Le Corbusier auf Mallorca oder ein Besuch mit Folgen

1932 war er drei Tage lang auf der Insel. Was daraus entstanden ist, zeigt eine Ausstellung

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Er war nur drei Tage auf der Insel. Doch es war ein folgenreicher Besuch. Im März 1932, zu Ostern, kam der Architekt Le Corbusier (Charles Edouard Jeannenert-Gris, 1887-1965) auf Empfehlung einer seiner Mitarbeiterinnen, Charlotte Perriand, nach Mallorca. Die Spuren und Langzeitwirkungen dieses Besuches zeigt nun eine Ausstellung in der Architektenkammer von Palma, die bis zum 12. Juni geöffnet ist.

Zu sehen sind Skizzen, Zeichnungen, Ausschnitte aus seinen Notizen und Briefe, etwa an seine Mutter, in denen Le Corbusier, einer der großen und revolutionären Architekten des 20. Jahrhunderts, seine Mallorca-Erfahrungen schildert.

Der ursprüngliche Grund seines Aufenthaltes war ein Treffen mit dem Unternehmer und Hotelier Adam Diehl, der im Jahr 1929 das Hotel Formentor im Norden der Insel eröffnet hatte und bereits drei Jahre später über eine Erweiterung des Baus in Zusammenarbeit mit Le Corbusier nachdachte. Dieses Vorhaben kam nie zustande.

Doch Le Corbusier war von Mallorca beeindruckt, von Bauten wie der Kathedrale und dem Castell Bellver, von der Landschaft der Insel. Das zeigen einerseits die Zeichnungen der Küste rund um das Kap Formentor, andererseits auch Notizen zu Treppen in Palma. Bemerkenswert auch seine Skizzen von Türen der historischen Stadtpaläste von Palma mit ihren asymmetrischen Scharnieren, die er – so zeigen es Exponate der Ausstellung – später in seinem Pariser Privathaus als Bauelement und bei Entwürfen von Drehtüren verwendete.

Den größten Eindruck auf ihn machte allerdings eine Kanzel in der Kathedrale, die der katalanische Architekt Antoni Gaudí im Zuge der Restaurierungsarbeiten in Palmas Bischofskirche im Jahr 1904 entworfen und zunächst provisorisch eingebaut hatte. Sie wurde – unerklärlicherweise – in den 70er Jahren vom Domkapitel entfernt und zerstört.

Diese Kanzel war Inspiration für Le Corbusier bei seinem Monument „La Main Ouverte“, das er 1953 für die nordindische Stadt Chandigarh entwarf, als Erinnerung an die Teilung Pakistans von Indien.

Im Zuge der Vorbereitungsarbeiten für die jetzige Ausstellung in der Architektenkammer ist man mit dem Domkapitel und dem Bauministerium übereingekommen, in der Kathedrale eine Nachbildung der Kanzel für einen begrenzten Zeitraum aufzustellen. Der Nachbau wurde von Elías Torres, Professor an der Hochschule für Architektur in Barcelona, und seinen Schülern bereits gefertigt. „Es war ein kurzer, aber intensiver Besuch“, sagt der Architekt Josep Quetglas, der die Ausstellung kuratiert hat.
Col.legi Oficial d'Arquitectes des les Illes Balears COAIB Palma, Carrer La Portella 14. Geöffnet bis
12 . Juni von Montag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr.

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