Jubiläum im Libeskind-Bau auf Mallorca

Das Studio Weil wurde am 6. September 2003 eingeweiht

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Der Entwurf des Studio Weil stammt von Stararchitekt Daniel Libeskind.

Der Entwurf des Studio Weil stammt von Stararchitekt Daniel Libeskind.

Der Entwurf des Studio Weil stammt von Stararchitekt Daniel Libeskind. Barbara Weil lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Mallorca.

Barbara Weil war sehr nervös an jenem 6. September 2003, als sie ihr neu erbautes Studio in Port d'Andratx einweihte. Ein Bau wie Studio Weil, konzipiert und entworfen von dem polnisch-amerikanischen Stararchitekten Daniel Libeskind, war für Mallorca ungewöhnlich, war futuristisch und gewagt - und ist es heute, nach zehn Jahren, immer noch.

Es ist eine perfekte Kombination von Kunst und Architektur, von Innen und Außen, von öffentlichem und privatem Raum. Studio Weil in Port d'Andratx ist gleichzeitig Atelier und Ausstellungsraum, ein Ort, in dem Kunst entsteht und gezeigt wird, ein Ort der Kontemplation, der Träume - sowohl für die Künstlerin als auch für Besucher.

Barbara Weil und Daniel Libeskind haben beim Konzept eng zusammen gearbeitet. Als er ihre Skulpturen sah, war klar, dass man sich verstehen würde. Sie wiederum bewunderte seine Arbeiten, sowohl die Bauten der Jüdischen Museen in Berlin und San Francisco, als auch Entwürfe für Projekte in Guadalajara und Israel. Beide Künstler betonen, dass sie sich gegenseitig inspirieren. "Wir wussten sofort - es gibt Zuneigung und Gleichklang zwischen uns", erinnert sich Barbara Weil. "Wir wussten, wir haben etwas miteinander zu tun. Wir hatten gleiche Ideen, getrennt voneinander."

Material dieser Bauskulptur (Bauzeit fünf Jahre, Kosten 720.000 Dollar) ist weißer Beton, unverputzt, sozusagen ungeschminkt. Studio Weil ist in mehreren Ebenen gebaut, die sich teilweise überschneiden und immer wieder Einblick in die jeweils andere Ebene gewähren. Fenster im konventionellen Sinn gibt es nicht, dafür Glasfronten und offene Räume. So ist Transparenz gewährleistet. Treppen, die auf den ersten Blick ins Nichts führen, erweisen sich als Zugang zu einem Ausblick und damit als Verbindungsglied zwischen Innen und Außen.

Der Eingangsbereich wird durch einen zylindrischen Turm in Form eines Halbbogens dominiert. Ein riesiger Raum ist wie eine Höhlung ausgespart, Raum für einige Weilsche Skulpturen, die mit der Bauform in Einklang sind. Hier wie dort sind Rundungen und spitze, niemals rechte Winkel zu finden.

Über eine Rampe erreicht man den ersten Ausstellungsraum mit bunt gespritzten Fiberglasreliefs und -plastiken von Barbara Weil, die farblich in scharfem Kontrast zu den Bauelementen stehen.

Um in den zweiten Stock zu gelangen, muss man den Raum verlassen, das Gebäude von hinten umrunden. Hier befinden sich weitere Ausstellungs- und Arbeitsräume. Die Grenzen zwischen dem einen und dem anderen sind fließend.

Barbara Weil wurde geboren in Chicago. Zunächst studierte sie Soziologie, später am Art Institute, wurde sie von den Ideen des Bauhaus, von Laszlo Moholy Nagy beeinflusst. In ihrer Heimatstadt war sie seit jeher von moderner Architektur umgeben, sah die Stadt unter dem Einfluss von Mies van der Rohe wachsen. Sie beschäftigte sich intensiv mit der Kunst von Malevich, mit den Abstraktionen von Kandinsky und den Farbstudien von Johannes Itten. In ihrer Formensprache sucht sie die Überschneidung von abstrakten Linien und gleichzeitig die absolute Reduzierung.

Seit über 30 Jahren lebt und arbeitet Barbara Weil in Port d'Andratx. Sie kam zunächst per Yacht nach Mallorca, entschloss sich aber sehr bald zu bleiben. Hier wuchsen ihre vier Kinder auf, heute lebend in Barcelona und in den Vereinigten Staaten. Port d'Andratx ist aber immer noch der Familientreffpunkt schlechthin.

Barbara Weil kann auf eine lange, erfolgreiche Karriere zurückblicken. Ihre Skulpturen, aus Glasfiber und Metall, aus Lacken und Schablonen sind nicht jedermanns Sache. Doch sie sind immer voller Faszination, voller Magie und Geheimnis. In den vergangenen Jahren arbeitete sie meist mit sehr kräftigen Farben, heute ist ihre Chromatik blasser geworden, aber nicht weniger intensiv. Ihre Bilder aber sind immer noch in starken, klaren, unverbildeten Farben gehalten.

Müsste sie selbst sich in die Kategorien der Kunstgeschichte einordnen, "ich würde mich zwischen American Abstract und dem deutschen Expressionismus sehen", sagt die Künstlerin.

Immer wieder ändert sie Themen und Material, verwischt die Grenzen zwischen Zeichnung, Malerei und Skulptur. "Ich habe", sagt Barbara Weil, "amerikanische Wurzeln und ungarisches Erbe in die mediterrane Kultur transportiert."


INFO

Studio Weil, Port d'Andratx, Camino San Carlos 20.
Besichtigung nach Vereinbarung unter Tel. 971-671647.

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