Ecotasa, die missverstandene Mallorca-Steuer

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Die Finca „Es Verger”, auf der sich das Castell d’Alaró befindet, kostet eine Million Euro.

Die Finca „Es Verger”, auf der sich das Castell d’Alaró befindet, kostet eine Million Euro.

Foto: Archivo Ultima Hora

Auch wenn gemeinhin stets von der „Ecotasa”, der „Ökosteuer”, die Rede ist – streng genommen stimmt das so nicht. Vielmehr ist der exakte Name der Steuer folgender: „Llei de l’impost sobre estades turístiques a les Illes Balears i de mesures d’impuls del turisme sostenible”: „Gesetz über die Besteuerung touristischer Aufenthalte auf den Baleareninseln und über Maßnahmen zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus.”

Durch den Begriff „Ecotasa” wird leicht die Erwartung geweckt, das Geld müsse ausschließlich der Umwelt zugute kommen. Das ist so jedoch nicht vorgesehen. Im Gesetz ist die Verwendung für folgende Zwecke vorgesehen:

Schutz, Bewahrung, Modernisierung und Wiederherstellung der Natur, des ländlichen und landwirtschaftlich genutzten Raumes sowie des Meeres.

⇒ die Verringerung der Saisonabhängigkeit, Schaffung und Aktivierung touristischer Nebensaison-Produkte, und Förderung des nachhaltigen Tourismus.

⇒ Rückgewinnung und Rehabilitation des historischen und kulturellen Erbes.

⇒ Förderung von Projekten der wissenschaftlichen Forschung, Entwicklung und Innovation, die zur Diversifizierung der Wirtschaft beitragen, zum Kampf gegen den Klimawandel oder mit dem Tourismus zu tun haben.

⇒ Verbesserung der Ausbildung und der Qualität der Beschäftigungsverhältnisse. Förderung des Nebensaison-Arbeitsmarktes.

Neben dieser inhaltlichen Einschränkung sieht das Gesetz eine prozentuale Aufteilung der Einnahmen aus der Steuer auf die einzelnen Inseln vor. Mallorca stehen demnach 68 bis 74 Prozent zu, Menorca 10 bis 14 Prozent, Ibiza 12 bis 16 und Formentera 1,3 bis 1,8 Prozent.

Laut der Präambel des Gesetzes ist die Steuer als „Entschädigung” für die negativen Folgen des Tourismus gedacht, für Umweltschäden, soziale Verwerfungen und prekäre Arbeitsverhältnisse. Auf der anderen Seite soll sie dazu dienen, die Wettbewerbsfähigkeit des balearischen Tourismussektors durch mehr Nachhaltigkeit und qualitativ hochwertigere Angebote zu verbessern. Die Steuer solle von denjenigen bezahlt werden, die ihren Urlaub in touristischen Unterkünften verbringen, und „direkt oder indirekt das natürliche Gleichgewicht stören, was Folgen für die Gesamtheit der Gesellschaft hat”.

Die Regelung zur Entscheidungsfindung darüber, welche Projekte gefördert werden, sieht folgendermaßen aus: Die Balearen-Regierung hat die „Comissió d’Impuls del Turisme Sostenible” gegründet. Dieser gehören neben Vertretern der Balearen-Regierung Vertreter der Inselräte, der Stadt Palma, des Gemeindeverbandes, der Gewerkschaften, der Unternehmerverbände und Vertreter von Umweltverbänden an (insgesamt 32 Personen). Die Mitglieder dieser „Kommission zur Förderung des nachhaltigen Tourismus” können förderungswürdige Projekte vorschlagen. Mitarbeiter der Tourismusbehörde ATB prüfen diese Projekte und bewerten sie nach einem Punktesystem.

Eine bedeutende Rolle kommt laut Gesetz dem Exekutivkomitee der Kommission zu. Auch in diesem sitzen Vertreter oben genannter Organisationen, allerdings in geringerer Zahl (17 Personen). Das Exekutivkomitee soll die Strategie der Investitionspolitik festlegen. Ferner „analysiert und wählt es die vorgeschlagenen Projekte aus”, die dann von der Kommission in ihrer Gesamtheit beschlossen werden müssen. Allerdings hat die Stimme der Balearen-Regierung besonderes Gewicht: Sowohl in der Kommission als auch im Exekutivkomitee gilt das Votum des Govern jeweils 50 Prozent der Stimmen – eine Tatsache, an der es viel Kritik gibt.

Das Gesetz zur Einführung der Steuer trat im Frühjahr 2016 in Kraft, seit dem 1. Juli 2016 müssen die Urlauber die Abgabe zahlen. Im ersten Jahr flossen so 30 Millionen in den eigens geschaffenen „Fonds für nachhaltigen Tourismus”, 2017 waren es dann 64 Millionen Euro. Im laufenden Jahr sind etwas mehr als 100 Millionen Euro eingeplant. Die Betreiber der Übernachtungsbetriebe sind verpflichtet, die Steuer von ihren Kunden zu kassieren und an das Finanzamt abzuführen. (jm)

Weitere offizielle Infos über die Verwendungszwecke der Übernachtungssteuer finden Sie hier

Der Bericht ist Teil des Themas der Woche im Mallorca Magazin. Die vollständige Berichterstattung lesen Sie in der Ausgabe (25/2018) oder auf E-Paper.

Kommentar

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Hajo Hajo / Vor 18 Tage

Kurtaxe Kurabgabe Strandnutzungsgebühr Tourismusbeitrag - ostsee ...www.ostsee.de/schon-gewusst/kurtaxe.html.................... In den meisten Ostseebädern in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wird die sogenannte "Kurtaxe" und/oder eine Strandnutzungsgebühr ...

Eine 4-köpfige Familie kommt da in 14 Tagen spielend auf über 150 Euro.

Hajo Hajo / Vor 18 Tage

Warum beklagt sich keiner dort, wo man extrem abgezockt wird und trotzdem sind die Hotels voll und die Strände überfüllt. Vor allem aber die Preise für alles mindestens um 50% teurer, als auf der Insel.

Kurtaxe Ostsee - Übersicht & Preise der Kurabgabe..................../www.ostseeurlaub-online.de/infos/kurtaxe/...............Infos und Übersicht zur Kurtaxe im Ostsee-Urlaub. ... Die oder Kurtaxe (auch als Kurabgabe, Kurkarte oder Tourismusbeitrag / Kurbeitrag ... Kühlungsborn

William / Vor 18 Tage

Für mich ist die gesamte Insel ein Urlaubsort, wenn das Geld wie im Artikel beschrieben verwendet wird, ist das gut so.

Sven / Vor 19 Tage

Schon wieder der Vergleich mit der Kurtaxe. Kurtaxe dürfen nur Kurorte erheben um damit die Orte zu verschönern. In Mallorca zahlen die Gäste in Manacor ebenso wie in Campos, werden warscheinlich bald zu Kurorten erlkärt.Die Ecotasa wird nicht zur Verschönerung der Orte oder Strände eingesetzt. Es werden Grundstücke für 8 Millionen zurückgekauft die die Vorgängerregierung verkauft hatte und die nächste Regierung vieleicht ebenfalls wieder wen der Preis stimmt. Die Ecotasa ist nicht Zweckgebunden für Urlaubsorte und deren Infrastruktur und der normale Tourist hat nichts davon.Also nicht verwechseln mit Kurtaxe.In der jetzigen Form ist die Ecotasa ein Betrug gegenüber denen die das bezahlen.

William / Vor 19 Tage

In DE gibt es Kurtaxe, von daher habe ich als deutscher Urlauber kein Problem damit. Vielleicht schreckt es sogar die Saufbolde und Grosskotze ab, obwohl, letztere wohl nicht...

Ingeborg / Vor 19 Tage

Wenn Sauf-Touris nicht verstehen, wofür "Ökosteuern" auf Mallorca gedacht und nicht gedacht sind, sind sie selbst Schuld.

JayDee / Vor 20 Tage

@Rokl: *lol

Metti / Vor 20 Tage

andere Regierungen machen es vor, wie zB die Bundesregierung. Ich kann mich noch ganz dunkel erinnern, das zB der Soli nach einem Jahr abgeschafft werden sollte....nun....ein Jahr kann recht lang werden. Manche meckern hier richtig ab über die dummen Mallorquiner, teils isset doch in Deutschland nicht anders....

Rokl / Vor 20 Tage

Politik ist die Kunst immer neue Gründe für immer neue Steuern zu erfinden. Oder: Man muss die Gans so rupfen, dass man möglichst viele Federn bei möglichst wenig Geschrei bekommt.

Ron Keller / Vor 20 Tage

Ist dieser Text eine Anzeige der Landesregierung?