Er hat eine Ausbildung zum Verkäufer und war Kurierfahrer, aber sein Traumjob sollte eigentlich etwas mit Kunst zu tun haben. Seit Oktober 2017 ist David Schönemann aus dem mecklenburgischen Anklam arbeitslos, dann bekam er ein Angebot vom Arbeitsamt, dass er ein siebenwöchiges Praktikum als Lackierer machen könnte. Allerdings müsste er dafür nach Mallorca kommen, denn die Praktikumsstelle liegt in Santa Ponça.
Was ungewöhnlich klingt, ist Teil eines EU-Programms, das auch vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird: IdA, Integration durch Austausch, existiert seit Oktober 2008. Die Idee laut Website: "Erhöhung der Beschäftigungschancen benachteiligter Jugendlicher und arbeitsloser junger Erwachsener durch die Förderung transnationaler Austausch- und Mobilitätsvorhaben".
Seit 2009 gibt es deutschlandweit 69 Projekte, in die rund 81 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds und 20 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums flossen. Im September 2010 kam ein zweites IdA-Programm mit 45 Projekten und rund 46 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds sowie 6,3 Millionen Euro vom Bundesministerium dazu. Den Schwerpunkt bildet stets ein ein- bis sechsmonatiger Auslandsaufenthalt in einem Mitgliedsstaat der EU. So findet man außer auf Mallorca auch Projekte in Malta, Italien oder auf dem spanischen Festland.
"Mallorca hat den Vorteil, dass es hier auch deutschsprachige Ansprechpartner gibt", sagt Angela Larsen, die für die mecklenburgische SBW, Aus- und Fortbildungsgesellschaft für Wirtschaft und Verwaltung, das Projekt betreut und selbst seit 13 Jahren Inselresidentin ist. Derzeit betreut sie mit ihrem Team 14 Arbeitslose auf Mallorca, die meisten schon seit mehr als sechs Monaten ohne Arbeit.
Mit Alex Ramezani vom "Autocenter Mallorca" arbeitet sie seit sechs Jahren zusammen, gewissermaßen seit dem Projektstart auf Mallorca. "Für die jungen Leute ist es wichtig, aus ihrem gewohnten Umfeld herauszukommen, gerade wenn sie schon länger arbeitslos sind", sagt der gebürtige Perser, der in Deutschland aufgewachsen ist und bei BMW seinen Kfz-Meister gemacht hat. Neben David Schönemann hat er auch Marcel Boguslawski in seinem Team aufgenommen.
Der 26-jährige Greifswalder war sechs Monate arbeitslos und freut sich, dass er viele Aufgaben übernehmen kann. "In Deutschland wird einem Praktikanten nicht so viel zugetraut, hier kann man sofort aktiv mit anfassen", sagt der 26-Jährige, der zum ersten Mal auf Mallorca ist.
"Wir haben auch Leute hier, die noch nie gearbeitet haben", berichtet Angela Larsen. Gerade bei solch schwer vermittelbaren jungen Leuten soll der Austausch neuen Antrieb bringen. Dass sie mit Steuergeld arbeitet, ist Larsen stets bewusst. "Natürlich muss man sich einiges anhören, wenn man Arbeitslose nach Mallorca bringt", sagt sie. Auch viele Jobcenter seien skeptisch.
Aber sie stehe dazu, dass es etwas bringt. "Die Teilnehmer dokumentieren Motivation und Mobilität", sagt sie. "Jugendliche, die den Mut verloren haben, müssen in eine bestimmte Atmosphäre reinkommen und positive Impulse bekommen", bestätigt sie Ramezani. Zwei Mal pro Jahr bringt sie Gruppen auf die Insel, von Oktober bis Dezember und von Januar bis März. "Dann ist die Unterbringung günstiger und die Arbeitgeber haben mehr Zeit, sich um die Praktikanten zu kümmern", sagt Larsen.
Die Motivation muss natürlich auch in Deutschland nach dem Praktikum Bestand haben, und dafür sorgen die Mitarbeiter des Projekts in der Nachbetreuung. 80 Prozent ihrer Teilnehmer in den vergangenen sechs Jahren seien wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert worden, sagt Larsen.
Und dann gibt es auch Fälle wie den von Steve Kardor. Der gelernte Steuergehilfe hat vor vier Jahren in der Mietwagenfirma von Alex Ramezani ein Praktikum gemacht. "Er hat damals bei uns die Inventur gemacht und war so genau und strukturiert, dass wir ihn übernommen haben", sagt der Unternehmer.
Das Ziel sei aber, dass die Arbeitslosen wieder in den deutschen Arbeitsmarkt eingegliedert werden, betont Larsen. Das hat sich auch David Schönemann vorgenommen. Nach dem Praktikum will er sich zum Lackierer ausbilden lassen. "Mein Traum wäre, mit Airbrush zu arbeiten. Ich glaube, mit dem Praktikum hier habe ich gute Chancen."
4 Kommentare
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Wiedereingliederung ist super. Nur oftmals ist es ein Umverteilen und Statistiken schoen reden. Jmd. Zu unterstellen er hat keine Ahnung ist schon dreist. (Vorheriges Kommentar) Experten haben auch oft eine andere Meinung. Die Welt ist bunt...
@MK. Sie werden immer lustiger. In Ihrem Kommentar zu 80% werden in den Arbeitsprozeß wieder eingegliedert ist "Mutti Merkel muß weg". Gratulation, da haben Sie ein Alleinstellungsmerkmal für eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme. Daß Sie von gegenwärtigen Arbeitsprozeßen keine Ahnung haben, zeigt sich in ihrer grandiosen Analyse des Gewerkes. Und daß Sie jetzt auch noch darauf pochen Deutscher zu sein, beschämt mich daher doppelt. Das hat Deutschland nicht verdient. Kleiner geographischer Nachhilfekurs: Mallorca liegt in Südeuropa. Falls Sie hier wohnen sollten, was machen Sie da? Außerdem glaube ich auf Grund Ihrer Argumentationsstruktur, daß Jürgen Recht hat....
@mk. Oh je, oh je, oh je. Ich weiß nicht, was sie arbeiten, aber sicher nicht in einem Betrieb wo die Digitalisierung Einzug gehalten hat. Für die ist also ein Lackierer der mit der Sprühpistole da steht und das war es. Richtig ist, daß im Rahmen der Digitalisierung Roboter in der Branche eingesetzt werden. Aber die Roboter werden von Lackierern programmiert, Lackierer suchen die Farbgestaltung aus und nicht Roboter, auch welcher Lack verwendet für welche Unterfläche verwendet wird entscheidet keine Roboter. Die Arbeitswelt ist etwas komplexer als Sie sich das offensichtlich vorstellen. Bye the way, was arbeiten Sie eigentlich. Und so einfach strukturiert, wie sie die digitalisierte Welt sehen, ist auch Ihre politische Argumentation "Mutti Merkel muß weg". Da kann ich mir so richtig vorstellen aus welchem Landesteil Deutschlands sie kommen und welche Partei sie wählen. Immer nur maulen, pöbeln und jammern. Schade auch.
Ostdeutschland ist auch so strukturschwach. Lackierer werden allerdings schon vom Roboter ersetzt. Diese Art von Wiedereingliederung ist doch falsch. Durch die Digitalisierung entstehen neue Jobs. Nur bestimmt kein Lackierer. Unsere Arbeitsämter und Jobcenter sind doch genauso unterbesiedelt wie Ostdeutschland. Foerdermassnahmen von der EU helfen doch bei so einer Digitalisierungsschwemme nicht oder nur kurzfristig. Mutti Merkel muss weg! Von der EU lässt die Alte sich dirigieren! Ostdeutschland wurde kaputt gemacht und leidet darunter bis heute.