Über den Alltag von Crewmitgliedern auf Luxusyachten

Zwei Welten auf engstem Raum: Köche, Ingenieure, Hotelfachleute besonders gefragt

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"Ein Job, der gut zu meinem Lebensgefühl passt": Kevin Lomba heuert am liebsten auf Segelyachten an.

"Ein Job, der gut zu meinem Lebensgefühl passt": Kevin Lomba heuert am liebsten auf Segelyachten an.

Der Bart lässt ihn als echten Seebär erscheinen und verleiht ihm die nötige Autorität an Bord. Kevin Lomba ist erst 31 Jahre alt, hat aber schon viele Atlantik- und Pazifiküberquerungen mitgemacht. Der junge Franzose arbeitet am liebsten auf Luxussegel-yachten. Segeln entlang der Gletscher Alaskas und Spaß an den Stränden der Karibik entschädigen für das unstete Leben. Leidenschaft hält er für ein zu großes Wort: "Es ist vor allem ein Job, der aber gut zu meinem Lebensgefühl passt."

Zurzeit ist Kevin Lomba in Miami, auf der privaten Yacht "Kaori". Der japanische Name bedeutet "Aroma" oder "Duft". 38,10 Meter lang ist das Schiff und damit Mittelklasse im Verein der Superyachten. Acht Gäste kann sie aufnehmen. Sie segelt, wie viele andere Superyachten, unter der Flagge der Cayman-Inseln. Der Grund ist einfach: Die Cayman-Inseln sind ein Steuerparadies. Von außen wirkt die "Kaori" flach und windschnittig. In ihrem Bauch verbergen sich luxuriöse Räume mit Himmelbett.

Superyachten gleichen kleinen schwimmenden Hotels, in denen jeder seine Aufgabe hat: Kapitän, Ingenieure, Deck-Crew und Stewardessen. Natürlich gibt es innerhalb der Gruppen Rangunterschiede: Die Chef-Stewardess hat mehr Entscheidungsgewalt als die "normale". Kevins Job hier ist der des "Deckhand". Er packt überall an Deck mit an, wo es nötig ist, hilft bei den Manövern mit und sorgt dafür, dass die Sicherheitsgeräte intakt sind.

Platz und Komfort variieren je nach Boot, aber in der Regel bedeutet das Leben auf einem Schiff für die Crew: teilen. Der Besitzer hat häufig eine großzügige Kajüte mit eigenem Bad. Die Hierarchieunterschiede zwischen Eigner und Crew sind riesig. Man ist ein Team und doch Galaxien voneinander getrennt. "Es ist eine andere Welt, und es muss einem klar sein, dass man eine Art Diener ist", sagt Julia. Dafür fühle man sich nachts in der Koje geborgen, wenn das Boot von links nach rechts schaukelt beziehungsweise rollt, wie es im Seefahrerjargon heißt.

Julia ist noch ein Frischling. Die 26-jährige Deutsche bringt ein Jahr lang mallorquinischen Schülern Deutsch und Englisch bei. Segeln ist ihr Traum, und irgendwann gewinnt das Meer. Nach einem Einsteigerkurs in England über die wichtigsten Grundlagen wie Sicherheit an Bord und Überlebenstraining auf See hat sie Glück und kann auf einem Schiff anheuern, das in die Karibik überführt werden soll. Die erste Überquerung beginnt, mit Start in Ibiza über die Kapverden - ideal, um Erfahrung zu sammeln und ein erstes "Crossing" - eine große Überquerung für den Lebenslauf - machen zu können. Anpacken, wo es nötig ist und viel Lernen, darauf kommt es ihr an.

"Das Entscheidende sind die Leute", ist sie nach dieser Erfahrung überzeugt. In Antigua, dem karibischen Dreh- und Angelpunkt, sucht sie einen neuen Job und geht auf "Dock-Walk". Den Lebenslauf in der Tasche, läuft Julia im Hafen auf und ab, fragt in Agenturen und auf den Booten nach Tagesjobs wie Putzen und Lackieren oder nach einem längeren Job. 100 Dollar pro Tag gibt es hierfür in der Regel. Als Einstiegsgehalt als Stewardess bekommt man ähnlich viel, "abhängig von der Performance", wie es bei einem Inserat auf dockwalk.com heißt - plus Kost und Logis frei und eventuell noch Hin- und Rückflug.

Große Yachten haben eine Klingel mitsamt Fußabtreter, wo die arbeitswilligen Dock-Walker läuten können. Köche, Ingenieure und Leute mit Erfahrung oder Ausbildung in der Hotelbrache haben bessere Chancen. Ein Ingenieur kann über 5000 Euro im Monat verdienen. Wird das Boot verchartert, fallen mitunter großzügige Trinkgelder für die Crew an - in der Regel zehn Prozent des Charterpreises - bei 10.000 Euro/Woche aufwärts ist das beachtlich.

"Es gibt viele sehr gut ausgebildete Leute in dem Metier", sagt Kevin Lomba, "häufig ist es aber eine Frage von ,zur richtigen Zeit am richtigen Ort' zu sein." Die "Hubs" - Dreh- und Angelpunkte der Bootsindustrie -, wie es auch Palma für das Mittelmeer ist, sind wichtig für die Bootsleute. Hier knüpft man Kontakte, heuert an, tauscht sich aus oder geht in die typischen Kneipen der "Boaties". Viele Crewmitglieder sind an Land alles andere als in sich gekehrt. "Work hard, party hard", ist ihr Motto. "Wenn man wochenlang auf See ist und dort intensiv arbeitet, muss man an Land einfach erst mal loslassen", sagt Kevin.

Die Schiffe in Palmas Hafen sind aus dem Winterschlaf erwacht, und die Heimkehrer aus der Karibik trudeln ein. Ende Mai geht es richtig los. Auch Kevin trifft dann wieder in Palma ein. Die Freunde bereiten sich schon auf den Empfang vor. Palma ist sein Anker und, wie er sagt: "Der beste Ort überhaupt."

(aus MM 20/2014)

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