Neuer Einrichtungstrend in der Mallorca-Hotellerie

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So sieht ein Zimmer im noch nicht eröffneten Boutique-Hotel Tío Pepe in Jérez de la Fr

So sieht ein Zimmer im noch nicht eröffneten Boutique-Hotel Tío Pepe in Jérez de la Frontera (Andalusien) aus, das Innenarchitektin Almudena Rebuelta unlängst gestaltete.

Foto: Estudio Rebuelta
So sieht ein Zimmer im noch nicht eröffneten Boutique-Hotel Tío Pepe in Jérez de la FrViel Holz, auch Pflanzen: So sieht der Eingangsbereich des noch nicht eröffneten Boutique-Hotels Tío Pepe in Jérez (Andalusien)

Wer glaubt, mit den uniformen Kettenhotelzimmern der 70er, 80er und 90er à la Holiday Inn könne man heute noch Gäste beeindrucken, liegt voll daneben. Heutzutage hat auch auf Mallorca Individualität Vorrang, und das nicht nur im Superluxussegment. „Sowohl der Eingangsbereich als auch jedes Zimmer sollten möglichst ihre eigene Note haben”, weiß Innenarchitektin Almudena Rebuelta.

Vorbei seien die Zeiten, da es in ganz Spanien „lediglich drei Firmen” gab, die sämtliche Hotels mit 08/15-Produkten ausstatteten. „Wir vermieten hier nicht mehr nur Zimmer”, sagt sie. „Dem Gast werden nunmehr Erlebnisse geboten.” Dazu gehöre selbstredend kostenloses WLAN. Diesem internationalen Trend würden sich auch zunehmend Kettenhotels hingeben, um am Markt weiter bestehen zu können. „Es ist halt so, dass die Menschen der Einförmigkeit den Rücken gekehrt haben”, so Almudena Rebuelta.

Die flippig-junge Madriderin, die eine feste Größe in der Hauptstadt-Society ist, gehört zur Crème de la Crème der spanischen Innenarchitektenszene und betreibt mit ihrer Schwester Cristina ein eigenes Büro. Die beiden sind nach Mallorca gereist, um auf einer zweitägigen Fachmesse im Land-Anwesen Ses Cases de Sa Font Seca bei Bunyola Interessierten mit Vorträgen die neuesten Trends bei der Einrichtung von Hotels nahezubringen.

„Seit einiger Zeit verspüren wir eine Rückkehr zu natürlichen Materialien wie Steinfußböden, handbemalten Tapeten, Holz und neutralen Pastell-Farben”, sagt Almudena Rebuelta. „Dazu stellt man gern und oft auch große Pflanzen.” Für die Einrichtung der feuchten Badezimmer würden zunehmend Holz-Imitate verwendet. „Wer in ein Hotelzimmer kommt, will sehen, wie es altert.” Materialien wie Plastik oder Polyester und grelle Farben passen der Expertin zufolge einfach nicht mehr in die Zeit. Dafür aber etwa voluminöse Deckenventilatoren aus Holz, die man aus Hollywood-Filmen der 40er- oder 50er-Jahre kennt. Auf ein besonderes Hotelzimmerthema - nämlich Flecken - reagieren die Gäste mittlerweile erheblich gereizter. Deswegen werden heutzutage etwa für Stuhlpolster Materialien genutzt, die Flecken gar nicht mehr möglich machen.

„Die Gäste sind viel anspruchsvoller geworden”, weiß Almudena Rebuelta. „Zu dieser Entwicklung hat entscheidend das Internet mit immer mehr Bewertungsportalen wie Tripadvisor beigetragen.” Jeder kann hier bekanntlich online seine Meinung abgeben und jeden Fleck oder jede flapsige Bemerkung eines Kellners monieren. Das erleichtert potenziellen Gästen die Entscheidung für oder gegen ein Hotel.

Parallel dazu ist man heutzutage erheblich umweltbewusster als früher. Deswegen würden in Hotelzimmern vermehrt energiesparende Klimaanlagen installiert, so die Innenarchitektin. Diese kombinieren die Einrichter gern mit sensorbasierten Schlüsselsystemen, dank derer sich die Apparate automatisch abschalten, wenn der Gast das Zimmer verlässt. Zum Sparen von Wasser tragen schicke Badezimmerarmaturen bei, die ebenfalls mit Sensoren ausgestattet sind und übrigens auch - Einförmigkeit ist halt passé - goldfarben oder schwarz sein dürfen. Wer als Hotelier seine Gäste nicht mehr dezent auf Zetteln zum Wassersparen auffordert, gilt als gestrig.

So anspruchsvoll und umweltvernarrt die Gäste geworden sind, so detailbesessen sind sie inzwischen auch. „Wer als Hotelbesitzer seine Kunden nicht Kopfkissen aussuchen lässt, ist durch und durch out”, sagt Almudena Rebuelta. „Und wer den Menschen etwa kleine Duschköpfe zumutet statt mit großen runden oder besser quadratischen aufzuwarten, ebenfalls.” Auch Waschbecken sehen nicht mehr wie früher aus: Oberhip sind heute die, die schüsselförmig hervorragen.

(aus MM 16/2018)

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Thomas / Vor 2 Monaten

@ MM-Redaktion: Zu kompliziert? Oder egal?

Don Miguel / Vor 2 Monaten

@rokl: Spartasten an Spülkästen sind der größte Mist, fördert lediglich Urinstein, wird Ihnen jeder Sanitärexperte bestätigen. Da spart man definitiv am falschen Ende. Und was sollen Wasserzwischenuhren in Hotelzimmern? Oder glauben Sie etwa, die Hotels hätten keine Wasseruhren? Spanien ist nicht Sierra Leone....

rokl / Vor 2 Monaten

Seit mehr als 10 Jahren wird man in allen Unterkünften ZUM Wassersparen aufgefordert. Das war´s dann aber. Ob es eine entsprechende Infrastruktur zu Wassersparen gibt, z.B. Wasserzähler, Gebührenstruktur etc. ist mir unbekannt. Toilettenspüler mit Spartaste habe ich nur in von Deutschen oder Holländern geführten Unterkünften auf Gran Canaria gesehen.

Thomas / Vor 2 Monaten

Hallo Redaktion, hat sich da ein Sinn-Fehler eingeschlichen?: "Wer als Hotelier seine Gäste NICHT MEHR dezent auf Zetteln zum Wassersparen auffordert, gilt als gestrig." (??) Sinnvoll wäre doch, in Bezug auf die nun vorhandenen wassersparenden Duschköpfe und Wasserhähne: Wer als Hotelier seine Gäste NOCH dezent auf Zetteln zum Wassersparen auffordert, gilt als gestrig.