Real Mallorca: Das Jahrhundertprojekt

Erstligist will sich ein neues Stadion gönnen

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Wenn die Verantwortlichen von Real Mallorca eine Entscheidung ihrer Vorgänger rückgängig machen könnten, dann wäre es vermutlich der Umzug des Klubs nach Son Moix. Seit dem Jahr 1999 hat der Fußball-Erstligist seine Heimat in dem für die Universiade jenes Jahres gebauten Stadion. Eine Liebesbeziehung war es jedoch nie. Bei dem mittlerweile in "Iberostar Estadi" umbenannten Bauwerk handelt es sich um ein Multifunktionsstadion. Das heißt: Bei Heimspielen sind die Zuschauer wegen der Tartanbahn weit vom Spielfeld entfernt - fußballtypische Stimmung kommt nicht auf. Es herrscht deshalb seit Jahren Konsens darüber, dass der Bau eines neuen Stadions entscheidend für die Zukunft des Klubs ist. Wie die Lösung aussehen könnte, geht aus der Studie hervor, die der Verwaltungsrat jetzt präsentiert hat.

Ihr zufolge soll an der Stelle, an der das frühere, ungenutzte Stadion des Klubs vor sich hin zerfällt, eine hochmoderne, reine Fußballarena für 25.000 bis 30.000 Zuschauer entstehen. Komplett überdacht, mit VIP-Logen, Museum, Parkhaus, Grünflächen sowie Windkraft- und Fotovoltaikanlagen zur Stromversorgung. Um Palmas Stadtbild nicht über die Gebühr zu verändern, soll das Stadion so flach wie möglich gehalten werden - im Gegensatz zu dem Projekt, dass der ehemalige Klubvorsitzende Vicenç Grande im Jahr 2006 der Öffentlichkeit präsentierte und das sogleich scharfe Kritik erntete: Grande wollte neben einem Stadion gleich auch noch drei Hochhäuser errichten lassen.

Aber auch das aktuelle Projekt stößt auf vielfältige Bedenken. Der Haken an der Sache: Die Stadt müsste eine 32.000 Quadratmeter große Grünfläche kostenlos zur Verfügung stellen. "Das ist eine Bedingung", sagte Klubchef Jaume Cladera bei der Präsentation am Freitag vergangener Woche. "Anderfalls lässt sich das Projekt an diesem Standort nicht realisieren." Die Idee ist folgende: Das Geld für den Stadionbau (150 bis 200 Millionen Euro) soll ausschließlich von privaten Geldgebern kommen. Derzeit gebe es zwei britische Investmentfonds, die interessiert seien, so Cladera. Den Klub, der sich in einem Insolvenzverfahren befindet, würde der Neubau keinen Cent kosten. Interessant für die Investoren würde das Projekt dadurch, dass neben dem Stadion auch ein Einkaufszentrum mit 70.000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen soll. Die Vermarktung dieses Einkaufszentrums soll die Kosten des Projekts komplett refinanzieren - und einen Gewinn für die Investoren abwerfen.

Mallorcas Einzelhandelsverbände meldeten bereits Bedenken gegen das Vorhaben an. Palma brauche kein weiteres Einkaufszentrum. Auch Vertreter der großen politischen Parteien, denen das Projekt gesondert präsentiert wurde, äußerten sich zurückhaltend. Cladera betont, man wolle das städtische Grundstück zwar gratis, aber nicht ohne Gegenleistung. Immerhin sähen die Pläne auch die Einrichtung weitläufiger und öffentlich zugänglicher Grünzonen vor. Auch die angrenzende Plaça Barcelona könnte im Zuge der Bauarbeiten umgestaltet und modernisiert werden - ohne Kosten für die Stadt. Gelingt es den derzeitigen Klubverantwortlichen, ihre Vorstellungen durchzusetzen, dann könnten die Bauarbeiten 2013 beginnen. "Wir haben keine Zeit zu verlieren", so Cladera. Schließlich soll das neue Stadion zur Saison 2015/2016 eingeweiht werden - rechtzeitig zum 100. Geburtstag des Klubs.

Palmas Stadtviertel Es Fortí ist von der Altstadt zu Fuß in wenigen Minuten zu erreichen und war zwischen 1945 und 1999 die Heimat von Real Mallorca. Hier feierte der Klub einige der größten Erfolge seiner Geschichte: Den ersten Aufstieg in die Primera División im Jahr 1960, die erste Europapokalteilnahme 1998, die beste Platzierung aller Zeiten 1999 (3. in der Liga). Das alte Stadion, das zu einem Drittel dem Klub und zu zwei Dritteln anderen Anteilseignern gehört, verfällt seit Jahren. Wie das heruntergekommene Areal mitten in Palma künftig genutzt werden soll, ist eine der dringendsten städtebaulichen Entscheidungen.

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