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Muslime auf Mallorca fordern eigenen Religionsunterricht: Rechte Partei läuft Sturm dagegen

Das spanische AfD-Pendant befürchtet eine "Islamisierung der Klassenzimmer". Auf den Balearen wird die Lehre des Koran offiziell seit drei Jahren angeboten.

Seit dem Schuljahr 2021/22 steht islamische Religion an öffentlichen Schulen auf den Inseln offiziell zur Verfügung. | M. À. Cañellas

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Auf Mallorca entzündet sich derzeit ein Konflikt um den Islamunterricht an öffentlichen Schulen. Die Rechtsaußenpartei Vox startete nach Darstellung der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" eine Kampagne gegen den islamischen Religionsunterricht, dessen Ausbreitung sie zu verhindern sucht. Aktuell machten bereits 739 Schüler von der Option Gebrauch, so ein Parteisprecher. Islamischer Religionsunterricht wird auf den Balearen seit dem Schuljahr 2021/2022 angeboten.

Die konservativ regierte Regionalregierung verteidigt am Montag indes ihre Position und verwies darauf, dass Islamischer Religionsunterricht nur unter bestimmten Bedingungen möglich sei. Dafür müssten beispielsweise mindestens zehn Schüler pro Jahrgang den Wunsch nach einer tieferen Lektüre des Koran äußern. Bislang wurden Schulen in den Gemeinden Lloseta, Ses Salines und Colònia de Sant Jordi als Pilotprojekte ausgewählt.

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Vox bezeichnet die Entwicklung als „Islamisierung der Klassenzimmer" und will nun mit parlamentarischen Anfragen Druck ausüben. „Der radikale Islamismus schleicht sich in unsere Schulen ein", argumentierte der Parteisprecher. Man wolle nun detailliert wissen, an wie vielen Schulen islamischer Religionsunterricht erteilt wird und wer die Lehrkräfte sind.

Etwa 30 Familien legten jüngst bereits Rechtsmittel beim Obersten Gerichtshof der Balearen ein, um für ihre Kinder den Zugang zum islamischen Religionsunterricht zu ermöglichen. Die Bildungsbehörden betonen, dass man an einer Lösung arbeite.

Hintergrund ist die wachsende muslimische Gemeinschaft auf den Balearen. Geschätzt werden rund 80.000 Muslime in der Region, davon etwa 50.000 auf Mallorca. Die Bildungspolitik versucht nach eigenen Angaben, einen "ausgewogenen Ansatz" zu finden – zwischen der Berücksichtigung religiöser Bedürfnisse und der Vermeidung einer zu starken Segregation.