma geschafft und dort im Port auf Schiffe verladen wurde, damit auch in den Öfen von Valencia die Glut nicht ausging.

Der Wirtschaftszweig war so wichtig und ergiebig, dass sich für den Export sogar der Bau einer Eisenbahnlinie lohnte: Auf der Strecke Palma-Inca verkehrten die Züge von 1875 an. Keine zwei Jahre später war auch der fehlende Schienenstrang fertig, als Verbindungsstück zwischen dem Hafen und dem Hauptbahnhof, der damals vor den Toren der Stadt an der noch nicht existenten Plaça d'Espanya lag. Die sogenannte Hafenbahn war die zweite Zugstrecke, die auf Mallorca von 1877 an in Betrieb war.

Zum Einsatz kamen neben Dampfloks auch Maultiere: Sie zogen auf den Gleisen zur Personenbeförderung Straßenbahnwaggons. Die Züge rollten über die damalige Hauptverkehrsachse der Stadt durch die Straßen Rambla, Unió und Borne, folgten also dem Verlauf des ehemaligen Flussbetts Sa Riera. Die vormals als Provisorium betrachtete Streckenführung bedeutete eine große Belästigung für die Bürger. Lärm, Qualm, Dampf und Staub sowie Gefahren für Fußgänger, ja selbst tödliche Unfälle (für die Zugtiere) blieben nicht aus.

So wurden - bereits 50 Jahre später - Pläne ausgearbeitet, die den Bau eines Verbindungstunnels unter der Stadt vorsahen. Dort sollten die Güterwaggons ungehindert von und zum Hafen rollen können.

Begonnen wurde mit dem Bau im Jahre 1928, vollendet wurde die 1252 Meter lange Röhre drei Jahre später. Kuriosum: Der Ausgang des Tunnels wurde beim Hafen in die historische Stadtmauer aus dem 17. Jahrhundert integriert, dort ist die liebevoll gestaltete Öffnung noch heute zu sehen, wenn auch zugemauert.

Das beim Bau der Röhre anfallende Erdreich wurde direkt vor der Stadtmauer im Meer abgekippt und so neues Land erschlossen. Auf dieses Terrain wurden der Schienenstrang sowie die weiteren Nebengleise der Hafenmole gelegt. In der Bevölkerung hieß der neue Abschnitt am Meer bald der "Strand der Schienen".

Die Jungfernfahrt der Hafenbahn mit den Honoratioren der Stadt fand vor gut 85 Jahren am 5. Februar 1931 statt. Sie begann im Hafen, durchquerte den Tunnel, den Hauptbahnhof und endete bei einem Mittagessen in Santa Maria.

All diese Details sind jüngst wieder ins Bewusstsein getreten, dank eines Vortrags, den der Verein der Eisenbahnfreunde von Mallorca (AAFB) unlängst organisiert hatte. Die Bahnenthusiasten wollen nicht nur die für eine kleine Insel wie Mallorca durchaus vorzeigbare industrielle Vergangenheit vor dem Vergessen bewahren. Sie erheben auch konkrete Forderungen an die Politik und wollen den Tunnel wieder mit Leben füllen. Denn die Züge durchquerten ihn lediglich bis 1965. Danach wurde der Betrieb eingestellt. Busse und Lastwagen lösten die Bahn ab.

Gleichwohl befindet sich der Tunnel mit seinem Gewölbe und den Stützmauern aus Beton baulich in einem guten Zustand. Mehr noch: Er ist begehbar. "Der Tunnel ließe sich durchaus nutzen, etwa als kurzer Abstecher vom Parc de la Mar bis zur Plaça Mayor", sagt Vereinspräsident Miquel Àngel Riera. Die Röhre wäre wie gemacht für touristische Führungen, könnte aber auch mit einem Auto oder einer Bahn befahren werden.

Bis zum Hauptbahnhof reicht die Röhre allerdings nicht mehr. Sie ist an drei Stellen unterbrochen - durch Tiefgaragen, die nachträglich gebaut wurden. Das erste Parkhaus dieser Art entstand unter der Plaça Major, das zweite am Olivar-Markt und das dritte an der Plaça d'Espanya. Dort erinnert noch eine aufgemalte Lok an jene Stelle, an der einst die Züge in den Untergrund rollten.

(aus MM 7/2016)

Kommentar

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Thomas / Vor über 2 Jahren

Vielen Dank für diesen guten Bericht (nebst Fotostrecke) an das Mallorca-Magazin!

Carneval / Vor über 2 Jahren

Richtig ist, daß weder Mallorca noch Palma "regierbar" sind. Falsch ist jedoch, daß nur "rot-grün" an allem Schuld ist. Ich glaube kaum, daß die Profitgeier - weder gestern noch heute - Sozialisten oder Grüne wählen. Warum wohl sind so viele PP-Größen vor Gericht bzw. verurteilt?

Hajo Hajo / Vor über 2 Jahren

Gert@ Äh ja - und auch das Affentheater um den Born, sagt doch auch über die Profitgeier mehr als genug.

Hajo Hajo / Vor über 2 Jahren

Gert@ die vorherige war doch auf gutem Wege.Vor allen das Image der Insle zu verbessern und die Hotels auf Vordermann bringen zu lassen. Alles was sie zur Verbesserung auf den Weg gebracht hat, wird doch von der jetzigen Stück für Stück wieder zurück genommen. Klar ist doch auch nicht, wer diesen ominöse Klagegemeinschaft gegen die 113 Regeln auf den Weg gebracht hat. Linke die sich nicht disziplinieren lassen und Profiteure die um ihre Umsätze fürchten, könnten es zusammen gewesen sein, wer weiss? Auf der Insel ist alles möglich. Sh. z.B. den Zirkus um Son Serra de Marina, wo eine Seilschaft von Kommune und Profiteuren Strandbuden errichten wollten.

gert / Vor über 2 Jahren

Hajo, welche Regierung war denn Ihrer Meinung nach in der Lage Mallorcas Probleme zu lösen? Das Chaos haben doch alle Vorgängerregierungen mit veranstaltet.

Hajo Hajo / Vor über 2 Jahren

Schade, dass die Röhre unterbroche wurde. Denn der Ausbau der Bahnen wäre doch eine Lösung des Verkerhsproblemes, dass derzeit beklagt wird. Stattdessen werden auch noch geplante Bahnstrecke aus angeblich finaziellen Gründen gestrichen.Im Rathaus regieren nur Dilettanten, wie man am Herumgeeire wegen anderen Projekten sehen kann. Grüne und Linke sind einfach nicht zum Regieren fähig.