Tragödie um totes Baby erschüttert Mallorca

| Manacor, Mallorca |
Die spanische Nationalpolizei nahm am Freitag die Ermitlungen in Manacor auf.

Die spanische Nationalpolizei nahm am Freitag die Ermitlungen in Manacor auf.

Foto: Joan Socies

Es ist eine Familientragödie, wie man sie auf Mallorca so nicht kennt: Ein zehn Monate altes Baby ist im Auto an einem Hitzschlag gestorben, nachdem der Großvater vergessen hatte, es in der Kindertagesstätte abzugeben. Das kleine Mädchen hatte sich von morgens bis nachmittags in dem überhitzten Auto befunden. Der Großvater war der festen Überzeugung gewesen, sein Enkelkind wie gewöhnlich in der Kita abgegeben zu haben.

Der Vorfall ereignete sich am vergangenen Freitag in Manacor im Osten der Insel. Der 56 Jahre alte Großvater holte das Mädchen gegen sieben Uhr morgens bei seinem Sohn und dessen Frau in einem Nachbardorf ab, um es nach Manacor zur "Guardería" zu fahren. Offenbar war der Mann an jenem Morgen unkonzentriert. Er verpasste erst den Abzweig und stand dann vor der noch geschlossenen Kindertagesstätte.

Wie die spanische Tageszeitung Ultima Hora am Montag unter Berufung auf das mittlerweile erstellte Tagesablaufprotokoll der Polizei berichtete, beschloss der Großvater, das schlafende Kind im Auto zu lassen und einen Kaffee trinken zu gehen. Im weiteren Verlauf vergaß der Mann die Enkelin, in der Überzeugung, sie bereits im Kindergarten abgegeben zu haben. Er ging anschließend diversen Erledigungen nach und absolvierte auch einen Behördengang im Rathaus.

Als die Mutter um 15 Uhr ihr Kind in der Kita abholen wollte, war es dort nicht anzutreffen. Sie rief daraufhin ihren Schwiegervater an, der ihr versicherte, die Enkelin abgegeben zu haben. Erst allmählich dämmerte dem Mann, welch schrecklichem Irrtum er erlegen war. Er rannte zu seinem Wagen. Zwei Augenzeugen, unter ihnen ein Zahnarzt, versuchten dort vergeblich, das Kind wiederzubeleben. Das Mädchen war an Hitze und Durst gestorben.

Die Familie ist am Boden zerstört. Der 56-Jährige erlitt einen Schock und musste im Krankenhaus behandelt werden. Der Mann ist seit einem Herzinfarkt vor 15 Jahren auf Medikamente angewiesen. Änderungen seiner Tagesroutine können bei ihm mitunter zu einem Orientierungsverlust führen.

Erste Untersuchungsergebnisse der Polizei ergaben, dass der Mann an jenem Freitag weder Alkohol noch Drogen zu sich genommen hatte. Es folgen nun eine Reihe von Tests, mit denen die Mediziner die Schuldfähigkeit des Mannes festzustellen haben. Ihr Gutachten wird entscheidend sein, wenn es um die Feststellung des Strafmaßes wegen des Verdachts der Tötung geht.

Auf Mallorca ist es Alltag, dass Großeltern ihre arbeitenden Kinder unterstützen, indem sie die Enkel zur Kita oder zur Schule begleiten oder abholen. Aufgrund der kürzeren Mutterschutzfristen in Spanien fangen Frauen zum Teil schon vier Monate nach der Geburt wieder an zu arbeiten. Es gibt entsprechend Tagesstätten, in denen selbst Säuglinge betreut werden. Für viele junge Familien wäre der Alltag ohne die Hilfe der Großeltern gar nicht zu bewältigen.

Kommentar

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Manfred Rosar / Vor 1 Monat

Strafmaß??? Der Mann hat die Höchststrafe doch schon bekommen! Ich hätte kein Problem damit, mich für den Rest meiner Tage einsperren zu lassen, nach so einem verhängnisvollen Fehler!

Bjoern / Vor 1 Monat

Was für eine unfassbare Tragödie :( So traurig!!!!