Die Notwehr-Debatte lenkt vom eigentlichen Problem ab
An den Stammtischen – oder den spanischen Äquivalenten – war das Thema schnell durch:Es wäre doch höchst ungerecht, wenn der Senior, der in Porreres einen gewalttätigen Einbrecher und Räuber erschossen hat, sich vor Gericht verantworten müsste. So haben es die befragten Einwohner von Porreres den Reporter in die Blöcke diktiert. Es ist in der Tat verlockend, sich dieser Meinung anzuschließen. Wer in mein Haus eindringt, mich und meine Familie bedroht und schlägt, muss damit rechnen, dass ich mich wehre, gegebenenfalls auch mit einem tödlichen Schuss... Das würden viele unterschreiben. Aber wir tun alle gut daran, diese Gedanken nicht weiterzuspinnen. Sonst sind wir schnell da, wo wir nicht hinwollen: beim Amerika Donald Trumps, wo als Rezept gegen die Gewalt mehr (Waffen-)Gewalt ausgegeben wird. Fälle wie der von Porreres, hierzulande glücklicherweise Einzelfälle, müssen polizeilich, eventuell sogar gerichtlich untersucht werden. Wenn sich herausstellt, dass sich der alte Herr in seinem Leben bedroht fühlte, dann wird sicherlich der Notwehrparagraph angewendet werden, gerne auch großzügig ausgelegt. Es sollte jedoch vermieden werden, dass „privater” Schusswaffengebrauch als normales Mittel der Verteidigung angesehen wird. Dafür muss aber der Staat wehrhafter werden. Die Bürger von Porreres sprechen von einer ganzen Einbruchsserie in der Region, aber auch davon, dass der örtliche Polizeiposten in der Nacht unbesetzt sei. Am Montag nahm die Guardia Civil eine Bande hoch, die für zahlreiche weitere Einbrüche im Raum Felanitx und Manacor verantwortlich gemacht wird. MM berichtete in Ausgabe 7, dass immer mehr Hausbesitzer machtlos zusehen müssen, dass Besetzer ihr Eigentum übernehmen und die Staatsgewalt langsam oder gar nicht reagiert. Diese Nachrichten wirken nicht sehr beruhigend. Ist die Polizeistärke noch ausreichend? Wie sieht es im ländlichen Mallorca aus? Und wie effektiv funktioniert die Justiz? Über diese Fragen muss diskutiert werden. Mallorca darf keinesfalls eines seiner größten Pfunde aufs Spiel setzen: die Sicherheit. Autor: Bernd Jogalla
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