Die immergrünen Johannisbrotbäume blühen im Herbst. Ihre unscheinbaren Pollen und Blüten sind eine wichtige Nahrungsquelle für die Bienen. | Pilar Puig

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Auf einem langen Holztisch steht ein Glas Carob-Blütenhonig. Er ist der ganze Stolz von Pilar Puig. Beim internationalen Wettbewerb für Biohonig „Biolmiel” in Italien hat er kürzlich in seiner Kategorie die Goldmedaille gewonnen. Dieses Jahr sei der Honig besonders rein, meint die Imkerin, während sie kleine Löffel für die Kostprobe bereitlegt. „Er besteht zu 90 Prozent aus Pollen von Carob, also des Johannisbrotbaums.” Normal seien 60 bis 70 Prozent.

Es ist ein sonniger Frühlingstag auf der Finca Son Cabàs Nou bei Santa Maria. Zwischen ausgedehnten Feldern mit gewaltigen Johannisbrotbäumen blühen bunte Wildblumenwiesen. Üppig sprießen gelbe Senfpflanzen, violette Lavendelsträucher, pinke Zistrosen und hellrosafarbene Affodillle, alles wichtige Nahrungspflanzen für die Bienen. „Imkerei und Landwirtschaft gehen bei uns Hand in Hand”, erklärt die Malloquinerin. Ihre Finca Can Cabás Nou lebe vom Verkauf von Johannisbrotschoten. Die 30 Bienenvölker der Finca dienten nicht in erster Linie der Honigproduktion, sondern erhöhten durch ihre Bestäubung die Produktivität der Carobbäume. Außerdem leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt.

Auf Mallorca blühen Johannisbrotbäume ab dem frühen Herbst. Letztes Jahr sei die Blüte überwältigend gewesen, erzählt Pilar Puig. Im Oktober und November habe der Nektar an den Bäumen richtig geglänzt. Der Grund dafür? Vielleicht sei es ein Überlebensmechanismus nach dem extrem trockenen und heißen Sommer gewesen, ein Phänomen, das man auch bei anderen Pflanzen beobachtet, meint sie. „Es war, als hätten die Carobbäume nach dem Hitzestress all ihre Kraft aufgeboten, um Nektar zu produzieren.” Andere Pflanzen hätten im Herbst kaum geblüht. So sammelten die Bienen fast ausschließlich Carob-Pollen und Nektar.

Die Honigtöpfe in Bienenstockform enthalten links Blütenhonig von Frühlingsblumen, rechts den helleren Carobhonig.
Die Honigtöpfe in Bienenstockform enthalten links Blütenhonig von Frühlingsblumen, rechts den helleren Carobhonig.
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Zeit für die Kostprobe: Es sei roher Honig, betont die Imkerin, unbehandelt, nicht erhitzt oder gefiltert, nur zentrifugiert. Die Konsistenz ist fest, die Farbe heller Bernstein. „Wenn man ihn mit dem Löffel abschabt, wird er cremig”, sagt Pilar Puig und macht es vor. Mit erwartungsvollem Blick reicht sie dann die Probe. Der Honig schmeckt erdig, leicht herb, der Carob kommt eindeutig hindurch. Und da ist noch etwas. „Er hat eine leichte Note von Toffee und Lakritz”, hilft Pilar Puig nach. Stimmt. Was für ein Aroma! „Das ist der authentische Geschmack der Insel”, ruft die Imkerin aus. Carob-Blütenhonig zu essen bedeute, die Essenz Mallorcas zu kosten. Viele Produkte basierten auf Pflanzen, etwa Wein, aber Honig stamme von der Blüte, welche die Essenz der Pflanze enthalte.

Außerdem habe der Johannisbrotbaum besondere Bedeutung für Mallorca. „Er ist ein Symbol unserer Identität.” Wie kein anderer Baum halte er Hitze, Dürre und Schädlingen stand. Er trage das ganze Jahr grüne Blätter und fruchte auch ohne Bewässerung. Obendrein helfe er, die Auswirkungen des Klimawandels zu mindern, weil er durch seine tiefen Wurzeln als CO2-Senke fungiere.

PALMA - VISTA GENERAL DE UN ALGARROBO.
Jonhannisbrotbäume sind immergrün und ein Kennzeichen der mallorquinischen Landschaft.

„Carob-Blütenhonig musst du relativ schnell aufbrauchen”, meint Pilar Puig, als sie merkt, wie gut die Kostprobe ankommt. Er habe eine Tendenz zum Fermentieren. Das mache im Grunde nichts, man könne ihn noch gut zum Kochen verwenden, etwa für Pfannkuchen wie Ahornsirup, aber er habe dann nicht mehr alle Nährstoffe. Das sei nämlich eine weitere Besonderheit: „Carob-Blütenhonig ist unglaublich reich an Antioxidantien und Mineralien wie Magnesium, Kalzium und Kalium, ein richtiges Superfood.” Herbsthonig enthalte allgemein mehr Mineralstoffe als Frühlingssorten, aber dieser besonders. Eine Studie der Balearen-Universität, bei der 70 mallorquinische Imker Proben ihrer Herbstsorten abgegeben hätten, habe das bestätigt. Der Mineralstoffgehalt sei sogar so hoch, dass er den in der EU zugelassenen Höchstwert für elektrische Leitfähigkeit bei Honig übertreffe. Für einige Sorten bestehe allerdings kein Grenzwert, zum Beispiel für Lindenblüten- oder Eukalyptushonig. Nun versuche man, auch für mallorquinischen Carob-Blütenhonig eine Ausnahme zu erwirken. „Unser Ziel ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung.” Sie würde das Inselprodukt aufwerten und Betrug reduzieren. Sehr oft werde nämlich Importware als mallorquinischer Honig vermarktet. Weitere Informationen zum Carob-Blütenhonig von Can Cabás Nou gibt es unter projecteequilibri.org

Chefköche Mallorcas haben den emblematischen Honig bereits entdeckt. Javier Hoebeek zum Beispiel, Chef des mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurant „Fusion 19” am Strand von Muro, verwendet ihn im Degustationsmenu, dem selbstgebackenen Carobbrot und in Desserts. Die Qualität habe ihn überzeugt, meint er: „Der Geschmack, die erdige Note, die Textur, die gar nichts mit anderen Honigsorten zu tun hat.” Das sei außergewöhnlich.