100 Jahre - und nach wie vor ein heißer Feger

Im April wird die Sóller-Bahn ein Jahrhundert alt.

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Einsteigen in Palma: Der Bahnhof und der Fuhrpark sind beide 100 Jahre alt. Das ist der Bahn nicht anzumerken. Die Waggons werde

Einsteigen in Palma: Der Bahnhof und der Fuhrpark sind beide 100 Jahre alt. Das ist der Bahn nicht anzumerken. Die Waggons werden liebevoll gewartet.

Einsteigen in Palma: Der Bahnhof und der Fuhrpark sind beide 100 Jahre alt. Das ist der Bahn nicht anzumerken. Die Waggons werdeBei der romantischen Zugfahrt kommen romantische Gefühle auf. Das Urlauberpaar aus München, hier beim kurzen Aufenthalt an der P

Für klaustrophobisch veranlagte Menschen ist es der reine Horror, für andere ist es der Höhepunkt auf der Bahnfahrt von Palma nach Sóller: Die Durchquerung des Tramuntana-Gebirges mittels eines Tunnels. 2,85 Kilometer lang ist die Röhre, die vor über 100 Jahren durch das Gestein getrieben wurde, vier Minuten und 56 Sekunden dauert die Fahrt durch das schwarze Loch.

Es ist schon ein einzigartiges Erlebnis, das da die Passagiere erwartet: Ohrenbetäubendes Hämmern der eisernen Räder auf den Gleisen - tatack, tatack, tatack - ein Rauschen und Schaukeln in den nur spärlich beleuchteten Waggons, fast wie auf nächtlichem Meer. Ein Blick durch die Scheiben nach außen lässt im Vorbeisausen roh behauene Felswände erahnen.

Je tiefer die Bahn in den Tunnel vordringt, desto kühler strömt feuchte Bergluft durch die geöffneten Abteilfenster ins Wageninnere. Im Sommer ist das die reinste Erfrischung. Nicht minder belebend wirkt das Jauchzen und Schreien, das ganze Schulklassen von sich geben, wenn die finstere Etappe ansteht.

Wer den Tunnel wohlbehalten hinter sich lässt, dem steht ein weiteres Highlight bevor. Kurz nachdem der Sonnenschein wieder durch die Glasscheiben der Waggons bricht und den Blick auf die wildromantische Bergwelt freigibt, hält der Zug - zumindest der touristische Vormittagszug - an einer Panorama-Aussichtsplattform, die ein kurzen Aussteigen und Fotografieren erlaubt. Tief unten im Tal liegt Sóller. Wer sich auskennt, macht den Jugendstil-Kirchturm und den Botanischen Garten mit seinem Palmenhain aus. Es ist ein malerischer, ein idyllischer Anblick. Der Ort im Orangental, eingerahmt von den mächtigen Flanken der Tramuntana, gleicht einer Postkarten- oder einer Bilderbuch-Ansicht.

"Es ist immer wieder schön", sagt ein deutscher Urlauber aus München, der die Fahrt mit der Sóller-Bahn schon vor 30 und 20 Jahren absolvierte. Was ihn besonders begeistert: "Es ist alles so gut gepflegt und bewahrt."

Der Eindruck der Gediegenheit, er beglückt die Fahrgäste bereits beim Betreten des Sóller-Bahnhofs an der Plaça d'Espanya in Palma. Der Bahnbetrieb wurde im April 1912 aufgenommen, die damals entstandenen Infrastrukturen atmen die modischen Vorlieben jener Vorkriegsjahre. Jugendstil-Elemente am Bahnhofsgebäude, in den Waggons lasierte Holzverkleidung, Messing- und Emaille-Beschläge, Art-déco-Abteilleuchten. Sie hat durchaus Stil, die Fin-de-Siècle-Atmosphäre.

Die Aufbruchstimmung, die mit der Jahrhundertwende ihren Anfang genommen hatte, machte auch vor den Industriellen in Sóller nicht halt. Schon 1904 gründeten sie eine Gesellschaft (siehe Chronik), die das hinter den Bergen isolierte Sóller enger an Palma anbinden wollte. Erste Pläne sahen eine Bahnlinie vor, die über Esporles, Valldemossa und Deià verkehren sollte. Doch diese Bergtour per Stahlross erschien unbezahlbar, und so verlegte man sich auf die Kurzverbindung über Son Sardina und Bunyola. Finanziert wurde das Vorhaben über die Ausgabe von Aktien. Heute ist die Sóller-Bahn eine der ganz wenigen Privatbahnen der Welt, die schwarze Zahlen schreibt.

Früher wurden vor allem Orangen von Sóller nach Palma befördert, daher der Spitzname "Vitamin-Express". Heute sind es Hunderttausende von Touristen, die jährlich mit dem Zug fahren. Ihr Anteil liegt im Vergleich zu den Berufspendlern bei 95 bis 99 Prozent, schätzt der Stationsvorsteher in Palma.

Ein Pfiff an der Aussichtsplattform "Mirador des Pujol d'En Banya" und weiter geht es in weitläufigen Kurven hinab nach Sóller. Der Zug hält schließlich nach einer Stunde Gesamtfahrtzeit am "ältesten" Bahnhof der Welt. Denn das stattliche Herrenhaus, das seit 1912 als Bahnhof dient, wurde bereits 1606 errichtet, gut 200 Jahre, bevor 1825 mit der Stockton and Darlington Railway in England die erste öffentliche Eisenbahn eröffnet wurde.

In Sóller blickte man eben schon immer weit in die Zukunft.

SÓLLER-BAHN IN ZAHLEN

27,2 Kilometer lang ist die Eisenbahnstrecke, die Palma und Sóller verbindet.

50 Minuten dauert die Fahrtzeit pro Strecke.

91 Zentimeter ist die Spurbreite des Gleises. Die SóllerBahn zählt damit zu den Schmalspurbahnen. Die Normalspur beträgt 143,5 Zentimeter.

2855 Meter ist die Länge des "Túnel Major", des größten Tunnels auf der Strecke, der zugleich den Pass bildet.

238 Meter über dem Meer ist die höchste Stelle, die die Sóller-Bahn bei ihrer Fahrt durch den "Túnel Major" zu überwinden hat.

Zehn Tunnel muss die Bahn durchqueren. Zwei Kurztunnel kommen hinter Bunyola, die weiteren Kurztunnel liegen vor Sóller.

Zwei Brücken sorgen ebenfalls für einen relativ ebenen Fahrtweg im Gebirge. Sie liegen auf der Sóllerseite. Der größere Viadukt, der "Montreals", besteht aus fünf gemauerten Bögen mit einer inneren Höhe von acht Metern.

Vier Triebwagen und 19 Waggons bilden den Fuhrpark der Sóller-Bahn. In der Regel werden damit drei Züge zusammenstellt. Hinzu kommen 24 Wagen der Straßenbahn (acht Triebwagen), die ebenfalls der Sóller-Bahngesellschaft gehören und zwischen dem Kernort und Port de Sóller verkehren.

Rund eine Million Passagiere werden im Jahr von der Sóller-Bahn befördert.

17 Euro kostet das Bahnticket Palma-Sóller, hin und zurück.

4 Euro werden für die einfache Fahrt mit der Straßenbahn fällig.

Residenten-Rabatte gibt es. Das Ticket-Scheckheft kostet 30 Euro für 30 Fahrten, ist aber nicht übertragbar.

Fahrplan-Infos unter www.trendesoller.com

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Barbara Schwede-Latz / Vor über 5 Jahren

Hallo Herr Sepasgosarian, danke für den netten Artikel über die alte Bahn. Vielleicht mögen Sie auch mal über den Bahnhof von Bunyola schreiben, und da besonders über das Gebäude, das dem Bahnhof gegenüber liegt. Das ist die alte 'Zentrale' des 'Tunél'-Aperitifs. Das Haus hat sehr nette Keramik-Teile an der Fassade. Ich sprach vor einigen Jahren mit der alten Bewohnerin des Hauses, die mir viel von den guten alten Zeiten erzählt hat. Natürlich weiß ich nicht, ob es sie noch gibt. Ich schreibe Ihnen auch, weil ich Sie in so angenehmer Erinnerung haben vom Mai 2012, als ich mit Schülerinnen bei Ihnen in der Redaktion war. Viele Grüße aus dem unglaublich nassen kalten Hessen! Barbara