Traditionell werden auf Mallorca zu Sant Antoni Tiere gesegnet. | Archiv

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Pfoten, Flügel und Füße reihen sich dicht gedrängt entlang der kleinen Gasse nahe des Olivarmarktes in Palma aneinander. So auch der elf Jahre alte Rauhaardackel Hatchi und sein Frauchen Eugenia. Ihr Ziel: Ein Segensspruch mit Weihwasser vor der Kirche des Abtes Sant Antoni im Altstadtviertel der Inselhauptstadt. Am Namenstag des Schutzheiligen der Haus- und Nutztiere, am 17. Januar, werden auf Mallorca noch immer die Beneïdes (Tiersegnungen) abgehalten – eine Tradition, die aus dem 14. Jahrhundert stammt. Der Legende nach hat der aus Ägypten stammende Heilige ein blindes Schwein geheilt und ihm das Augenlicht wiedergeschenkt, woraufhin er zum Schutzpatron der Tiere ernannt wurde.

Auf Mallorca wird bereits am Vorabend, bei der Nit de Bruixa (Hexennacht), mit Teufelstänzen der Dimonis und lauten Feuerwerkskörpern den Taten von Sant Antoni Abad gedacht, der sich den Verführungen der Dämonen widersetzt hatte. Der Tag der Tiersegnungen verläuft hingegen friedvoller, doch nicht weniger wuselig. Um elf Uhr begannen sich Zwei- und Vierbeiner vor Palmas Kathedrale La Seu zu versammeln, um in einer Prozession durch die Innenstadt zur Kirche Sant Antoni zu pilgern. Unter ihnen ist auch Hatchi. „Es ist erstaunlich, wie ruhig er ist, obwohl so viel um ihn herum passiert”, sagt Besitzerin Eugenia mit einem nervösen Lächeln. Die kleinen Beinchen des alten Hundeherren tippeln schnell über den Steinboden, um mit seinen Begleitern Schritt zu halten. Den Zuschauern und Teilnehmern der Parade ist die Begeisterung über das skurrile Happening geradezu in die Gesichter geschrieben.

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An der Kirche angekommen, werden die Umstehenden gebeten sich hinter die Absperrung zu stellen, um den Reitern der Polizeistaffel den Vortritt zu lassen. Dicht gefolgt marschieren Musikkapellen mit lauten Tönen dem Priester und seinem Weihwasser entgegen. Die Stimmung ist ausgelassen und dennoch entspannt. Einzig der starke Wind bringt Unruhe in die Veranstaltung.

„Ist es nicht herzig, wie schön sich die Hunde herausgeputzt haben!”, hört man eine ältere Dame in der Menge entzückt rufen. Ob die Vierbeiner selbst die Entscheidung getroffen haben, sich einen Pulli, oder eine Schleife am Halsband anzuziehen, bleibt ungewiss, doch zumindest scheinen die Tiere die ihnen zugewandte Aufmerksamkeit zu genießen. In Palma sind in diesem Jahr neben Katzen, zwei Eulen, Liebesvögeln und einem Falken, vorwiegend Hunde auf dem Weg, um gesegnet zu werden. Schaut man sich das Spektakel in den kleineren Inselortschaften, wie Inca oder Mancor de la Vall an, begegnen einem auch Schafe, Pferde und andere Nutztiere. Wer in diesem Jahr noch dabei sein möchte, kann am Samstag, 21. Januar, um 16 Uhr im Ort Porto Cristo an der Tiersegnung teilnehmen, die aufgrund der starken Sturmwarnung verschoben werden musste.

Etwas zu warten hatte auch Hatchi, bis er endlich von Frauchen hochgehoben wurde und die Weihwassertropfen auf sein rauhaariges Haupt fallen. Direkt hinter ihm reihen sich Menschen und ihre Schützlinge, um im „Gänsemarsch” nacheinander die Segnung zu empfangen. Auf die Frage, ob er sich nun geläuterter zeige, antwortet seine Besitzerin: „Er sieht nicht unbedingt geistreicher aus, aber er wirkt definitiv ruhiger. Wahrscheinlich ist er jetzt einfach nur müde.”