Horrortrip statt Ferienfahrt

Laut Polizei sind auf Mallorca seit Anfang Juni 20 Frauen vergewaltigt worden. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Mehr als 90 Prozent der Betroffenen sind Touristinnen. In Magaluf, Palmanova, Pollença und Alcúdia kommt es am häufigsten zu Übergriffen

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Dass die Polizei auf Mallorca einen Serien-Vergewaltiger verhaftet – wie jetzt in Palma geschehen –, ist die große Ausnahme. Denn typisch ist der Fall des Mannes nicht, der in den vergangenen Tagen sechs Frauen angegriffen haben soll. Laut Guardia Civil sind mehr als 90 Prozent der Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung werden, Touristinnen, und meist sind die Täter ebenfalls als Urlauber auf der Insel.

Oft fängt alles ganz harmlos an, erklärt ein Polizeisprecher in Palma: Beim Feiern bahnt sich der erste Flirt an, es wird eifrig gebechert und schließlich endet die unverbindliche Urlaubsbekanntschaft in einem Horrorszenario.

Allein in den Sommermonaten hat die Polizei 20 Vergewaltigungen auf Mallorca registriert, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte: Längst nicht jedes Opfer zeigt die Tat auch an. So haben beim deutschen Konsulat in Palma laut Konsulin Karin Köller in den vergangenen vier Jahren höchstens fünf betroffene Frauen um Hilfe gebeten. Dabei gehören laut Polizei vor allem deutsche und britische Urlauberinnen zu den Vergewaltigungsopfern.

Besonders viele Übergriffe gebe es in den Touristenorten Magaluf und Palmanova, im Rest der Insel sind vor allem Pollença und Alcúdia betroffen.

Spanienweit ist die Zahl der registrierten Fälle in den vergangenen Jahren stark angestiegen: Laut Daten des Innenministeriums kam es im Jahr 2005 in 7207 Fällen zu Vergewaltigungen, sexueller Nötigung oder zu sexuellem Missbrauch. 1997 lag die Zahl noch bei 5647. Auf den Balearen hat die Polizei im vergangenen Jahr 281 sexuelle Übergriffe gezählt, in den Jahren davor waren es 283 und 281 Fälle.

„Natürlich haben diese Delikte bei uns Vorrang”, sagt der Polizeisprecher: „Eine Vergewaltigung ist eben etwas anderes als ein Handtaschenraub.” Viel tun kann die Polizei aber nicht. Oft geschehen die Übergriffe in Hotelzimmern, und die Beamten sehen sich bei der Befragung von Opfer und Täter häufig mit unterschiedlichen Versionen konfrontiert. Und die reichen von der Beteuerung, beide hätten den Geschlechtsverkehr gewollt, bis zum Vorwurf der Vergewaltigung.

Auch die Präventionsarbeit der mallorquinischen Frauenschutzorganisationen kann gegen die sexuellen Übergriffe in den Touristenorten wenig ausrichten. Sowohl die unabhängige Organisation „Lobby der Frauen” als auch das Fraueninstitut der Balearen-Regierung konzentrieren sich auf die Bekämpfung der häuslichen Gewalt. Laut Daten des spanischen Zentrums zur Gewaltforschung Königin Sofía sind in Spanien im laufenden Jahr bereits 37 Frauen von ihrem Lebensgefährten um gebracht worden.

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