Wie konnte es nur dazu kommen? Darum schließt Mallorcas berühmte Showbühne Son Amar die Türen

Ehemalige Künstler und Angestellte des Eventlokals werfen Behörden Untätigkeit vor

Die Betreiber kündigten am Dienstag (1.4.) die Schließung des Lokals an der Straße von Palma nach Sóller an | A. SEPULVEDA

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Die am Dienstag (1.4.) bekannt gewordene Schließung der renommierten Showbühne Son Amar hat zur Bestürzung in Teilen der Öffentlichkeit geführt. Ehemalige Mitarbeiter, Künstler und Besucher beklagen das Ende des traditionsreichen Veranstaltungsorts. Auch die wirtschaftlichen und kulturellen Folgen für Mallorca werden diskutiert. Rund 150 Angestellte stehen vor der Entlassung, während die Zukunft des Geländes noch ungewiss ist.

Ein kulturelles Erbe verblasst

Mit der Schließung von Son Amar verliert Mallorca nicht nur eine bekannte Event-Location, sondern auch ein bedeutendes Stück seiner Unterhaltungsgeschichte. Seit den 1960er-Jahren bot das Haus ein breites Spektrum an Veranstaltungen – von mittelalterlichen Turnieren über Rock- und Elektrokonzerte bis hin zu glamourösen Varieté-Shows. Es war eine Bühne für große Künstler, Treffpunkt für Touristen und Einheimische gleichermaßen.

Die mallorquinische Sängerin Rosa de Lima, die 14 Jahre lang als Zeremonienmeisterin in Son Amar auftrat, zeigte sich gegenüber der spanischsprachigen MM-Schwesterzeitung Ultima Hora bestürzt über das Aus: „Es ist eine Tragödie. Son Amar war eine der letzten Bastionen des touristischen Mallorcas der 60er-Jahre und verfügte über die besten Veranstaltungsinfrastrukturen nicht nur auf den Balearen, sondern in ganz Europa.” Sie betonte jedoch, dass sich Son Amar im Laufe der Jahre stark verändert habe – unter anderem durch den Wechsel der Eigentümer von Damià Seguí zu Andreu Gelabert und schließlich zur Familie Whittaker.

De Lima beschreibt ihre Zeit bei Son Amar als „bitter-süß” – ein harter, intensiver Job, der aber auch Erfüllung brachte. Kritisch äußert sie sich zu der Tatsache, dass der Großteil der Besucher Touristen waren und nur wenige Mallorquiner den Ort aufsuchten: „Von den 1500 Gästen, die jeden Abend kamen, waren nur sehr wenige Einheimische. Viele hielten Son Amar für ein einfaches Restaurant, dabei war es einer der führenden Veranstaltungsorte Europas. Wir haben es selbst sterben lassen.” Ihr Vorwurf richtet sich auch an die Politik: „Die Behörden haben Son Amar schlichtweg ignoriert. Wir lassen wertvolle Orte wie diesen sterben, anstatt sie zu bewahren.”

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Son Amar hat eine bewegte Geschichte. Gelegen zwischen Palma und dem Tramuntana-Gebirge, begann der Erfolg in den frühen 1960er-Jahren, als Damià Seguí die Finca übernahm und dort erste Veranstaltungen organisierte. Was mit einfachen Grillfesen begann, entwickelte sich rasch zu einer der größten und bekanntesten Event-Locations Spaniens.

PALMA - Margaret Whittaker, Propietaria de Son Amar.
Die im Februar verstorbene britische Eigentümerin Margaret Whittaker

Jahrzehntelang strömten Busse voller Touristen auf das Gelände, um das Show-Erlebnis zu genießen. Das beeindruckende mallorquinische Patio „Sa Tafona”, der „Weiße Garten” und zahlreiche weitere Veranstaltungsräume auf dem Gelände boten Raum für Events – von Hochzeiten und Galas bis hin zu Boxkämpfen. Sogar ein Guinness-Weltrekord wurde hier aufgestellt: 2020 trat Ben Miles über 12 Tage lang ununterbrochen auf einem Fahrrad in die Pedale. Son Amar war auf diese Weise für viele Insulander ein Symbol für die Verbindung von Tradition und Moderne, ein Ort, an dem mallorquinische Kultur mit internationalem Flair verschmolz. Unter Whittakers Führung erlebte es eine Renaissance, die jedoch letztlich nicht ausreichte, um die finanziellen Verluste auszugleichen.

Wie geht es weiter?

Noch ist unklar, was aus dem legendären Veranstaltungsort wird. Die Erben der im Februar verstorbenen Eigentümerin Margaret Whittaker haben angekündigt, verschiedene Optionen zu prüfen. Denkbar wäre eine neue Nutzung des Gebäudes, doch eine endgültige Entscheidung steht aus. Die Corona-Pandemie hatte Son Amar bereits 2020 hart getroffen. Whittaker nutzte die Zwangspause, um das Konzept zu überarbeiten, neue VIP-Bereiche zu schaffen und exklusivere Erlebnisse anzubieten. Doch die wirtschaftliche Erholung blieb aus, und nach Whittakers Tod wurden sämtliche Zukunftspläne auf Eis gelegt.

Son Amar entschuldigte sich bei den betroffenen Mitarbeitern und betonte, dass die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen wurde. „Wir bedauern zutiefst, welche Auswirkungen dies auf unser Team hat, und danken für die langjährige Zusammenarbeit.” Es bleibt abzuwarten, ob das Gelände in Zukunft eine neue Bestimmung findet – oder ob es lediglich ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte Mallorcas bleibt, das sich schließt. Doch eines steht fest: Die Erinnerungen an unvergessliche Nächte unter den Lichtern von Son Amar werden bleiben.