Mallorquiner zur Arbeit nach Österreich

Tourismusfachkräfte der Insel sind in den Wintersportgebieten gefragt

| Palma |
Vor allem Hotels in den Skigebieten suchen händeringend nach Personal.

Vor allem Hotels in den Skigebieten suchen händeringend nach Personal.

Foto: Foto: Archiv Ultima Hora
Vor allem Hotels in den Skigebieten suchen händeringend nach Personal. Mark Schlüter aus Cala Millor bekam seine Jobzusage von einem österreichischen Hotel nach einem telefonischen Vorstellungsgesprä

Ob Mark Schlüter Zeit haben wird, Skifahren zu lernen, ist fraglich. Und das, obwohl er die nächsten drei Monate in den österreichischen Alpen verbringt. Auf den 28-jährigen Deutsch-Mallorquiner wartet dort aber vor allem Arbeit und nur wenig Freizeit. Schlüter, der in Cala Millor lebt, arbeitet seit Mitte Dezember an der Rezeption eines Hotels in Saalbach.

Wie Schlüter geht es vielen Mallorquinern: Im Winter gibt es auf der Insel kaum noch Jobs. Die Zahl der im Tourismus Beschäftigten liegt im Januar üblicherweise um rund 60.000 unter dem Augustwert. Zuletzt arbeitete Schlüter, der eigentlich Medienwissenschaftler ist, in einem Hotel in Cala Millor.

Mit der Hauptsaison endete sein Arbeitsvertrag. "Kein Job, keine Kinder, also habe ich mir gesagt: Gehe ich halt woanders hin zum Arbeiten." Im Internet stieß er auf die Stellenanzeige eines Hotels. Schon wenig später hatte er die Zusage - nach einem telefonischen Vorstellungsgespräch. Verdienst und Arbeitszeiten sind in Ordnung, findet er.

Wie Schlüter machen es viele Spanier: Wenn die Sommersaison endet und die Hotels an den Stränden schließen, dann machen sie sich auf in die Wintersportgebiete: Pyrenäen, Sierra Nevada und zunehmend auch die Alpen.

In Cala Millor haben derzeit gerade einmal vier von rund 120 Hotels geöffnet. Jobs in anderen Branchen gibt es kaum. In den österreichischen Skigebieten ist der Bedarf an Personal dagegen enorm.

"Bei uns gibt es im Winter Tausende Stellen im Tourismus zu besetzen", sagt Gerhard Bogensperger vom Arbeitsamt in Salzburg. Allein auf der Internetseite Hogastjob. com sind mehr als 1500 offene Stellen ausgeschrieben. Bogensperger schätzt die Zahl der Spanier, die in den Wintermonaten im Gebiet seines Zuständigkeitsbereiches arbeiten, auf bis zu 70.

Laut Mallorcas Arbeitsamt wurden über das Jobprogramm Eures (European Employment Services) im laufenden Jahr 51 Personen zum Arbeiten in andere europäische Länder vermittelt. Dazu kommen all diejenigen, die sich wie Mark Schlüter auf eigene Faust eine Stelle suchen und die in keiner Statistik auftauchen.

Vor einigen Wochen veranstaltete die österreichische Wirtschaftskammer gemeinsam mit acht Restaurants und Hotels eine Jobbörse in Palma. Das Interesse sei groß gewesen, berichtet Robert Punkenhofer, der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Barcelona.

"Es hat mich sehr beeindruckt, mit welchem Enthusiasmus sich die Bewerber dort präsentiert haben." Viele hätten zwar keine ausreichenden Sprachkenntnisse gehabt und auch die Qualifikation habe oft nicht den Anforderungen entsprochen. Vier Kandidaten würden aber schon in Österreich arbeiten.

"Der Druck auf die spanischen Arbeitnehmer ist hoch", sagt Punkenhofer. "Seit Beginn der Krise ist die Zahl der Spanier enorm gestiegen, die zum Arbeiten ins Ausland gehen." Es seien längst nicht mehr nur junge und ungebundene Personen, auch Familienväter mittleren Alters seien häufig bereit, für einen Job wegzuziehen.

Werner Hörl betreibt das Romantikhotel in Zell am See. Im vorletzten Winter arbeitete bei ihm eine junge Mallorquinerin, die ihm das Arbeitsamt vermittelt hatte. Er ist noch immer voll des Lobes. "Das hat sehr gut gepasst." Die junge Frau sprach etwas Deutsch und Englisch und hatte schon reichlich Erfahrung in einem mallorquinischen Vier-Sterne-Hotel gesammelt.

"Das Wichtigste ist: Du musst am Gast gut drauf sein, fröhlich, höflich", sagt Hörl. "Ob der Teller von links oder rechts kommt, ist zwar nicht egal, ein Lächeln aber macht da vieles wett." Probleme gab es laut Hörl gar keine. Nur die niedrigen Temperaturen machten der Mallorquinerin etwas zu schaffen.

Vor der alpinen Winterkälte zittert auch Mark Schlüter, der mit Mutter und Großmutter vor 20 Jahren aus dem niedersächsischen Gifhorn auf die Insel auswanderte. Er hat aber vorgesorgt: "Ich habe mir warme Klamotten zugelegt, Skiunterwäsche und solche Sachen."

(aus MM 50/2014)

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