Horst-Wolfgang Bremke: „Noch jede Menge Spielraum”

Das „Talk-Urgestein” über innovative TV-Formaten

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Eine Unterhaltung mit Horst-Wolfgang Bremke ist wie eine richtig gute Talkshow: spannende Themen, geschmeidige Übergänge – und zwei Stunden, die wie im Fluge vergehen. Auch wenn er eigentlich gerade mal wieder „privat” auf Mallorca ist – „Ich bin der Insel schon seit meinem zehnten Lebensjahr verbunden” –, seine berufliche Leidenschaft lässt sich nun mal nicht in Ferien schicken: „Ich mache hier auf der Insel auch öfter Videos von Events (Golf, Gala) oder privaten Festen.” Wo andere aufhören, fängt er an: Das war schon Ende der 1970er Jahre so, als Horst-Wolfgang Bremke die „NDR-Talkshow” gründete, deren Redak- tionsleiter er über ein Jahrzehnt war: „Meine Experimentierlust, journalistische Inhalte – Politik, Wirtschaft, Kultur bis hin zum Halbseidenen mit schrillen Tönen – zu mischen, gefiel damals nicht jedem. ” Dabei kam er als Diplom-Volkswirt selbst aus der Wirtschaft, hatte unter anderem das ARD-Wirtschaftsmagazin „Plusminus” mitbegründet und turnusmäßig genauso moderiert wie „Extra Drei” oder die „Tagesthemen”. Was ihn damals wie heute antreibt, ist die Neugier auf Menschen – und die Erschließung zeitgemäßer „Infotainment”-Formate für kluge Unterhaltung.

An Mut hat es ihm dabei stets am allerwenigsten gemangelt: Schon als Erfinder und junger Redaktionsleiter der „NDR-Talkshow”– einem Format, das inzwischen auf 30 Jahre Erfolgsgeschichte zurückblickt und bis heute etliche Nachahmer fand – suchte sich Horst-Wolfgang Bremke bewusst ältere Mitarbeiter, „an denen ich mich reiben konnte” – unter ihnen Moderatoren-„Schlachtrösser” wie Wolf Schneider und Hermann Schreiber.

Heute, sagt er, gebe es zu viele Talkshows – neue, ganz andere Formate müssten her: „Deutliche, aggressivere Konturen”, um sich gegen die Konkurrenz gerade der Privaten abzusetzen. Die zahlreichen interaktiven und medienübergreifenden Strukturen, die im Entstehen seien, böten dabei eine vielversprechende Zukunft gerade auch fürs moderne „Familienfernsehen”: „Die ältere Generation hat ein bislang unterschätztes Interesse an wie auch Kompetenz im Umgang mit den modernen Kommunikationstechnologien. Mit dem Laptop auf dem Schoß ist da noch jede Menge Spielraum für ein interaktives und generationsübergreifendes Mitgestalten am Bildschirm.” Auch wenn jede Zeit und jeder Sendeplatz sein eigenes Format erfordere: „Authentizität” laute ein wichtiges Gebot der Stunde – gerade fürs TV-Publikum 40 plus: „Die Web 2.0-Generation hat ihre eigene internationale Talkshow. Vor dem klassischen Talk-Bildschirm sitzt das ältere Publikum – dessen Bedürfnisse muss man genau kennen und Interaktion nach Maß bieten.” Ganz aktuell in Bremkes Pipeline: ein Show-Konzept à la „Spiel ohne Grenzen” zur interkulturellen Verständigung in Europa. „EWG 2011” sozusagen. Es bleibt spannend.

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