"Dr. Tod" stirbt an Krebs

Sa Coma, Mallorca |
Der deutsche Radiologe Rüdeger Oyntzen auf dem Weg zum Gericht in Palma de Mallorca, das ihn 1998 zu 34 Jahren Haft verurteilte.

Der deutsche Radiologe Rüdeger Oyntzen auf dem Weg zum Gericht in Palma de Mallorca, das ihn 1998 zu 34 Jahren Haft verurteilte.

Foto: Foto: Ultima Hora

Fast 20 Jahre ist es her, dass der Arzt Rüdeger Oyntzen auf Mallorca sich selbst und seine zwei Kinder töten wollte. Bei seinen Kindern gelang ihm das Vorhaben, für Selbstmord fehlte ihm der Mut. Der Medienrummel um "Dr. Tod" war damals enorm. Jetzt ist der Doppelmörder in Deutschland gestorben – an Krebs. Das berichtet die spanische Tageszeitung Ultima Hora am Donnerstag.

Es sei "eines der entsetzlichsten Verbrechen" gewesen, an das sich Mallorca erinnert, schreibt das Blatt. Tatsächlich sorgte der Doppelmord 1996 sowie der spätere Gerichtsprozess in deutschen und spanischen Medien wochenlang für Schlagzeilen. Die Erkenntnis der Richter: Oyntzen hatte die Tat zuvor genau geplant.

Kurz nach der Scheidung von seiner Frau war der in Deutschland lebende Mediziner mit den gemeinsamen Kindern zu einem Urlaub nach Sa Coma im Osten der Insel aufgebrochen. Dort spritzte er der achtjährigen Katharina und dem sechsjährigen Matthias in einem Hotelzimmer starke Schlafmittel. Der Junge sei nach wenigen Minuten gestorben, bei dem Mädchen habe er mit verschiedenen Giften und Luft in die Vene nachhelfen müssen.

Beiden Kindern soll Oyntzen eine Blume in die toten Hände gelegt haben, "als markabres Zeichen des Abschieds", so Ultima Hora. Dann sei der Deutsche mit einem Linienbus nach Pollença gefahren. Eigenen Aussagen zufolge, um sich am Aussichtsturm von Formentor mit einem Sprung von den Klippen das Leben zu nehmen. Dann habe ihm aber der Mut dazu gefehlt.

Die Kinder wurden 36 Stunden nach ihrem Tod im Hotelzimmer aufgefunden. Oyntzen selbst wurde beim Umherirren an den Felsen aufgegriffen und festgenommen.

Dem Mord an den Kindern war ein Streit mit der Ex-Frau um das Sorgerecht für den Nachwuchs vorausgegangen. "Die Kinder haben nicht gelitten, und es war das Beste für sie", sagte der Radiologe später aus. Die spanische Justiz verurteilte ihn zu 34 Jahren Haftstrafe, die er bis 2011 im Gefängnis in Palma verbrachte. Danach wurde er auf eigenen Wunsch hin in eine deutsche Justizvollzugsanstalt verlegt. (somo)

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