Das kurze, intensive Leben der Margarete Zimbal

| Capdepera, Mallorca |
Das Werk von Jaume Miró, „Les cançons perdudes” (Die verlorenen Lieder) wurde am Montag im Kastell von Capdepera uraufgeführt.

Das Werk von Jaume Miró, „Les cançons perdudes” (Die verlorenen Lieder) wurde im August im Kastell von Capdepera uraufgeführt.

Foto: as

Groß, schlank, blond, blauäugig: Der Jungmädel-Führerin wäre die Karriere im „Dritten Reich” sicher gewesen. Doch dann riss die 17-Jährige 1933 von zu Hause aus, zog wandernd und Gitarre spielend durch Spanien und trat bei Ausbruch des Bürgerkrieges in Barcelona in die Miliz der trotzkistischen POUM ein. Mit gerade einmal 20 fiel sie an der Aragón-Front, als sie einen Kameraden, der einen Bauchschuss erhalten hatte, in den Schützengraben zurückziehen wollte.

Der Name der Frau – Margarete Zimbal – ist bislang keinen fünf Leuten bekannt gewesen. Bis sich der mallorquinische Dramatiker Jaume Miró der jungen Milizionärin annahm und ihr zu Gedenken ein Theaterstück schrieb, das am 6. August auf der Freilichtbühne des Kastells von Capdepera uraufgeführt wurde. Der Bezug zu Mallorca: Margarete Zimbal hatte zeitweise auf der Insel, vermutlich sogar in Cala Rajada, gelebt. Dann, als der Bürgerkrieg im Juli 1936 ausbrach, kehrte sie als Sanitäterin auf die Insel zurück, um gemeinsam mit ihren Kameraden Mallorca von den Franquisten zurückzuerobern. Bei den Kämpfen in Porto Cristo fällt ihr Freund, Erwin Bressler.

Das Theaterstück ist ein beachtliches Werk, geschrieben für drei Schauspieler, die in Rückblenden und Vorausblicken facettenreich sowie bei sparsamsten Mitteln und Requisiten bruchstückhaft die Suche des forschenden Biographen nach der Lebensgeschichte der Frau in Szene setzen. Ein schwieriges Unterfangen. Denn von Margarete Zimbal ist so gut wie nichts Schriftliches überliefert. Die Aussagen der Zeitzeugen, die sie persönlich kannten, müssen wie einzelne Puzzleteile zusammengetragen werden. Allmählich bildet sich das Bild einer jungen Frau heraus, die sich keinerlei Zwängen zu unterwerfen bereit war. „Sie ist der Prototyp der revolutionären Frau”, lässt Miró einen seiner Protagonisten resümieren. 50 Minuten Dokumentar-Theater, mit Gänsehauteffekt.

Doch wer war Margarete Zimbal? Geboren 1916 in Jannowitz, wächst sie in Breslau auf. Ihr Vater, der Maler Hans Zimbal, steht früh dem Nationalsozialismus nahe, wird nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler auch aufgrund seines braunen Parteibuches 1934 Lehrer an der Staatlichen Hochschule für Kunsterziehung in Berlin und 1936 Professor. Doch da haben sich Vater und Tochter längst zerstritten. Die einstige BDM-Führerin schließt sich dem zehn Jahre älteren „Arbeiterfotografen” Walter Reuter und dessen jüdischer Freundin Sulamith Siliava an. Zu dritt verlassen sie nach der März-Wahl Deutschland, trampen durch Frankreich und Spanien bis nach Málaga, wo sie sich mit Straßengesang und Porträtfotografien der frühen Urlauber über Wasser halten. Als Sulamith schwanger wird und sich mit Walter Reuter in Torremolinos niederlässt, zieht Zimbal mit einem Freund weiter nach Barcelona und Port de Sóller, danach wieder aufs Festland.

Im Bürgerkrieg soll sie sich ihren Kameraden zufolge durch außergewöhnlichen Mut hervorgetan haben. Ihr Grab ist unbekannt.

(aus MM 32/2018)

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