Das ganz eigene Kunstmuseum in Port d'Andratx

| Port d'Andratx, Mallorca |
Die Kunst von Barbara Weil und die Architektur von Daniel Libeskind sind wie für einander geschaffen.

Die Kunst von Barbara Weil und die Architektur von Daniel Libeskind sind wie für einander geschaffen.

Foto: Martin Breuninger
Die Kunst von Barbara Weil und die Architektur von Daniel Libeskind sind wie für einander geschaffen.Über ihre Werke sagt die Künstlerin: "Selbst die tiefste Arbeit kann einen Hauch von Ironie oder sogar von Komik an sich haben."

Wovon viele Künstler träumen, Barbara Weil hat es getan. Die Amerikanerin, die 1933 in Chicago geboren wurde und seit 1972 auf Mallorca lebt, hat sich für ihre Arbeiten ein Museum bauen lassen: das Studio Weil in Port d'Andratx.

"Ein Weltklasse-Gebäude", sagt die Besitzerin nicht ohne Stolz, denn der Entwurf stammt von Daniel Libeskind, der wenig später als Sieger aus dem Wettbewerb für den Wiederaufbau von Ground Zero in New York hervorgegangen war.

"Daniel hatte gerade das Jüdische Museum in Berlin beendet und war froh, eine Kundin wie mich zu haben", erzählt sie. Was sie damit meint? Ihre Skulpturen und Bilder. Kräftige Farben aus Acryl und Lack, metallische aus Autolack, dynamische, teils architektonische Formen, zerlegt und neu zusammengesetzt. Im ihrem Studio fügen sich Weils Kunst und Libeskinds Architektur zu einem organischen Ganzen.

Geboren wurde Barbara Weil 1933 in Chicago. In ihrer Heimatstadt studierte sie am Art Institute of Chicago, lebte und arbeitete in Kalifornien, bevor sie sich vor gut vier Jahrzehnten auf Mallorca niederließ.

"Meine Formen sind Ausschnitte aus Lebenserfahrungen", hat sie einmal geschrieben. Doch diese Erfahrungen gibt sie nicht preis. Die Werke sollen für sich selbst sprechen. Und in einem ist sie sich sicher: Auch derjenige, den ihre Arbeiten nicht ansprechen, kann erfassen, dass sich die Architektur und Kunstwerke des Studios aufeinander beziehen. "Ich habe Besucher aus aller Welt, und jeder versteht das."

Ein Teil des Werks von Weil besteht aus abstrakt expressionistischer Malerei. Immer wieder begegnet dem Betrachter zwischen den Primärfarben ein leuchtendes Rot. Rot sei ihre Farbe, sagt die Künstlerin.

Und weil kein Mensch nur Pixel sieht, entstehen beim Betrachten im Gehirn Figürlichkeiten. Auch bei Weil selbst. Ihren zweidimensionalen, architektonischen Formen hat sie die ein oder andere Figur entnommen und sie in die Dreidimensionalität entlassen. "Ein Gefühl eines freudig-ironischen Entzückens" nennt sie diese halbabstrakten Figuren mit ihren lustigen roten Stiefeln und erklärt: "Zunächst einmal sind die Skulpturen mein eigenes Gespräch mit dem Gemälde: Selbst die tiefste Arbeit kann einen Hauch von Ironie oder sogar von Komik an sich haben. Was verbirgt sich in den Büschen? Wer oder was spricht mit uns in Abstraktion?"

Auch mit dem Betrachter kommunizieren ihre Skulpturen, die eine Wechselwirkung mit den zweidimensionalen Bildern herstellen. Was sie sagen? "Unter anderem sagen sie: Sie wollen Sinn? Hier ist er - ein witziges und rührendes Ensemble, das aus der Abstraktion gezogen wurde und mit Ihnen spricht."

Ebenfalls halbabstrakte Figuren zieren Teile der Außenfassade des Studios. Sie bleiben in der Zweidimensionalität und wirken doch nicht weniger lebendig. Figurativ dagegen sind Weils Zeichnungen. Sie reichen von Selbstporträts als Akt bis zu ihrer Serie "Drawings from movies" (Zeichnungen aus Filmen).

Nicht nur in ihren Zeichnungen finden sich zahlreiche Bezüge zu Themen wie Feminismus, Weiblichkeit und Sexualität. Gleiches gilt für ihre abstrakten Arbeiten: Sei es in der Fassadenbildserie "Die Frau, der Liebhaber und der Teufel" oder die Gemäldereihe "Forest of Love" (Liebeswald), aus der sie die dreidimensionalen Figuren entnahm, sei es in der gebärmutterförmigen und zugleich fliegenden Figur "Superwoman" (Superfrau), die sie aus dem Bild "Goddess of Love" (Göttin der Liebe) herausgeschnitten hat.

Neben diesen Urthemen der Menschheit wendet sich Weil höchst aktuellen Geschehnissen zu. "The Migrant Boat People" hat sie etwa ihre Zeichnungsserie über Bootsflüchtlinge betitelt. Ihnen hat sie auch eine Skulptur in Form eines Tores gewidmet. Sie besteht aus bemaltem, teils mit Zeichnungen und Fotoabbildungen beklebtem Styropor. Als Material habe sie die Verpackung ihres neuen Computers verwendet, erzählt Weil.

Nicht minder aktuell: Ihre Serie "Torn Apart" (Auseinandergerissen) mit collagenartigen Arbeiten, die wie Schaukästen an der Wand hängen. Mit ihnen setzt sich Weil mit Ereignissen im Nahen Osten, der Ukraine, aber auch mit den islamistischen Terroranschlägen in Frankreich auseinander.

Zur reinen Abstraktion ist sie mit ihrer jüngsten Reihe "New Action" zurückgekehrt. Bei ihr handelt es sich um Acrylmalerei auf Papier. Fragt man sie danach, ob diesen Arbeiten ein ausgearbeitetes Konzept zugrunde liege, verneint sie dies und antwortet mit der entwaffnenden Offenheit einer Künstlerin, die sich und anderen nichts mehr beweisen muss: "Im Grunde ist das alles ganz einfach. Kompliziert machen es nur die Kunstkritiker."

INFOS:

Öffnungszeiten: Besuch nach Absprache: 971-671647 oder studiobweil@gmail.com
Eintritt: 15 Euro
Ort: Studio Weil, Camí de Sant Carles 20, Port d'Andratx, www.studioweil.com

(aus MM 10/2017)

Kommentar

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Loli / Vor 5 Monaten

War das dann alles kostenlos für Pto Andraitx?????