Beatmungspatient macht Inselferien

| Binissalem, Mallorca |
Pflegerin Ireen Jansen stillt Mario Weigerst Durst, indem sie ihm Wasser über eine Magensonde verabreicht

Pflegerin Ireen Jansen stillt Mario Weigerst Durst, indem sie ihm Wasser über eine Magensonde verabreicht.

Foto: Foto: Patricia Lozano
Pflegerin Ireen Jansen stillt Mario Weigerst Durst, indem sie ihm Wasser über eine Magensonde verabreichtSind rund um die Uhr für Mario Weigert da: Natalie Stöbe, Ireen Jansen vom Königsborner Pflegedienst sowie Antonio Alomar vom Pf

Mario Weigert reist mit großem Gepäck und drei Personen nach Mallorca, die sich rund um die Uhr um ihn kümmern. Doch der 24-Jährige ist nicht etwa reich oder berühmt, er ist ein normaler junger Mann. Nur leidet er an Spinaler Muskelatrophie (SMA), einer seltenen Erkrankung, die ihn zum Pflegefall macht. Als Dreijähriger wurde SMA bei ihm festgestellt.

Mario Weigert kann nicht allein sitzen, benötigt einen Rollstuhl, und seit 15 Jahren kann er nur eine Stunde lang ohne Beatmungsgerät atmen, danach ist er erschöpft. Der junge Mann benötigt eine Reihe von medizinischen Gerätschaften, darunter sein Beatmungsgerät, deshalb sein umfangreiches Reisegepäck. Drei Pfleger - zwei aus Deutschland, einer von Mallorca - versorgen ihn im Schichtdienst, ein Arzt dient als Ansprechpartner. Der junge Mann ist ein positiv gestimmter, intelligenter Mensch: "Ich genieße das Leben", sagt er.

Den Urlaub ermöglicht ihm eine Kooperation zwischen dem Königsborner Pflegedienst, der ihn in seiner Wohnung in Düsseldorf versorgt, und dem Pflegedienst Mallorca. Der Kontakt entstand auf einer Messe im Pueblo Español. Die Pflegekosten trägt die Krankenkasse. Untergekommen ist Mario Weigert in Binissalem, dort wurde ein Gästehaus für ihn angemietet.

Für Unterkunft und Transport kommt der junge Mann selbst auf. Leisten kann er sich das, weil er einer Bürotätigkeit im Pflegedienst nachgeht. "Eigentlich sollte er fliegen", sagt Antonio Alomar, Chef des mallorquinischen Pflegedienstes. Doch die Hürden der Airlines sowie die amtlichen Vorgaben für einen Liegendtransport waren zu hoch, so reiste die kleine Gruppe per Auto und anschließend Fähre ab Barcelona auf die Insel. Drei anstrengende Tage lang waren sie unterwegs.

"Eigentlich bin ich Langschläfer" erklärt Mario Weigert, doch auf Mallorca will er den Morgen genießen. Denn er ist das erste Mal auf der Insel, zwei Wochen Urlaub verbringt er hier. Gesehen hat der Düsseldorfer in dieser Zeit schon Sóller, Lluc, Andratx, Pollença und Cala Rajada, Ballermann und Weinverkostung stehen noch auf dem Programm. "Die Berge haben mir am besten gefallen", erzählt er. Das Wetter könne zwar besser sein, "doch große Hitze kann ein Beatmungspatient nicht aushalten". Im Laufe des Gesprächs saugt Pflegerin Ireen Jansen ihm immer wieder den Mund aus. Mario Weigert ist rund um die Uhr auf Fürsorge angewiesen.

Selbst schlucken kann er nicht. Manchmal stecken die Pflegekräfte ihm etwas zu essen in den Mund oder benetzen die Zunge, damit er etwas schmecken kann. "Die Fischsuppe in Cala Rajada war vorzüglich", erinnert er sich. Danach wird die Nahrung wieder abgesaugt, er würde sonst an seinem Essen ersticken. Über eine Sonde bekommt er Nahrung und Flüssigkeit. "Alles was durch das Röhrchen passt, können wir ihm geben", erklärt Pflegerin Natalie Stöbe. Zum Beispiel Whisky, denn den mag der junge Mann besonders gern. Sie und ihre Kollegin sind hochspezialisierte Pflegekräfte für außerklinische Beatmung.

Die Lebenserwartung mit seinem Krankheitsbild beträgt zwölf Jahre, Mario Weigert ist mittlerweile doppelt so alt. In Deutschland gilt er als der älteste SMA-Patient des Typs 1, der schwersten Erkrankungsstufe. Seine Pfleger muss er auf nächste Nähe an sich heranlassen, das ist nicht immer einfach. Der Urlauber und der mallorquinische Pfleger Antonio Alomar kannten sich vorher nicht. Doch die beiden jungen Männer haben sich von Anfang an verstanden.

Der 24-Jährige soll nicht der einzige Pflegefall bleiben, der in den Genuss eines Mallorca-Urlaubes kommt. Vorbereitungen für drei weitere Patienten werden derzeit getroffen, berichtet Alomar. Zu lösen gilt es das Transportproblem. "Mit einer normalen Airline wird das nicht möglich sein", sagt der junge Pfleger, zur Diskussion steht das Chartern eines Privatjets, der die pflegebedürftigen Urlauber auf die Sonneninsel bringt. Damit der Urlaub mit weniger Anstrengungen beginnt.

(aus MM 08/2016)

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f.wittmann / Vor über 2 Jahren

hey ich finde es super dass es noch menschen mit so viel herzlichkeit gibt,noch besser wäre es wenn die menschen die nicht wissen wohin mit ihrem reichtum sich solchen projekten widmen würden und zb. die kosten für jet und alles andere einfach so übernehmen würden.mfg.tine