Lautes Fluchen gehört eigentlich nicht zu
den angemessenen Verhaltensweisen auf einem Golfplatz. In der Regel
geht es hier doch eher gediegen zu. Man benimmt sich wie ein
Gentleman und lässt seinen Ärger über einen misslungenen Schlag
tunlichst nicht am penibel hergerichteten Rasen aus. An diesem
Freitagmorgen aber geht es ziemlich deftig zu bei Mallorcas
einzigem Profiturnier. Schuld daran ist der Wind. Gleich
reihenweise landen die Golfbälle im Bunker, wenn nicht gar im
Gebüsch. Nicht allen gelingt es, ihre Wut zu zügeln.
Das Wetter war zumindest an den ersten beiden Tagen des
„Iberdrola Open Cala Millor” das alles beherrschende Thema. Am
Freitag musste gar eine zweieinhalbstündige Gewitterpause eingelegt
werden, nachdem schon am frühen Morgen Blitze bedrohlich am Himmel
gezuckt hatten. „Ausgerechnet jetzt”, werden sich die Veranstalter
gedacht haben, ist gutes Wetter doch fester Bestandteil des
Turniers in Pula, das zur European Tour der Professional Golfers
Association (PGA) gehört.
„Das Wichtige ist, dass die Leute in aller Welt blauen Himmel zu
sehen bekommen und schwitzende Golfer in kurzärmligen Hemden”, sagt
Turnierdirektor Manuel Benjumea. Das Turnier sei per TV weltweit in
mehr als 420 Millionen Haushalten zu sehen gewesen. „Das zeigt, wie
wichtig das Turnier für die Tourismuswerbung ist.”
Dementsprechend ins Zeug gelegt haben sich der lokale
Hotelierverband von Cala Millor und die Balearen-Regierung, die die
Veranstaltung mit einer geheim gehaltenen Summe subventioniert. Im
nächsten Jahr will man sich allerdings noch etwas genauer
überlegen, wie mehr Zuschauer auch auf den Golfplatz gelockt werden
können. Ein Bus-pendelverkehr von Cala Millor ist angedacht.
Tatsächlich drehen die Profigolfer an diesem Freitagmorgen
weitgehend unbehelligt ihre Runden.
„Wahnsinn, der hat ja ein Triple-Bogey an Loch elf gespielt”,
ruft einer der wenigen Neugierigen, die sich trotz ungemütlichen
Wetters und früher Stunde vor der großen Ergebnistafel versammelt
haben, die von fünf eifrigen Helfern ständig aktualisiert wird. Er
meint den Iren Paul McGinley, der 2002 zum Ryder-Cup-Helden wurde,
als er den entscheidenden Ball für das europäische Team versenkte.
An diesem Freitagmorgen läuft es allerdings gar nicht gut für ihn.
Allein an Loch elf gerät er also um drei Schläge ins Hintertreffen.
Am Ende muss er sich mit Platz 63 begnügen.
Spannender geht es an der Spitze zu. Nach vier Turniertagen
liegen der Schwede Peter Hanson und der Spanier Alejandro Cañizares
mit je sechs Schlägen unter Par gemeinsam vorne. Erst im Stechen
setzt sich der Schwede am Sonntag durch. Als er den Siegerpokal in
den Himmel reckt, strahlt dieser schon längst wieder blau, dass es
nur so eine Werbung ist für die Golfinsel Mallorca.
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