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Eine flotte Blondine, wie von der Natur idealerweise vorgesehen, räkelt sich im Bikini am Strand. Was heute an den Stränden von Mallorca Alltag ist, war vor einem halben Jahrhundert noch - unerhört. Der textile Zweiteiler, der nach dem Atomtestgelände des Südseeatolls "Bikini" getauft wurde, musste seinen Siegeszug an den Badezonen der Welt per "Sex-Bomben" erst erkämpfen.

Der Triumph der knappen Stöffchen war somit keineswegs vorgezeichnet, als der französische Maschinenbau-Ingenieur Louis Réard 1946 im Pariser Nobelbad Molitor erstmals die revolutionäre Damen-Badebekleidung den Medien präsentierte. Da sich kein Mannequin fand, das den Mut hatte, dermaßen freizügig in der Öffentlichkeit zu erscheinen, musste der Erfinder auf eine professionelle Nackttänzerin zurückgreifen.

Der Bikini galt als anstößig. Das war noch der Fall, als 1962 auf Mallorca der Film "Bahía de Palma" gedreht wurde. Die deutsche Schauspielerin Elke Sommer mimte darin ein verwöhntes Töchterchen aus reichem Hause, das letztlich erst durch die Liebe zu einem Mann mit tragischer Vergangenheit geläutert wird. Die Handlung in dem Streifen von Juan Bosch war wahrlich nicht tiefgründig. Aber darauf kam es gar nicht an. Denn in dem Film wurden erstmals Bikinis gezeigt, samt den entsprechenden Damen, die darin steckten. Neben Elke Sommer waren dies auch einige typisch blonde Skandinavierinnen.

Das Neue an dem Werk war, dass die spanische Filmzensur die Szenen am Strand unbeanstandet passieren ließ. Da in jenen Jahren der Franco-Diktatur nichts dem Zufall überlassen wurde, wird dahinter System vermutet. Wenn nicht gar die Hand des just in jenem Jahr ernannten Tourismus- und Informationsministers Manuel Fraga Iribarne, dem der Werbeslogan "Spain is different" zugeschrieben wird. Der findige Politiker soll damals durchaus das Werbepotenzial des Films für Spanien als Sol-y-Playa-Destination des beginnenden Massentourismus erkannt und gefördert haben.

Elke Sommer war zu jener Zeit bereits ein europäischer Filmstar mit Erfolgen in Italien, England, Frankreich und Deutschland. Mehr noch: Die 20-Jährige befand sich auf dem Sprung nach Hollywood, wo sie bereits für neue Filmprojekte engagiert worden war.

All das hinderte die katholische Kirche nicht daran, "Bahía de Palma" als höchst "gefährlich und verwerflich" zu bezeichnen und vom Besuch des Films abzuraten. Klar, dass der Streifen in Spanien ein Kassenschlager wurde.

Ungeachtet des kommerziellen Erfolgs dauerte es noch Jahre, bis an den katholisch geprägten Stränden Spaniens und Italiens der Bikini als Normalität wahrgenommen wurde. Das erste Foto einer Frau im Bikini auf Mallorca entstand 1953. Doch die Hintergründe sind unklar, es ist fraglich, ob es sich um einen gestellten oder freien Schnappschuss handelte. Im Hintergrund sind Soldaten zu sehen.

Die erste Spanierin, die sich um 1967 im Bikini an den Strand traute, war die katalanische Schauspielerin Teresa Gimpera. Sie sprang bei Barcelona in die Brandung.

Auf Mallorca tauchten die ersten Bikinis 1959 auf, allerdings nicht an einem "normalen" Strand, sondern am Hotel Formentor an der Nordspitze der Insel. Die Nobelherberge war der Treff des internationalen Jetsets, und die Playgirls ebneten dem Bikini den Weg.

Die ersten Urlauberinnen auf Mallorca, die sich im Zweiteiler am Strand zeigten, waren Französinnen und Skandinavierinnen. Die blonden Schwedinnen wurden für die Mallorquiner der 1960er Jahre zum unangefochtenen Sexsymbol, ganz so, wie sie in einer Szene auch in "Bahía de Palma" zu sehen sind. Dort lassen sich die nordischen Schönheiten von einem lebenslustigen Latin Lover bezirzen.

Für Elke Sommer waren die Dreharbeiten auf Mallorca lediglich eine kurze Episode. In ihrer offiziellen Homepage wird "Bahía de Palma" zwar aufgelistet, Anekdoten zur Insel hat die Schauspielerin und Malerin jedoch - anders als bei anderen Orten - unerwähnt gelassen.