Tourismus: Mallorca muss nachsitzen

TUI attestiert der Insel hohen Nachholbedarf

|
410

Das Tourismusgeschäft auf Mallorca schwächelt, auch der Anteil an deutschen Urlaubern ist gesunken, die Aussichten für die Insel in diesem Sommer und für den kommenden Winter sind nicht allzu positiv.

Während die Türkei - mittlerweile Mallorcas größter Konkurrent in Sachen Bade-Sommer - in diesem Jahr einen wahren Urlauberboom registriert, ist die Nachfrage nach "Sol y playa en España" unübersehbar zurückgegangen.

"Die Buchungen für Gesamt-Spanien liegen für diesen Sommer bei minus drei Prozent gegenüber Vorjahr. Für Mallorca dürfte es noch ein bisschen schlechter aussehen", sagte TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher gegenüber den Inselmedien am Rande der Präsentation der Winterkataloge in Fleesensee, dem größten deutschen Urlaubsresort der TUI in Mecklenburg-Vorpommern.

Böttcher berief sich dabei auf jene Zahlen, die Europas größter Tourismuskonzern als börsennotiertes Unternehmen zuletzt am 11. Mai bekannt gegeben hatte.

Spanien, und damit auch Mallorca, seien "schwach in den Sommer gestartet", hätten sich dann aber gefangen, resümierte Böttcher. Einzig die kleine Balearen-Insel Menorca liege aufgrund eines erweiterten Flugangebotes deutlich im zweistelligen Plus.

Zum Vergleich: Für die Türkei geht der TUI-Chef für diesen Sommer von einem Zuwachs von zehn Prozent aus. Das Land am Bosporus sei "mittlerweile das drittwichtigste Reiseziel von TUI-Deutschland".

Den Buchungsrückgang für Spanien und insbesondere Mallorca nehmen die Touristikverantwortlichen der TUI nach Böttchers Worten "ernst", denn "Spanien macht für unser Gesamt-Portofolio noch immer knapp die Hälfte unseres Umsatzes aus".

Andererseits sei ein solcher Rückgang nicht allzu "beunruhigend", weil es Möglichkeiten gebe, gemeinsam mit den Hotelpartnern gegen diese Situation anzuarbeiten. "Aber wir müssen schauen, dass nicht jedes Jahr ein Minus von drei Prozent eintritt."

An die Adresse der Hoteliers auf Mallorca formulierte Böttcher indirekt zwei Botschaften, die auf der Insel mit höchster Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen wurden. Zum einen forderte der Vorsitzende der Geschäftsführung der TUI Deutschland GmbH für die Sommersaison im kommenden Jahr eine Ausweitung des All-inclusive-Angebotes. "Spanien und Mallorca haben da einen hohen Nachholbedarf, wie ich schon immer sagte."

Das Angebot richte sich zwar weniger an Urlauber, die sich als Stammbesucher auf Mallorca bestens auskennen und ihre Reisen per Internet selbst organisieren würden. Aber All-inclusive erfreue sich hoher Beliebtheit bei bestimmten Zielgruppen wie klassischen Familien und Pauschaltouristen. Würde diese Klientel die gesuchten Angebote nicht auf der Insel finden, gebe es für sie Alternativen in anderen Regionen des Mittelmeeres.

Die zweite Botschaft betraf den Wintertourismus auf Mallorca. Der Reisekonzern zeigte sich unzufrieden mit den Anstrengungen, die Abhängigkeit von der Sommersaison zu verringern. Reiseveranstalter und Hoteliers können nach Böttchers Worten wenig bis gar nichts ausrichten, wenn das Komplementärangebot in den touristischen Zentren (Bars, Restaurants, Geschäfte) während der Wintermonate geschlossen bleibe.

Es gebe Zonen, in denen in den Wintermonaten so wenig geboten sei, dass sie aus dem TUI-Winterprogramm 2011 gestrichen werden könnten, falls sich keine Umkehr der Entwicklung einstelle. Konkret wurde als gefährdete Zone Cala Millor genannt.

Ungeachtet des rückläufigen Wintertourismus in den vergangenen drei Jahren plant und rechnet die TUI für die kalte Jahreszeit wieder mit mehr Besuchern. Aus diesem Grund habe es für den Winter 2010/11 keine Abstriche bei den Einkaufskontingenten in den Hotels gegeben.

Hinzu komme, dass die TUI jetzt mit dem "größten Winter-Flugangebot aller Zeiten" aufwartete. Die Kapazitäten steigen dabei um den Ausbau sogenannter flexibler Sitzplatzkontingente insgesamt um 14 Prozent. Sie können je nach Nachfrage genutzt oder an die Fluggesellschaft zurückgegeben werden, ohne dass sich dabei das unternehmerische Risiko für den Reiseveranstalter erhöhe.

Profitieren dürfte der Spanien- und Mallorca-Tourismus auch davon, dass die Reisepreise für Ziele auf der Mittelstrecke zum kommenden Winter um gut ein Prozent günstiger werden.

Ein weiteres neues Angebot dürfte für Langzeitüberwinterer auf Mallorca interessant sein: Für Reisen ab 60 Tagen verschenkt TUI seinen Dauergästen einen Rückflug für eine Urlaubspause in der Heimat.

Dieser "Heimaturlaub" sei für Touristen gedacht, die etwa nach einem Monat in der Ferne sich vergewissern möchten, dass zu Hause alles in Ordnung ist, bevor sie die zweite Hälfte ihrer Ferien antreten.

Die schwächelnde Nachfrage nach Mallorca als Reisedestination kontrastiert mit den Prognosen, die die TUI für ihr Gesamtgeschäft bekannt gegeben hat. Das Unternehmen sieht sich weiter auf Wachstumskurs und rechnet mit einem Rekord bei Fernreisen.

Für die aktuelle Saison registriert der Konzern eine "anhaltend große Reiselust der Bundesbürger" und erwartet ein zum Vorjahr "nahezu stabiles Sommergeschäft". Es sei möglich, am Ende des Sommers sogar ein "kleines Plus" erreichen zu können.

Neben Mallorca und Spanien liegen auch die übrigen traditionellen Bade-Destinationen Griechenland, Italien und Portugal im Minus. Zu den Gewinnern zählen neben der Türkei Ägypten, Kroatien und Israel. Nach Böttchers Worten hat der Rückgang der Klassiker nichts mit der Einführung der Euro-Währung zu tun.

"Spanien und Griechenland müssen sich stark bemühen, Produkte zu liefern, die attraktiv und zeitgemäß sind. Die Kunden sind heute über Internet viel besser informiert als früher, um entscheiden zu können, wofür sie ihr Geld ausgeben wollen."

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Noch kein Kommentar vorhanden.