"Ich wollte es mir beweisen"

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Michael Teuber Anfang der Woche beim Training in Mallorcas Bergen. Der Profisportler kennt die Insel bereits von etlichen Aufenthalten.

Einfach erstaunlich, was dieser Mann für eine Willenskraft hat. Andere wären womöglich verzweifelt und hätten ihre Karriere beendet. Michael Teuber aber, seit Jahren einer der erfolgreichsten deutschen Behindertensportler, radelt in diesen Tagen über Mallorca. Fast so, als wäre nichts geschehen ...

Es passierte im September vergangenen Jahres. Wenige Tage nachdem Teuber bei den Paracycling-Weltmeisterschaften in den USA den Titel im Einzelzeitfahren geholt hatte, war er mit dem Mountainbike in Österreich unterwegs. Eher Freizeitspaß als Training. Dann ein schlimmer Sturz, Hubschrauberrettung, die niederschmetternde Diagnose: Trümmerbruch des rechten Oberschenkelhalses.

Eine komplizierte Operation, lange Zeit im Krankenhaus plus Reha folgten. "Der Unfall geschah in der Nähe von Zell am See. Dort gibt es ja viele Ski-Unfälle. Ich hatte daher das Glück, dass ich an einen sehr routinierten Operateur geriet. Der macht rund 100 Oberschenkel im Jahr. Nicht alle so schlimm, aber der kennt das", erzählt Michael Teuber im Gespräch mit MM.

Sechs Wochen liegen im Krankenhaus folgten dann Rollstuhl, Training, es ging Schritt für Schritt. Sicher seien ihm auch mal Zweifel gekommen, als er damals im Bett lag und sich nach Möglichkeit nicht bewegen sollte. "Ja, ein bisschen war die Angst schon da, dass meine Mobilität noch weiter eingeschränkt wird. Es kann ja auch sein, dass etwas schiefgeht, dass zusätzliche Probleme auftreten ...", meint der 47-Jährige.

1987 hatte Teuber einen schweren Autounfall. Die Folge: eine inkomplette Querschnittslähmung. Teuber würde sein restliches Leben im Rollstuhl verbringen, so die Prognose. Doch schon damals wollte der Mann nicht aufgeben. Heute ist er unterhalb der Knie komplett gelähmt. Verbliebene Muskeln in den Oberschenkeln konnte Teuber so trainieren, dass ein Leben ohne Gehhilfe möglich ist.

Auf dem Rad wurde aus dem Bayern ein Vorzeige-Athlet im Behindertensport, der sich auch über den Sport hinaus engagiert. So ist er beispielsweise Botschafter der Laureus-Stiftung, die viele Hilfsprojekte betreibt.

Viermal war Teuber schon bei den Paralympics, den Olympischen Spielen der Behinderten (Sydney, Athen, Peking, London), gewann dort vier Gold-Medaillen und einmal Silber. Das nächste Ziel ist Rio 2016. Auch das war ein Grund, trotz der schweren Verletzung nach vorne zu schauen.

"Die Überlegung, meine Karriere zu beenden, hatte ich zu keinem Zeitpunkt", versichert Teuber. "Ich wollte es mir beweisen." Als es wieder ging, absolvierte Teuber im Februar auf Gran Canaria sein erstes Trainingslager und spulte in vier Wochen 2500 Kilometer ab. Zurzeit ist der Sportler mit der Paracycling-Nationalmannschaft des Deutschen Behinderten-Sportverbandes an der Playa de Palma.

Egal, ob es um gute oder schlechte Zeiten geht: Michael Teuber lässt die Fans via Facebook an seinem Leben teilhaben. "Ich nutze das professionell. Es gibt schon Leute, die sich dafür interessieren, was ich mache." Angst, dabei die Privatsphäre aufzugeben, hat er nicht. "Man sollte sich schon überlegen, was man postet. Die Grenzen muss jeder für sich selber festlegen."

(aus MM 12/2015)

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