Streit um Polo-Plätze auf der Insel

|
Am Polofeld in Campos: Xavier Mas und Margalida Ramis vom GOB.

Am Polofeld in Campos: Xavier Mas und Margalida Ramis vom GOB.

Foto: Foto: A. Bassa
Am Polofeld in Campos: Xavier Mas und Margalida Ramis vom GOB.Zwei langjährige Weggefährten, die sich für Polo begeistern: Daniel Crasemann (l.) und Christian Völkers.

"Es erschließt sich mir nicht, warum drei Hektar Fläche, die auf privatem Grund mit Gras bepflanzt werden, die politischen Gemüter (nur) auf Mallorca so spalten", meint Daniel Crasemann. Der Hamburger Unternehmer ist begeisterter Polo-Sportler. Dass seine aktuellen Pläne für großes Aufsehen sorgen, hätte er wohl bis vor einigen Wochen nicht geahnt.

Dann war die Umweltschutzorganisation GOB an die Öffentlichkeit gegangen. Die Gemeinde Campos wurde aufgefordert, die Crasemann-Pläne zu stoppen. Es geht um die Legalisierung eines bestehenden Polo-Platzes sowie um die Genehmigung eines zweiten Areals hinter den Dünen des Es-Trenc-Strands, der laut GOB auch bereits weitgehend fertiggestellt worden sein soll. Außerdem gehören zu dem Projekt auf der Finca Sa Barralina Gebäude, die für Agrotourimus genutzt werden könnten. Die Planungen sind seit ein paar Wochen öffentlich ausgelegt.

Einer der Hauptkritikpunkte der Umweltschützer ist, dass durch den Polo-Sport ein extrem hoher Wasserverbrauch entstehe.

Daniel Crasemann sieht andere Aspekte im Vordergrund: "Eine Polofarm zu betreiben ist sehr viel Arbeit. Es schafft Arbeitsplätze, die sonst schwer zu finden sind auf der Insel. Landarbeiter, Pferdepfleger, Gärtner, Hufschmied, Tierarzt et cetera. Bei uns sind zurzeit 16 Menschen beschäftigt. Weiterhin kaufen wir jedes Jahr sehr viel Futter, Stroh und Dienstleistungen bei den Bauern der Umgebung, die dafür sehr dankbar sind."

In den vergangenen Jahren sind auf Sa Barralina bereits Turniere veranstaltet worden. Durch die Erweiterung könnte die Finca zu einer Top-Adresse in der internationalen Polo-Szene werden. Nach Beantragung des Projekts hat sich Sebastià Sagreras (Partido Popular), Bürgermeister von Campos, wohlwollend geäußert: "Wir haben keine Einwände gegen das Vorhaben. Es handelt sich um einen Beitrag zum Qualitätstourismus und zu einer Entzerrung der Saisonabhängigkeit."

Schon lange träumen die Anhänger der Sportart davon, dass Mallorca ein Polo-Zentrum wird. Bereits 2014 veröffentlichte das Fachmagazin "Polo +10" online einen ausfühlichen Report, in dem von vier bestehenden privaten Anlagen die Rede ist und die Zielvorgabe lautet "Mallorca wird die Poloinsel Europas". Bisher tummelt sich die Szene vor allem in Argentinien. Klar, dass allein schon die Erreichbarkeit aus ganz Europa für Mallorca spricht.

Daniel Crasemann, für den Polo nach eigener Aussage "eine Herzensangelegenheit" ist, betont, dass sein Sport sehr gut zu Mallorca passe, "Auch für den Tourismus leistet Polo genau das, was alle wollen: Es findet überwiegend in der Nebensaison statt, und die wenigen Gäste, die zum Spielen kommen, geben viel Geld auf der Insel aus." Der einstige Investment-Banker weiß aber auch, dass Polo ein Image-Problem hat. "So faszinierend der Reitsport mit Ball und Schläger auch ist, so sehr ist er leider auch, besonders in Kontinentaleuropa, durch opportunistisches Marketing immer wieder für Champagner-, Uhren-, Auto-Werbung missbraucht worden und mit einem entsprechenden Image belastet."

Im erwähnten Report in "Polo +10" wurde 2014 so intensiv von der Poloinsel Mallorca geträumt, weil die damalige konservative Balearen-Regierung die Genehmigung von Polofeldern erleichtert hatte. Jetzt sieht es aber wieder ganz anders aus. Die neue Linksregierung hat gerade ein Dekret beschlossen, das unter anderem besagt, dass künftig keine Sportanlagen auf landwirtschaftlicher Nutzfläche ("Suelo rústico") entstehen dürfen. Der Antrag für Sa Barralina war aber schon gestellt worden, bevor das Dekret in Kraft getreten ist.

Daniel Crasemann, der angeblich auf seiner Finca Platz für 120 Pferde hat, will die Umweltbedenken des GOB nicht gelten lassen. "Wir haben ein sehr ähnliches Pologestüt im Landschaftsschutzgebiet von Hamburg und haben dort im Einvernehmen mit dem BUND und den Grünen eine Anlage mit drei Plätzen und 250 Pferden gebaut. Heute sind wir ein Vorzeigeprojekt für das Miteinander von Landwirtschaft und Naturschutz."

Crasemann ist ein langjähriger Freund und Weggefährte des Immobilienunternehmers Christian Völkers ("Engel & Völkers"), der auf seiner Finca Son Coll bei Port des Canonge regelmäßig Polo-Turniere organisiert. Vor wenigen Tagen kündigte er seinen nächsten Polo-Cup für den Zeitraum vom 28. bis zum 30. Juli an. Die Pressemitteilung wurde gleich auch noch genutzt, um bekannt zu geben, dass "die befreundete Unternehmerfamilie Crasemann" in diesem Jahr zum ersten Mal ihren "Barralina Copa de Majorca Polo Cup" ausrichtet. Der Event soll an zwei Wochenenden stattfinden, vom 5. bis zum 7. und vom 12. bis zum 14. August. Turnierspieler können sich bis zum 1. Mai im Internet auf der Homepage von "Engel & Völkers" anmelden.

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Hajo Hajo / Vor über 2 Jahren

Angesichts der ekaltanten Wasserprobleme ist die Kommune dringend gehalten, eine Genehmigung zu verweigern. Denn diese riesige Fläche benötigt Wasser, dass dringend an anderer Stelle gebraucht wird. Problem sind auch die vielen Golfplätze, deren Verbrauch gewaltig sein muss.

Hajo Hajo / Vor über 2 Jahren

Angesichts der ekaltanten Wasserprobleme ist die Kommune dringend gehalten, eine Genehmigung zu verweigern. Denn diese riesige Fläche benötigt Wasser, dass dringend an anderer Stelle gebraucht wird. Problem sind auch die vielen Golfplätze, deren Verbrauch gewaltig sein muss.

Juan / Vor über 2 Jahren

Er verdient an dem Platz mehr, als die Insel und die angeblich dankbaren Bauern einnehmen.