Vegan leben ist auch auf Mallorca unkompliziert

| Mallorca |
Koblenzer Patrick Schell hat auf Mallorca den ersten veganen Supermarkt "LoVegano" gegründet.

Der Koblenzer Patrick Schell hat auf Mallorca den ersten veganen Supermarkt "LoVegano" gegründet.

Foto: D. Serbe
Koblenzer Patrick Schell hat auf Mallorca den ersten veganen Supermarkt "LoVegano" gegründet.Schauspielerin Stephanie Kindermann ist schon seit Jahrzehnten Veganerin und macht sich auf Mallorca für den Tierschutz stark.Brite Scott Adams ist Veranstalter der mehrmals im Jahr stattfindenden veganen Festivals.

Veganer sein - in einem Land, in dem Fisch und Fleisch seit Jahrhunderten zur kulinarischen Tradition gehören? Vegane Lebensweise wird von vielen Vorurteilen begleitet. Die beliebtesten: zu kompliziert, zu teuer. Um diesem Klischee entgegenzutreten, finden mehrmals jährlich auf Mallorca vegane Festivals unter dem Motto „Vegan Day Out” statt.

„Vegane Ernährung ist grundsätzlich überhaupt nicht kompliziert”, sagt Patrick Schell. Der deutsche Auswanderer lebt seit 1999 auf Mallorca und hat sich vor fünf Jahren dazu entschieden, komplett auf tierische Produkte zu verzichten. „Die Möglichkeiten dazu hat jeder. Jeder hat in der Nähe einen Obst- und Gemüseladen. Jeder hat die Möglichkeit, Reis, Nudeln und Kartoffeln oder Getreidesorten wie Amaranth zu bekommen.” Menschen seien Schell nach eben oft unbeweglich oder wollten sich nicht an einen anderen Geschmack gewöhnen.

Das vegane Angebot auf Mallorca sei vor fünf Jahren noch überschaubar gewesen. „In einem großen Supermarkt gab es einen einzigen Tofu, der geschmeckt hat wie eine Schuhsohle”, sagt der gebürtige Koblenzer scherzhaft. 2013 eröffnete er deshalb mit seiner damaligen Frau den ersten veganen Supermarkt Mallorcas, den „Lovegano”, der heute in Palmas Stadtteil Santa Catalina zu finden ist. „Unser Einkaufszettel ist ein Stimmzettel. Wir bestimmen damit jeden Tag, was in der Welt passiert”, sagt Schell. Auf Mallorca habe die Nachfrage nach veganen Produkten vor etwa zweieinhalb Jahren einen echten Aufschwung erlebt. „Das haben wir auch deutlich an unseren Umsatzzahlen gemerkt”, so der Unternehmer.

Positiv empfindet er, dass auch immer mehr Mallorquiner den Fleischkonsum hinterfragen. Laut aktuellem „Fleischatlas” der deutschen Heinrich-Böll-Stiftung liegt Spanien europaweit beim Fleischverbrauch vorn. „Aber auch hier gibt es irgendwann mal eine Gegenbewegung”, sagt Schell. Dass zu starker Fleischkonsum Industriekrankheiten begünstige, sei wissenschaftlich belegt. Deshalb entschieden sich auch immer mehr ältere Menschen für vegane Lebensmittel, wie er in seinem Laden feststellt.

Dass das Ernährungskonzept auf Mallorca gerade erst ankommt, weiß auch Scott Adams, der Organisator des Festivals. Der Brite lebt seit vier Jahren auf Mallorca und ist auf der Insel vom Vegetarier zum Veganer geworden. „Hier sprechen wir bei Veganern von etwa einem halben Prozent der Bevölkerung - kein Vergleich zu Großbritannien. Aber der Unterschied ist, dass man hier veganes Essen nicht nur in Großstädten bekommt, denkt man an all die frischen Früchte und das Gemüse auf den Märkten und Farmen Mallorcas. Jeden Monat eröffnen hier neue vegane Läden - etwa in Palma, Alcúdia oder Pollença”, sagt Adams.

„Mit diesem Festival bieten wir wie bei einem Musikfestival für Bands eben für alle interessierten Veganer die Möglichkeit, zusammenzukommen", sagt der Auswanderer. Sein Heimatland ist auch das Geburtsland der veganen Bewegung. Die erste Vegane Gesellschaft wurde 1944 im Vereinigten Königreich gegründet. Seit 1994 wird am 1. November durch sie zudem ein „Weltvegantag” mit zahlreichen Aktionen weltweit veranlasst.

„Das größte Problem für Veganer ist, dass Nicht-Veganer diese Lebenseinstellung attackieren, anstatt erst mal zuzuhören und etwas mitzunehmen”, sagt Stephanie Kindermann. Die deutsche Schauspielerin ist bereits seit 35 Jahren Veganerin, lebt heute auf Mallorca und gibt Tipps zu Nachhaltigkeit und Tierschutz. Veganismus werde viel zu oft mit Radikalität gleichgesetzt. Und viel zu oft mit „Bio” verwechselt. Dass Essen immer billiger und zur Nebensache wird, sehe sie kritisch: „Vor ein paar Jahren haben die Menschen noch rund 50 Prozent ihres Einkommens für Essen ausgegeben”, sagt die Tierschützerin. „Heute sind es nur noch etwa zehn Prozent.” Kindermann weiß: „Wir nehmen zu viel Zucker, zu viel Salz und zu viel Weißmehl zu uns - und das sieht man!”

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Daniel / Vor 28 Tage

Irgendwie wurde was abgeschnitten: Ach ja, Du isst mit Deinen Fleischbergen vielleicht nicht uns Veganern (weniger 1 Prozent der Bevölkerung) das Essen weg, sehr wohl aber allen Hungerleidenden in der Welt. Dein Fleisch wird nämlich mit Pflanzen produziert und das in einer unglaublich schlechten Effizienz. Man könnte mehr als die Hälfte aller Felder für die Tiere einsparen und stattdessen direkt das Getreide, Hülsenfrüchte und ja, auch Gemüse essen. Aber wenn Du halt noch nie ein hungerleidendes Kind gesehen hast, wirst Du das nicht verstehen.

Daniel / Vor 28 Tage

Jeder kann frei entscheiden was er macht. Finde es aber ziemlich primitiv nur sein Lustgefühl (Hunger ist das nicht) gemäß jahrelangen Gewohnheiten zu befriedigen. Klar, warum sollte mich die Welt kümmern, wenn ich mir alles leisten kann und mir mein Konsum (auch Nahrung) so gefällt? Sorry - das ist nicht meine Wertevorstellung. Ach ja, Du isst mit Deinen Fleischbergen vielleicht nicht uns Veganern (

Thomas Berthold / Vor 28 Tage

Ja heute Abend grillen wir jede Menge Fette Steaks. Wir freuen uns schon auf den Verzehr. Dazu Kräuterbutter und etwas veganen Salat. Ach was scheiß auf den Salat nur Fleisch kommt heute in den verdauungstrackt. Damit wir den Vegetariern und Veganern nicht ihr Futter weg essen. Soll ja keiner sagen die Fleischfresser benehmen sich wie die neandertaler.

Daniel / Vor 28 Tage

Ich verstehe nicht, warum das eine Belästigung sein soll und den Leuten so egal ist, was man isst! Wollen wir keine bessere Welt haben? Was ist daran erstrebenswert, wenn alles schlechter wird? Es soll kein Thema aufgezwängt werden, sondern erwähnt werden, dass es hier ein großes Problem gibt, dass viele nicht erkennen, nicht wissen und kleinreden. Beim Flüchtlingsthema, Terorrismus, Arbeitslosigkeit etc. ist jeder gleich interessiert und findet's wichtig. Wie kann es einem aber so völlig egal sein wie die Umwelt verschmutzt wird (Tierproduktion ist hier die Nr. 1!!), die Tiere unter unglaublich skandalösen Zuständen gehalten werden und die Leute durch die Industrie-Nahrung immer kranker werden und durch die Pharma-Industrie versucht werden gesund zu erhalten (wie absurd...)? Wenn ich etwas esse, will ich das mit gutem Gewissen tun. Und ich will dass es eine gute Qualität ist, damit ich gesund und leistungsfähig sein kann. Da ich weiß wie die Tiere gehalten werden finde ich es nur noch ekelhaft Fleisch und andere Tierprodukte zu verzehren. Das will nur keiner wissen und sehen! Die Kühe auf den grünen Bergwiesen und die glücklichen Schweine im sauberen Stroh sind ein Märchen. Das Gute ist: Man kann sein Verhalten ändern. Und pflanzen-basiertes Essen schmeckt und macht satt. Man muss nur offen sein und das System der Industrie (Masse, Geldmaschine, billigste Produktion) verstehen. Schade, dass die Menschen nur ihren Tunnelblick haben und nur auf den eigenen kleinen "schönen" Teller schauen und denken "alles ist gut und man muss nichts ändern"! Wenn auf den Fleischpackungen Bilder der Zustände abgedruckt wären wie auf Zigarettenpackungen, würden manche vielleicht aufwachen, dass hier etwas nicht stimmt und eben nicht normal ist.

Thomas Berthold / Vor 28 Tage

Oh ja wie recht ihr doch habt. Ich mache doch auch kein Fass auf weil ich Fleischesser bin und brauche einen Artikel im MM oder sonst wo. Mein Gott macht euer Ding aber posaunt es doch nicht ständig in die Welt hinaus und betont immer das Thema der armen Tiere. Sind ja auch arm dran aber trotzdem esse ich weiter lecker Fleisch.

KampfWesty / Vor 29 Tage

„Das größte Problem für Veganer ist, dass Nicht-Veganer diese Lebenseinstellung attackieren, anstatt erst mal zuzuhören und etwas mitzunehmen”.

Könnte u.U. daran liegen, daß die Herrschaften Veganer es sich nicht nehmen lassen, zu jeder Stunde, Minute und Sekunde, andere mit ihrem gloreichen Lebensstil zu nerven und sich dazu noch extra viel Mühe geben mit dem Versuch, anderen ein schlechtes Gewissen einzureden, weil in der dekadenten, Geld wächst auf den Bäumen Gesellschaft, Tiere nun zu Kumpeln und Kindern mutiert sind.

Harald / Vor 29 Tage

„Das größte Problem für Veganer ist, dass Nicht-Veganer diese Lebenseinstellung attackieren, anstatt erst mal zuzuhören und etwas mitzunehmen”, sagt Stephanie Kindermann.

Da geht die Lügerei doch schon los. Es ist den Leuten doch vollkommen egal, wer sich wie ernährt. Was interessiert mich, was mein Nachbar isst? Unwichtig. Umgedreht wird viel eher ein Schuh daraus. Genauso wie die Homolobby jedem ihre Sichtweise der Dinge ungefragt aufs Auge drücken will, wollen das auch die Veganer. Allein der vorstehende PR-Artikel beweist das. Lebt doch wie ihr wollt Leute, aber belästigt nicht dauern andere damit.