Der Zeppelin näherte sich Mallorca nur nachts

| Mallorca |
 Das Luftschif "LZ 127" wurde auf den Namen "Graf Zeppelin" getauft und umrundete im selben Jahr per Weltreise die Erdkugel.

Das Luftschif "LZ 127" wurde auf den Namen "Graf Zeppelin" getauft und umrundete im selben Jahr per Weltreise die Erdkugel.

 Das Luftschif "LZ 127" wurde auf den Namen "Graf Zeppelin" getauft und umrundete im selben Jahr per Weltreise die Erdkugel.Die Aufnahme aus dem Fotoband zeigt den Speisesalon im Luftschiff. Die Aufnahme aus dem Fotoband zeigt die Stadt Sevilla aus der Vogelperspektive.Die Landkarte aus dem Buch zeigt den genauen Verlauf der "Spanien-Fahrt 1929".

Ob sie in der Ferne die Lichter oder zumindest die Bergspitzen von Mallorca gesehen haben? Weit im Osten, vielleicht im ersten Licht des anbrechenden Tages? Unwahrscheinlich ist das nicht. Denn an kristallklaren Tagen ist selbst von Barcelonas Höhen aus die Mittelmeerinsel schemenhaft zu erkennen. Aber vermutlich war es zu dunkel. Denn das Luftschiff "Graf Zeppelin" erreichte Barcelona an jenem 25. April 1929 in aller Herrgottsfrühe, um 4.30 Uhr.

Dass diese Informationen jetzt wieder dem Vergessen entrissen werden, ist dem Nautik-Experten der spanischen MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora", Gabriel Alomar, zu verdanken. Der Journalist mit dem Kennerblick für Schiffe, auch Luftschiffe, stieß beim Stöbern auf einem Flohmarkt für antike Bücher auf den deutschen Bildband "Zeppelin Weltfahrten". Für Alomar ein seltener Glücksfall. "Ich weiß von diesen Bänden, in denen zum Begleittext Original-Fotografien eingeklebt sind. Aber oft fehlen die Aufnahmen. In diesem Fall waren aber die Fotos vollständig. Also kam ich nicht umhin, den Band zu kaufen." Das Werk wechselte für 150 Euro den Besitzer.

Die 264 Fotografien, die selbst 80 Jahre nach ihrem Abzug den Glanz der Bromsilberschicht aufweisen, erzählen insbesondere die Geschichte des Luftschiffes "LZ 127". Dieses steht wie kein anderes für den Höhepunkt der Luftfahrt mit den sogenannten Starrluftschiffen. Das zigarrenförmige Gefährt erhob sich am 18. September 1928 erstmals in die Lüfte und begründete die Blütezeit der Zeppelin-Luftfahrt. Das berüchtigte Unglück von Lakehurst, das 1937 das Ende der Ära der Luftschiffe einleitete, lag damals noch ein knappes Jahrzehnt in der Zukunft

Dem 1933 in Dresden veröffentlichten Bildband entströmt die uneingeschränkte Euphorie über das innovative Verkehrsmittel. Doch auch der bereits einsetzende Einfluss des Nationalsozialismus ist bereits sichtbar. "Die Entwicklung der Zeppelin-Luftschiff-Fahrt steht mit goldenen Lettern in Deutschlands Geschichte", heißt es im Vorwort des Bandes über die Pioniertage der Gefährte während des Ersten Weltkriegs. "Stärke unseren Glauben an Deutschlands Zukunft", beschwört der ungenannte Autor das Vorhaben, mit Zeppelinen nun die "geistige Führerstellung" in der Luftfahrt zu erobern.

Die technische Fortentwicklung dazu hatte bereits in den Jahren der Weimarer Republik eingesetzt. "LZ 127" unternahm spektakuläre Demonstrationsfahrten, etwa im Oktober 1928, nur vier Wochen nach dem Erststart, in die USA. Im August 1929 umfuhr die "Graf Zeppelin", als erstes und bis heute einziges Luftschiff bei einer Weltreise die Erde.

Die große Spanienfahrt im April 1929 dürfte hierbei als eine weitere Vorbereitungsfahrt für die Umrundung des Globus gedient haben. In nur 57 Stunden absolvierte das Luftschiff nach dem Start am Bodensee 5405 Kilometer, wobei es der Reiseroute Basel-Bordeaux und danach dem Küstenverlauf der Spanischen Halbinsel folgte, bis es schließlich über Nizza und Lyon wieder nach Friedrichshafen gelangte.

Mallorca fand im Reisebericht keine Erwähnung. Als der Zeppelin in die geographische Nähe der Insel gelangte, wurde im Logbuch notiert: "In herrlicher Mondnacht und bei klarem Sternenhimmel wurde die Fahrt entlang der spanischen Südostküste fortgesetzt, um 4.30 Uhr das Lichtermeer von Barcelona erreicht, und über dem Golf von Lyon Kurs auf Cannes genommen."

Gabriel Alomar wäre bei der Fahrt gerne dabei gewesen. "Für mich sind Zeppeline die romantischste Art zu reisen."

(aus MM 50/2015)

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