„Mein Gehirn ist mein wichtigstes Instrument”: Eine Erfolgsgeschichte made in Mallorca
Als erster Mallorquiner hat Musiker Juanjo Monserrat zwei Latin Grammys gewonnen. MM hat er seine Geschichte erzählt, die ihn auch nach Deutschland geführt hat
Zurück auf die Heimatinsel Mallorca: Nach drei Jahren in Madrid hat sich der erfolgreiche Musiker Junajo Monserrat in Lloseta ein Haus gekauft. | Pilar Pellicer
Woran viele Menschen ihr Leben lang arbeiten, hat dieser Mallorquiner mit nur 32 Jahren schon erreicht: Er hat ausgesorgt. Juanjo Monserrat hat alles, was er sich wünscht: Haus, Frau und neuerdings auch einen Welpen. Auf Mallorca. Hinzu kommen zahlreiche Talente, denn eine Berufsbezeichnung reicht bei weitem nicht aus. Er nennt sich Musiker, Singer-Songwriter, Komponist und Produzent. Über seinem Klavier thronen zwei Latin-Grammy-Awards, mit denen er 2022 ausgezeichnet wurde – als erster Mallorquiner überhaupt. Zuvor erhielten Mateo Picornell und Concha Buika je einen Award. Unter anderem wurde Monserrat für seine Produktion des Songs „Tacones Rojos” des kolumbianischen Sänger Sebastián Yatra geehrt. Die Preise erinnern ihn an seinen bisher größten beruflichen Erfolg, der einst in Arenal angefangen hat.
Dort wurde Juanjo Monserrat in eine musikalische Familie geboren. Ja, er hatte auch ein paar Gitarrenstunden, sagt er, aber das meiste habe er sich autodidaktisch beigebracht. Während er die Instrumente, die er beherrscht, aufzählt, muss er Luft holen. Er kommt auf mindestens elf Stück. Doch er tippt sich auf die Stirn: „Mein Gehirn ist mein wichtigstes Instrument.”
Dieses verhalf ihm zur Zusammenarbeit mit den ganz großen spanischsprachigen Künstlern: David Bisbal, Sebastián Yatra, Álvaro Soler, um nur einige Namen zu nennen. Doch bevor es so weit war, trat der 32-Jährige in der Show „Got Talent” auf und imponierte der Jury mit seiner Otamatone, einem japanischen, elektronischen Musikinstrument, das wie eine Mischung aus Spielzeug und Synthesizer aussieht. Bis heute ist das Video millionenfach geklickt worden und ging sogar in Japan viral. So kam es, dass er sogar in Tokyo und Kyoto Auftritte hatte. Auch in Deutschland trat er einige Male auf, unter anderem in einer Kirche in Kaiserslautern. „Danach habe ich CDs und Poster signiert, es war unglaublich.”
All das erzählt der Mallorquiner, als wäre es nichts gewesen. Aber nicht in arroganter Weise, sondern voller Bodenständigkeit. Denn nach drei Jahren in Madrid ist er erst vor wenigen Wochen nach Mallorca zurückgekommen. Manchmal vermisse er das rege Treiben, den Stress der Hauptstadt, sagt er. Stattdessen lebt er nun in der Ruhe von Lloseta, wo er sich ein Haus gekauft hat. „Ich habe alles, was ich wollte: ein Haus in meiner Heimat, eine Mallorquinerin als Freundin und jetzt adoptieren wir gemeinsam einen Hund”, erzählt er mit einem Schmunzeln.
Latin Grammy für Juanjo Monserrat: 2022 wurde der mallorquinische Musiker für seine Zusammenarbeit mit dem Sänger Sebastián Yatra ausgezeichnet. Foto: privat
Seine eigene Musik singt Juanjo Monserrat ausschließlich auf Mallorquinisch. „In einer anderen Sprache könnte ich nicht ich selbst sein.” In der Grundschule, damals in Arenal, sei er das einzige Kind gewesen, dass seinen Heimatdialekt sprach. „Alle anderen kamen vom Festland”, kommentiert er. An seinen Wurzeln festzuhalten, ist für ihn eine Frage der Identität und Heimatverbundenheit. Dass er mit spanischen Liedern mehr Menschen erreichen und mehr Geld verdienen könnte, interessiere ihn nicht.
„Die Künstler, mit denen ich gearbeitet habe, haben sehr gut gezahlt”, sagt Juanjo Monserrat offen. „Jetzt mache ich nur noch Musik aus Spaß an der Sache. Nicht, weil ich es muss. Ich kann chillen.” Er zuckt mit den Schultern. Selbstverständlich kämen immer mal wieder Anfragen herein, viele davon wehre er ab. „Die Namen der Künstler sind mir egal. Sie müssen mich mitreißen!”
Zwei eigene Alben hat der Insulaner bereits veröffentlicht, in der Zukunft strebt er wieder mehr Liveauftritte an. „Man wird mich auch auf den Bühnen Mallorcas sehen”, deutet er an. Doch wenn man ihn genauer nach neuen Projekten für seine Zukunft fragt, geht es ihm nicht um Berufliches. „Ich bin jetzt bereit für den nächsten Schritt”, sagt der 32-Jährige. „Mein nächster Schritt ist, eine Familie zu gründen.”
Bevor sich zu Haus, Frau und Hund noch ein Baby gesellt, erscheint Anfang April erstmal die neue Single von Juanjo Monserrat. „Sense ella” heißt sein aktuelles Werk, „ohne sie”. Er hat es zusammen mit seinem Kollegen Joan Garrido aufgenommen, der in Palma geboren wurde und schon bei der Castinghow „Operación Triunfo” aufgetreten ist. Es handelt aber nicht von Liebeskummer oder der Trennung einer Frau. Stattdessen verarbeiten beide Musiker in diesem Lied ihre Zeit in Madrid – ohne sie, die Insel.
Kein Kommentar
Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich registrieren lassenund eingeloggt sein.
Noch kein Kommentar vorhanden.