Juan Arango: „Ich ziehe mein Spiel durch”

Ein Venezolaner am Niederrhein: Juan Arango war lange der Star von Real Mallorca. Jetzt kickt er für Borussia Mönchengladbach. Die Umstellung auf den deutschen Fußball ist ihm überraschend leicht gefallen. Im MM-Interview spricht er über seine neue Heimat, über Sprachprobleme und darüber, was der Trainer von ihm erwartet

MM: Was vermissen Sie an Mallorca, Herr Arango?
Juan Arango: Das Klima. Das ist doch ziemlich anders in Deutschland. Außerdem fehlen mir die Leute, die Sprache und der Alltag, an den ich gewöhnt war. Immerhin habe ich fünf Jahre auf Mallorca gelebt. Eines meiner Kinder ist dort geboren. Die Insel ist wie ein Zuhause für mich.

MM: Und haben Sie sich in Deutschland schon eingewöhnt?
Arango: Sportlich schon. Im Alltag ist das etwas schwieriger. Das Zusammenleben mit den Menschen muss sich erst entwickeln.
MM: Leben Sie noch im Hotel?
Arango: Nein, nein. Ich habe jetzt ein Haus in Mönchengladbach.
MM: Und wie gefällt Ihnen die Stadt?
Arango: Mönchengladbach ist nicht Palma, das ist klar. Aber man kann hier alles machen, es gibt alles, was man braucht. Man kann mit der Familie spazieren gehen. Die Stadt gefällt mir. Außerdem sind Düsseldorf und Köln nicht weit. Wenn ich frei habe, fahre ich oft dorthin.

MM: Klappt es schon mit der deutschen Sprache?
Arango: Das fällt mir nicht leicht. Deutsch ist sehr kompliziert. Zum Glück sind wir sechs Spieler in der Mannschaft, die Spanisch sprechen. Das macht es etwas leichter. Außerdem ist die Sprache zum Fußballspielen auch nicht so extrem wichtig.

MM: Wie werden Sie denn behandelt in Mönchengladbach?
Arango: Sehr gut. Sowohl vom Verein als auch von den Fans.
MM: Wie sind die Deutschen?
Arango: Ziemlich anders als die Spanier. Hier läuft alles sehr geordnet ab. Hier heißt es nicht „A oder B”. Hier gibt es nur A. Die Regeln sind strenger.

MM: Sie gelten als der neue Star bei der Borussia. Fühlen Sie sich als solcher?
Arango: Ich versuche nur, das Beste für die Mannschaft zu machen.
MM: Mit Venezuelas Nationalmannschaft stecken Sie noch in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010. Die langen Reisen nach Südamerika kosten Kraft.

Arango: Manchmal merkt man das schon. So wie letzte Woche, als ich erst am Freitag wieder in Deutschland war. Da war ich Samstag in Nürnberg schon etwas müde (Anmerkung der Redaktion: Mönchengladbach verlor mit 0:1).

MM: Wie ist der deutsche Fußball?
Arango: Sehr körperbetont und dynamisch. In Spanien ist der Fußball viel technischer.
MM: Sie gelten als technisch versierter Fußballer. Müssen Sie Ihren Stil jetzt ändern?
Arango: Auf keinen Fall. Der Trainer hat mich aufgefordert, mein Spiel durchzuziehen.
MM: Wie erleben Sie die deutschen Stadien?
Arango: Die sind völlig anders als in Spanien. Hier ist ein Ligaspiel ein ganz anderes Erlebnis, die Stimmung ist immer gut und die Stadien sind immer voller Leute. Das war nicht nur in Palmas Stadion anders, sondern in ganz Spanien
MM: Sie spielen jetzt bei einem der Traditionsklubs in Deutschland. Sind Sie sich dieser Vergangenheit bewusst?
Arango: Ja. Man hat mir davon erzählt.
MM: Und spüren Sie den Druck der Fans, endlich wieder erfolgreiche Zeiten zu erleben?
Arango: Nein, Druck nicht. Aber wir alle wollen an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen.
MM: Was kann die Borussia denn in dieser Saison erreichen?
Arango: Zuerst geht es um den Klassenerhalt. Wenn der geschafft ist, können wir weiter sehen. Das war bei Real Mallorca auch immer so.
MM: Es heißt, Sie hätten vor der Saison auch zu den Glasgow Rangers wechseln und in der Champions-League spielen können?
Arango: Davon ist mir nichts bekannt. Ich habe jedenfalls kein Angebot gehabt.
MM: Warum haben Sie sich für die Borussia entschieden?
Arango: Es war das Beste für mich und auch für Real Mallorca.
MM: Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Kollegen von Real Mallorca auf der Insel?
Arango: Ja, zu vielen. Beim ersten Saisonspiel war ich sogar im Stadion. Ich werde sicher häufiger auf die Insel kommen. Ich habe ja auch noch mein Haus dort. Mit Mallorca verbindet mich weiterhin eine Menge.

Die Fragen stellte
Jonas Martiny

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