Nachwuchskünstler urlaubt auf Mallorca

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MM traf Leon Löwentraut auf der Terrasse des Museums Es Baluard in Palma

MM traf Leon Löwentraut auf der Terrasse des Museums Es Baluard in Palma.

Foto: Patricia Lozano

"Picassos Musterschüler" nennt ihn die Hannoversche Allgemeine, die Bild "Bubicasso", immerhin "Kunststar" die seriöse FAZ. Zum Treffen mit MM trägt der sommersprossige 19-Jährige aus Düsseldorf mit den stechend blauen Augen sein blondes Haar James-Dean-like nach hinten gekämmt, das Hemd ist weit geöffnet. Leon Löwentraut ist kein Künstlername, sondern ihm in die Wiege gelegt worden - wie geschaffen, um in Talkshows wie "Tietjen und Bommes" oder bei Stefan Raabs "TV Total" als zwar noch weitgehend unbekannter, aber glamouröser Gast geladen zu werden.

Löwentraut outet sich als Insel-Neuling, der bislang einen weiten Bogen um das Lieblingseiland der Deutschen machte. "Ich hatte Vorurteile wegen der ganzen Deutschen auf der Insel. Aber Mallorca ist viel schöner, als ich es mir vorgestellt hätte, es ist einfach traumhaft hier."

Als Inspiration dient ihm das Ambiente aber nicht direkt. "Ich lasse mich weniger von Reisen und Motiven inspirieren. Vielmehr sammele ich Energie und projiziere die dann auf die Leinwand, wenn ich wieder zu Hause im Atelier bin." "Das können nach einer Reise 14 Stunden am Stück sein", sekundiert sein Vater Jörg Löwentraut, der aus dem Schuhbusiness kommt, seit diesem Jahr seinen einzigen Sohn aber hauptberuflich betreut. Die Idee zum Familienunternehmen kam vom Filius selbst, im Alter von 16. "Damals fanden es meine Eltern noch zu früh, seit Ende 2016 ziehen wir es durch." Druck spüre er nicht. "Ich habe früher selbst verhandelt und die Deals machen müssen, was jetzt mein Vater für mich übernimmt. Er hält viel von mir fern, was meine Kreativität beeinflussen würde."

Leon Löwentraut malt seit seiner frühesten Kindheit, anfangs gemeinsam mit seiner Mutter. "Sie hat mich enorm geprägt, vor allem, was die Kunst betrifft, habe ich ihr viel zu verdanken." Sein Ausdruck mit kräftigen, fröhlichen Farben hat sich zu einem expressiv-abstrakten Stil verfestigt, soll dem Betrachter Freiraum zum Interpretieren geben. "Ich bin mega farbenfroh, weil ich Leute glücklich machen will. Wenn Gemälde dunkel sind, macht mir das keinen Spaß, so etwas anzuschauen." Er kann sich selbst an seinen Bildern erfreuen. "Wenn es mir schlecht geht, schaue ich mir ein Bild von mir an, dann geht es mir wieder gut. Und so geht es auch anderen Leuten. Mir haben lebensmüde Leute gesagt, dass sie durch meine Bilder wieder Freude am Leben bekommen haben. Das ist das beste Kompliment, das man kriegen kann."

Seine Bilder sind für ihn Momentaufnahmen seiner Emotionen. "Wenn man sich nach 50 Jahren ein solches Bild anschaut und Emotionen durch ein Bild wieder ausgelöst werden, ist es das, worauf es in der Kunst ankommt, und das ist auch der Grund, warum ich male."

Das tut Löwentraut bevorzugt bei lauter klassischer Musik oder zu Soul-Rhythmen, meistens nachts. Zu Schulzeiten hatte das auch ganz praktische Gründe, tagsüber musste er ja im Klassenraum sitzen. Doch über diese Zeit, etwa seine durchschnittlichen Kunstnoten, wie in einem Interview zu lesen war, möchte er nicht mehr reden. "Damit habe ich abgeschlossen, die Schule hat mich nur an der Kunst gehindert."

Eine wichtige Rolle spielt das Zuhause, in dem er noch wohnt und wo sein Atelier ist, gut isoliert, damit er nachts die Musik voll aufdrehen kann. "Da bin ich außer Rand und Band." Zu diesem Rückzugsort haben nur sehr wenige Leute Zugang. Überhaupt ist der Kreis seiner Vertrauten überschaubar. "Ich habe gemerkt, dass lediglich drei Prozent der Leute ihr Wort halten. Für die gehe ich durchs Feuer. Wer mich enttäuscht, den kann ich schnell abhaken. Es gibt Leute, bei denen man sich nicht mal auf eine Tasse Kaffee einlässt, weil man seine Zeit nicht vergeuden will." Gute Freunde habe er drei, mit denen gehe er am liebsten Essen oder in Bars, und denen erzähle er alles. Bei aller Abgeklärtheit kommt dann doch mal wieder der 19-Jährige durch. Auf Mallorca habe ihn ein guter Bekannter mit seinem Jetski begeistert. "Ich bin ein riesiger Fan davon, auch wenn ich danach eine Woche Muskelkater habe."

Löwentrauts Antrieb ist nicht Bestätigung, sondern Zurückweisung. "Ich habe in der Anfangszeit sehr viele Abfuhren bekommen, so gut wie 99,5 Prozent. Die haben gesagt: finde dich erstmal, geh' studieren und geh' auf eine Akademie. Die haben sich meine Kunst nicht einmal angeschaut." Das hat ihn angetrieben. Wenn die Leute sagen, dass er ein Genie sei oder das neue Phänomen der Kunstwelt, motiviere ihn das nicht. "Antrieb bekomme ich, wenn die Leute nicht sehen, was ich draufhabe und sagen, das wird eh nichts. Den Leuten, die nicht an mich glauben, eine Breitseite zu geben, das macht mir persönlich mehr Spaß."

Eine Galerie in Aying bei München zeigte im Oktober 2013 schließlich erstmalig seine Bilder und verkaufte die ersten Exemplare. Ausstellungen in Basel, Singapur, Berlin, New York, London kamen hinzu, mittlerweile werden pro Bild bis zu 35.000 Euro erzielt. Für Leon Löwentraut liegt das schon Ewigkeiten zurück. "Das ist alles Vergangenheit, ich lebe in die Zukunft. Straight nach vorne gehen, das macht viel mehr Spaß." Im Senegal unterstützt er den Bau einer Schule durch den Erlös einer gesamten Edition. Am 8. September läuft eine Dokumentation bei "ntv" über ihn. "Die nächste Ausstellung, die ich habe, ist in der Galerie Geuer und Geuer in Düsseldorf. Er ist ein absoluter Top-Galerist und er ist Feuer und Flamme." Die Galerie kündigt den Newcomer auf ihrer Website enthusiastisch an: "Von Picasso, Matisse und Basquiat inspiriert, sucht Löwentraut in seiner Malerei nach Freiheit, kombiniert Farben und Formen gestisch wild, malt oftmals mit der Tube selbst, anstatt einen Pinsel zu verwenden. Seine Sujets sind vielseitig, beschäftigen sich mit Menschen und Zwischenmenschlichem, oszillieren zwischen Optimismus und Kritik, zeigen oftmals auch den isolierten Menschen hinter der sozialen Fassade." Immerhin hat die Galerie auch namhafte Künstler wie Julian Schnabel oder HA Schult im Programm.

Hält er manchmal inne und reflektiert all das, was da passiert? "Ich weiß ja, welche Arbeit dahintersteckt, das ist der Lohn für die verdammt harte Arbeit. Nichtsdestotrotz war ich auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort." Ob er aber wirklich der nächste Kunststar wird, muss die Zukunft erst noch zeigen. In Palmas renommierter Galerie Kewenig ist der Name Löwentraut bislang noch unbekannt. Ein anderer langjähriger Galerist aus Palma sieht den Newcomer kritisch. "In der Bibel der seriösen Kunsthändler und Kunstsammler, der alljährliche Kunstkompass der Wirtschaftszeitschrift Capital, ist er noch nicht aufgetaucht", sagt er. Solange er dort nicht präsent sei, werde keiner der seriösen Galeristen der Oberliga ein Auge auf seine Werke werfen. Auch im Kunst-Künstler-Ranking der Kunsthändler der wichtigsten 50.000 Künstler international taucht Löwentraut nicht auf. "Talent, viel Marketing, oft gepusht von Eltern, davon gibt es viele", meint der Händler aus Palma. Was dahinterstecke, müsse sich noch zeigen.

Leon Löwentraut ist sich der Thematik durchaus bewusst. "Talent alleine reicht nicht, es gibt Millionen talentierter Menschen, egal in welcher Branche, egal ob Karatekämpfer oder Schachspieler. Es kommt auch darauf an, wen man um sich herum hat, das Marketing muss stimmen. Wenn du keine Leute hast, die sich um die Geschäfte dahinter kümmern, funktioniert es nicht." Und:"Wenn du alles alleine machst, weil du dich auf keinen anderen verlassen kannst, gehst du daran kaputt."

Er besitze eine Gabe, auf der er sich aber nicht ausruhen dürfe, sagt Löwentraut. Wie weit er auch immer im Kunst-Ranking kommt, ob man ihn zum Kunstgewerbe oder zur großen Kunst zählen wird: Man wird noch von "LL" hören und sehen, ganz sicher bald auch auf Mallorca. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, hier eine Ausstellung zu machen."

(aus MM 30/2017)

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GvG / Vor 3 Monaten

Talente werden in Schulen nicht gefördert. Und ignorant 30 Architekten mit Frontalunterricht in Mathe zu drillen ist auch falsch. Schule verhindert doch Individualismus. Jeder ist ein Individuum, nur in der Schule darf man keins sein... ...Denn 30 Kinder im Gemeinschaftsunterricht zu prägen ist kein Einzelunterricht, der Talente fördert... ... Hier versagt Schule und letztendlich oft die Eltern.

sandra / Vor 4 Monaten

wie bitte 35000,- Euro für ein Bild ? Ein Schüler in der 9. Klasse Mal unterricht bekommt das auch hin. Naja man muss das nur gut umreden was der Künstler dabei fühlt und die Inspiration und das Umfeld ... bla bla bla....