Beste Aussichten für Mallorca

| Berlin |
Spaniens Tourismusminister José Manuel Soria (l.) mit Francina Armengol und Biel Barceló.

"Bikerfriendly": Spaniens Tourismusminister José Manuel Soria (l.) mit Francina Armengol und Biel Barceló.

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Urlaubersteuer und Benimm-Regeln hin, Trockenheit und Regenmangel her - auf Mallorca herrscht euphorische Vorfreude auf eine touristische Rekordsaison. Das ist der Eindruck, den Fachbesucher zum Auftakt der Internationalen Tourismus-Böse (ITB) in Berlin am Mittwoch erhalten konnten. "Die Aussichten sind sehr gut, es wird eine historische Saison", sagte die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol.

Für die Sozialistin war es der erste institutionelle Auftritt in Berlin. Auch für ihre beiden Begleiter ist die ITB ein Debüt. Neben Vize-Ministerpräsident und Tourismusminister Biel Barceló war auch Umweltminister Vicenç Vidal an die Spree geflogen, um die Bedeutung des Naturschutzes für die Linksregierung hervorzuheben.

Wie Armengol sagte, werden in diesem Jahr schätzungsweise 4,3 Millionen deutsche Urlauber auf den Inseln erwartet. Im Vorjahr waren es rund 3,9 Millionen gewesen. Mehr Details werden die großen deutschen Reiseveranstalter erst an diesem Donnerstag auf der ITB bekannt geben.

Nicht nur in den Sommermonaten werden die Hotels auf Mallorca bestens gefüllt sein. Auch die Monate in den Nebensaisons weisen sehr gute Zuwachsraten aus, sagte Tourismusminister Barceló. So werden allein in den Monaten April und Mai 5,4 Prozent mehr Urlauber erwartet als vor einem Jahr. Die Einnahmen aus dem Tourismus werden 8,6 Prozent höher ausfallen.

Angesichts der traumhaften Buchungslage rechnet Armengol nicht mit einer negativen Auswirkung durch die geplante Urlaubersteuer. Es sei das Ziel der Regierung, die sogenannte Steuer für nachhaltigen Tourismus zum 1. Juni in Kraft zu setzen, sagte die Ministerpräsidentin auf Nachfrage. Die Einnahmen aus der Steuer seien zweckgebunden und sollen negative Auswirkungen des Tourismus im Umwelt- und Sozialbereich ausgleichen. Ziel sei es, den Reichtum, der mit dem Tourismus auf den Inseln generiert werde, gerechter zu verteilen.

Der Widerstand der Hoteliers gegen die geplante Übernachtungssteuer wird jedoch, sobald sie verabschiedet werden sollte, nicht auf sich warten lassen. Der Präsident des Verbandes der Hotelketten, Aurelio Vázquez, griff am Rande der Präsentation zu einer Fußball-Metapher: "Derzeit steht es Regierung-Hoteliers 1:0. Aber die Partie ist noch nicht vorbei."

Im Interview mit Medienvertretern verteidigte Tourismusminister Barceló die neuen Sanktionen der Stadt Palma gegen Alkoholexzesse. Die hohen Geldbußen richteten sich nicht gegen den Partytourismus in Diskotheken und Klubs. Vielmehr gehe es darum, Saufgelage auf öffentlichen Straßen und Plätzen sowie am Strand zu unterbinden. Es werde niemand belangt, der eine Dose Bier auf dem Sand trinke. Ziel sei es jedoch, Familien mit Kindern den Anblick von Besäufnissen zu ersparen.

Umweltminister Vidal versicherte, es würden alle Vorkehrungen getroffen, damit auch die Trockenheit die Saison nicht beeinträchtige. "Wir arbeiten daran, die Probleme zu minimieren." In den kommenden Tagen und Wochen werden die Meerwasserentsalzungsanlagen in Andratx und Alcúdia zusätzlich zu der in Palma verstärkt eingesetzt. Daneben werden Leitungen saniert und Sparmaßnahmen ergriffen. Mittelfristig sei ein neuer Wasserplan auszuarbeiten.

Mallorca will sich als eine der besten Radreisedestinationen in Europa positionieren. Hierfür präsentierte der Inselrat auf der Messe neue Routen, die von den vier Radtourismuszonen (Calvià / Playa de Palma / Cala Millor und Cala Rajada / Alcúdia und Pollença) in das Inselinnere führen. Auf diesen Wegen sollen sowohl ambitionierte Radsportler als auch Genießer unter den Pedalrittern Spaß haben. Zwölf Millionen Euro werden dieses Jahr in die Ausbesserung schadhafter Asphaltbeläge von Straßen investiert, die speziell bei den Radlern beliebt sind. Die Insel soll sowohl "bikerfriendly" als auch zu einem ausgesprochenen Winterziel für anderweitige sportbegeisterte Urlauber werden.

Wie bereits im Vorfeld der ITB bekannt wurde, hat die große Nachfrage nach Mallorca-Urlaub die Hoteliers veranlasst, ihre Unterkünfte früher zu öffnen als in den vergangene Jahren. So waren im Januar knapp 40 Prozent der Hotels in Betrieb (2015: 17 Prozent). Im Februar waren es 45,4 Prozent (29,6). Im März werden den Prognosen zufolge bereits drei von vier Hotels geöffnet sein, vor einem Jahr waren es lediglich 40 Prozent.

Während die Türkei und die Staaten in Nordafrika Buchungsrückgänge von bis zu 40 Prozent aufweisen, haben insbesondere deutsche und britische Urlauber für 2016 bereits 1,5 Millionen Reisen nach Mallorca gebucht. Das sind zum Stand Ende Februar rund 20 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Der Boom schlägt sich auch auf den Arbeitsmarkt nieder. Mehr Hotels, die früher aus dem Winterschlaf erwachen, lassen den Bedarf an Arbeitskräften in die Höhe schnellen. Mallorcas Hotelverband Fehm schätzt, dass in diesem Jahr 5500 bis 6000 neue Anstellungen an saisonalen Arbeitskräften für den Zeitraum vom Frühjahr bis Ende Oktober benötigt werden.

Angesichts dieser Entwicklung werden auch neue Rekorde für den Flughafen von Mallorca vorausgesagt: Die Airlines haben ihre Flugprogramme für den Sommer um 30 bis 45 Tage im Vergleich zu 2015 vorgezogen. Nach vorläufigen Zahlen sind für den Sommerflugplan (April bis Oktober) 39 Millionen Flugsitze für die Balearen eingeplant, das sind 4,1 Millionen Sitze mehr als vor einem Jahr.

(Aus MM 11/2016)

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