Von Mallorca aus die Charts stürmen

| Marratxí, Mallorca |
Die 30 Jahre alte Anna ist das Gesicht von Anna Lux.

Die 30 Jahre alte Anna ist das Gesicht von Anna Lux.

Foto: nimü

Zu Hause auf ihrer Finca bei Marratxí sind Anna und Rico Horber in diesen Wochen nur zwischendurch. Denn das Schweizer Paar will sich als neuen Musik-Act positionieren. Gemeinsam mit ihrer Gitarristin Lara Lumière sind die beiden gerade unter dem Namen „Anna Lux” als Support-Act mit der Gruppe Megaherz auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Megaherz ist eine angesagte Gruppe des Genres „Neue Deutsche Härte” (NDH), als deren populärste Vertreter Rammstein gelten.

Anna Lux ist neu. Vor ein paar Wochen wurde im Internet das erste Video veröffentlicht. Der Song heißt „Zuhause”. Dass man als absoluter Newcomer die Chance bekommt, mit einer NDH-Größe wie Megaherz zu touren, hängt mit der Verbundenheit zur Szene zusammen. Man kennt sich. Rico ist seit 14 Jahren Drummer der Band Stoneman. Jetzt soll Anna in den Vordergrund treten. Rico: „Sie hat mir bisher den Rücken freigehalten, obwohl sie eigentlich eine größere Künstlerin ist als ich.“

Bevor sie auf die Insel übersiedelten, haben beide die größte Schlagzeug-Schule der Schweiz betrieben. Vor drei Jahren hatte das Paar noch keine Ahnung davon, dass Mallorca einmal ihr Lebensmittelpunkt werden würde. „Wir haben damals zum ersten Mal Urlaub auf der Insel gemacht, waren in Esporles. Ich kann das nicht erklären, aber es hat uns einfach gleich gepackt”, erinnert sich Anna. Aus Spaß sahen sie mit einem Makler Häuser an. Im zweiten besichtigten Objekt wohnen Anna und Rico heute mit ihrer vier Jahre alten Tochter Amelie. „Zwei Monate nach dem Urlaub haben wir den Vertrag unterschrieben und dann in der Schweiz alles abgebrochen, die Schlagzeug-Schule verkauft. Im Dezember 2015 wurden dann die Sachen gepackt”, erzählt die 30 Jahre alte Sängerin, die Klavier und Gitarre spielt. „Alle fanden das ziemlich verrückt. Aber wir sind beide nicht ganz normal”, lacht die Eidgenossin.

In Anna schlummerte lange Zeit die Künstlerin. Ihr Großvater hatte eine eigene Band, war Dirigent. Die Enkelin hat „immer schon” Musik gemacht, wollte auf die Bühne. Aber es hieß: „Mit Musik verdienst du nichts.” Jetzt wird Anna, die früher in einer Bank arbeitete, zur musikalischen Spätstarterin. „Ja, total“, räumt sie ein. „Aber ich denke, mit 40 muss ich nicht mehr anfangen. Jetzt oder nie. Seit wir hier auf Mallorca sind, kann ich mich dem voll hingeben. Ich bin seit zwei Jahren dabei, aufzuholen, was ich nicht machen konnte.“

Ende des Jahres soll das erste Album von Anna Lux bei einem großen Musikkonzern erscheinen. „Anders geht es nicht”, meint Rico. „Wir möchten in die großen Hallen und in die Charts. Das zweite Album muss in die Top 100 in Deutschland”, lautet der Plan. „Die Feedbacks sind extrem gut”, so der 37-Jährige. „Wir müssen noch mehr arbeiten und investieren. Für uns ist das All In. Wir leben von der Musik.” Anna ergänzt: „Es ist wie ein Start-up-Unternehmen. Wir glauben daran.”

Und der Musikstil? Anna überlegt. „Neue Deutsche Härte trifft es nicht. Eher New New Wave. Oder Dark Pop. Für Schlager sind die Texte ein bisschen zu dunkel. Vielleicht kann man sagen deutscher dunkler Poprock.”

Für das Video zu „Zuhause”, das auf Youtube zu finden ist, hat man eine Location auf Mallorca gewählt. Gedreht wurde in dem seit Jahrzehnten vor sich hinrottenden früheren Show-Restaurant Es Fogueró bei Alcúdia. Als Nächstes soll der Titel „Mädchen im Koma” lanciert werden. Für das Video zum Lied lief die Kamera in der Nähe von Banyalbufar.

Anna und Rico komponieren und texten die Anna-Lux-Stücke selbst. Sie arbeiten aber im eigenen Studio auf der Finca auch für andere Künstler – wenn es die Zeit erlaubt.

Kontakt mit der internationalen Musikerszene auf Mallorca pflegen die beiden nur sporadisch. Für sie ist Mallorca vor allem ein Rückzugsort, an dem sie in Ruhe arbeiten wollen. Insel-Auftritte könnte es vielleicht mal mit Anna Lux geben, aber nicht in irgendeiner Band zum x-beliebigen Anlass. Rico: „Ich bin froh, dass ich das nicht mehr machen muss. Jeden Tag zu spielen, ist nicht mein Ding. Für mich hat das wenig mit dem Künstlerdasein zu tun. Aber ich bewundere die Leute, die hier in der Szene aktiv sind, das sind alles Profis mit einer großen musikalischen Bandbreite.”

(aus MM 12/2018)

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