Tierisches Kulturgut von Mallorca

| Santa Margalida, Mallorca |
Joan Vicenç kommandiert seinen Schäferhund lautstark

Joan Vicenç kommandiert seinen Schäferhund lautstark. Dieser erfüllt seine Aufgaben mit Bravour.

Foto: Foto: Eva Carolin Ulmer
Joan Vicenç kommandiert seinen Schäferhund lautstarkDie Deutsch-Spanierin Ana Bujan kam vor zehn Jahren auch wegen des Ca de Bestiar auf die Insel

Dieser Schäferhund versteht Mallorquinisch besser als viele Ausländer auf der Insel. "Esquerra, esquena, vina davant, dret. (Links herum, nach hinten, komm vor, nach rechts)". Wortreich und lautstark kommandiert ihn der Schäfer - die Reaktion folgt prompt. Meisterhaft lenkt der Hund die Herde. Mal treibt er die Tiere in eine Koppel, mal schubst er sie durch eine Pforte in ein kleines Gehege. Ausreißer holt er schnell zurück. Und wenn ein Schaf partout nicht spuren will, bringt er es mit einem kleinen Biss - eher ist es ein Knabbern – wieder auf Kurs.

Der Club des Mallorca-Schäferhunds Ca de Bestiar (wörtlich Viehhund) führte jüngst das Können des robusten Vierbeiners auf der Landwirtschaftsmesse von Santa Margalida vor. Der Schäfer heißt Joan Vicenç. Er ist einer der Pioniere des 1981 gegründeten Clubs: "Der Ca de Bestiar ist ein wunderbarer Hund. Er gehört zur Kultur der Insel. Ich möchte helfen, sie aufrechtzuerhalten. Deshalb mache ich hier mit. Zu viel ist in den letzten Jahren verloren gegangen."

Sitz, Platz und Fuß langweilen ihn

Der Ursprung des schwarzen Mallorca-Schäferhunds ist nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich hat er sich aus verschiedenen eingeführten Hunden herausgebildet. Es sei ein Allrounder, der sich sowohl zum Viehhüten wie zur Wache von Haus und Hof eigne, sagt Ana Bujan. Die Deutsch-Spanierin zog vor zehn Jahren nach Mallorca. Ein wesentlicher Grund dafür war die Begeisterung für den Ca de Bestiar. Sie engagiert sich im Club, kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit und ist bei allen großen Messen mit einem Stand vertreten. Es sei ein sehr ursprünglicher und eigenständiger Hund. Das schätze sie an ihm, sagt sie und erklärt: "Er hat keinen ausgeprägten Wunsch zu gefallen wie etwa der Labrador. Sitz, Platz, bei Fuß, das kann der Ca de Bestiar zwar auch alles, aber er macht es nur bis zu einem bestimmten Punkt. Dann langweilt er sich." Er sei eigensinnig und unabhängig und das sei auch eine Qualität. "Früher, als es noch nicht so viele Zäune gab, ließen die Schäfer ihre Hunde oft allein bei den Schafen. Sie deuteten ihnen die Grenze, die sie bewachen mussten, an: ,Hier und da nicht.' Und der Hund bewachte das Gebiet dann ganz allein."

Um den Ca de Bestiar zu trainieren, müsse man ihn erst einmal "knacken", das heißt, die Aufgaben sehr variieren und ihm viel Bewegung geben. Dreimal um den Block gehen reiche nicht. Er müsse sich richtig ausarbeiten. Ana Bojan weiß, wovon sie spricht. Sie hat zwei Rüden und zwei Weibchen dieser Rasse. "Untereinander sind sie nicht unbedingt gesellig. Wenn sie mit anderen Hunden zusammen in einem Haus schlafen, suchen sie sich lieber ihren eigenen Platz aus, als bei den anderen zu liegen." Er sei auch nicht der typische Familienhund, sondern eher ein Ein-Personen-Hund. Natürlich komme es darauf an, wie er aufwachse. Er werde viel geselliger, wenn er von klein auf von Kindern umgeben sei. Aber im Prinzip suche er sich seine Bezugsperson aus und sei ihr dann grenzenlos treu und ergeben mit einem ausgeprägten Schutzinstinkt.

Das Talent des einzelnen Hundes fördern

"Die Beziehung zwischen diesem Hund und seinem Herrchen ist unbeschreiblich", wirft der Clubpräsident Miquel Lliteras ein. "Es ist schon geschehen, dass ein Ca de Bestiar für seinen Besitzer gestorben ist." Er sei ein intelligenter und mutiger Hund, aber nicht jeder eigne sich für alles. Das Talent müsse man herausfinden und dann trainieren, sagt Lliteras. Das Ziel des Clubs sei, die Rasse immer weiter zu verbessern, wobei das Wesen, seine Fähigkeit zu arbeiten, wichtiger sei als das Äußere.

Einen Standard gibt es aber. Ein Ca de Bestiar soll tiefschwarzes kurzes Fell haben, die Augen so dunkel wie möglich, die seitlichen Lippen gerade, damit er nicht sabbert und bei Hitze Flüssigkeit verliert, die Ohren relativ klein und seitlich etwas abstehend. "Anders als man meint, schützt ihn das schwarze Fell bei großer Hitze, aber er kann auch Kälte vertragen", erklärt Lliteras. Männchen sollen 66 bis 73 Zentimeter groß und 40 Kilogramm schwer sein, Weibchen fünf Zentimeter kleiner und fünf Kilogramm leichter. 300 Euro kostet ein Welpe inklusive Chip, Impfung und Entwurmung.

(aus MM 15/2016)

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