Hundeunfreundlichkeit im Hunderestaurant

| Palma de Mallorca |
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Der Kunde ist König? Nicht immer. Die Freundlichkeit gegenüber Redaktionshündin Li hielt sich im "Hunderestaurant" in Grenzen.

Hundefreundlichkeit auf Mallorca ist bekanntlich relativ. Vierbeiner im Bus? Ja, aber nur in ausgewählten Linien. Im Taxi? Schon, aber nur, wenn der Fahrer gute Laune hat. Am Strand? Klar, aber nur im tiefsten Winter, am besten in einer abgelegenen Tramuntana-Bucht - was sollen sonst die Touristen denken?

Interessant wird es, wenn Hundefreundlichkeit selbst im Hunderestaurant relativ ist. Dabei wirkt das handgemalte Werbeschild im Schaufenster des Lokals in Palmas Innenstadt doch so einladend. "Hundemenü", steht dort auf Spanisch geschrieben. "Rinderpaté mit Gemüse" und "Lammpaté mit Gemüse" wird dort für zwei Euro angepriesen. Und, in Großbuchstaben darunter: "AGUA free". Na, wenn das kein Schnäppchen ist!

Während Redaktionshündin Li und Hundefreund Luan eher skeptisch das Restaurant betreten, sind ihre Frauchen begeistert. Schöne Einrichtung, nettes Ambiente, viele Leute, viele Tische - und keine anderen Hunde. Hm, und wohin mit den beiden?

"Hier ist für euch reserviert", sagt ein Kellner freundlich. Eingequetscht zwischen Stuhlbeinen, Tischen und Steinsäulen lässt sich Luan unbeholfen und schüchtern auf den Steinboden plumpsen, Li schaut sehnsüchtig in den Innenhof, der für Hunde ideal, leider aber nur für Raucher gedacht ist. Es wird voller und lauter, Luan übt sich im Kleinmachen zwecks Schwanzeinziehen, Li gibt ihrer Aufregung per Zuruf Ausdruck. Zwei Mal kurz aufbellen, schon ist der Kellner da. "Wenn der Hund sich nicht beruhigt, dann müsst ihr gehen", sagt er, um Höflichkeit bemüht. Irgendwie erinnert er an einen dieser typischen Lehrer, die mit Contenance versuchen, eine Gruppe unartiger Schüler unter Kontrolle zu bringen. Ein weiteres Bellen und schon ist sein Kollege vor Ort, wiederholt den Satz. Ob sie hier nur Lehrer einstellen?

Nach immerhin 20 Minuten kommt das Hundemenü. Zwei Näpfe mit Nassfutter, für jeden einen. Was das denn für ein Gericht sei? "Das weiß ich nicht", sagt der Kellner und ist schon wieder bei den nächsten Kunden - Zweibeinern.

Luan und Li brauchen genau 20 Sekunden, um ihr Mahl zu verputzen. Der zweite Gang ist wohl in der Küche vergessen worden. Anderthalb Stunden später sind auch die Frauchen fertig mit Essen. Luan schläft bereits, um die Langeweile zu überbrücken, Li schlabbert an ihrem Wassernapf und blickt erwartungsvoll in die Runde. Als es schließlich endlich wieder an die frische Luft geht, entdeckt Li beim Verlassen des Restaurants einen anderen Gast auf vier Pfoten. Schnell schiebt Frauchen sie weiter an den Tischen vorbei. Begrüßungszurufe würden vielleicht nicht ganz so gut ankommen - und der Kellner hat schon wieder seinen Lehrerblick aufgesetzt. Draußen angekommen beweist Luan, dass sein Schwanz keinesfalls einer Lähmung zum Opfer gefallen ist, sondern durchaus noch zum Wedeln fähig ist. Und auch sein Blick ist nun wieder klar. "Komm", verrät dieser. "Lass uns gehen. Und bitte, lass uns einfach nie wiederkommen."

(aus MM51/2016)

Kommentar

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Swen / Vor 1 Monat

Ohje, die Vermenschlichung der Hunde. Das kann ja noch heiter werden.