Mehr Kreative, weniger Probleme

| Port d'Andratx, Andratx, Mallorca |
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Dafür muss man sich ein bisschen Zeit nehmen: Kunst nach dem von Dieter Liedtke entwickelten System erklärt - zu betrachten ab Ende Januar im Museum Liedtke. Fotos: Zapp

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Manche bezeichnen ihn als Universalgenie, vergleichen ihn gar mit Leonardo da Vinci, wie der Kultur- und Kommunikationswissenschaftler Dr. Herbert Jost-Hof. Der Schweizer Kurator Harald Szeemann nannte ihn Erfinder-Künstler, der "durch und durch schöpferisch" ist. Andere sehen in Dieter Liedtke schlichtweg einen Spinner, der versucht, Kunst und Universum unter einen Hut zu bringen.

An dem 70-jährigen Essener scheiden sich die Geister. Fakt ist: Dieter Liedtke hat schon vor Jahren sein eigenes Museum geschaffen, mitten auf den schroffen Felsen auf der Halbinsel La Mola bei Port d'Andratx. Aus der Vogelperspektive erkennt man, dass es die Form eines Gehirns hat. 1994 hatte er es eröffnet, Anfang der 2000er Jahre musste er es wieder schließen - aus verschiedenen Gründen, wie er sagt. Geldmangel gehörte unter anderem dazu.

Seinen Traum vom Museum auf Mallorca hat der Sohn eines Bergmanns aber nicht aufgegeben. Lange hat er renoviert und erweitert, immer wenn wieder Geld da war. Nun soll es Ende Januar 2015 so weit sein, das Museum in der Calle Olivera soll wieder eröffnen. Die Lizenz ist beantragt, MM hat er schon einmal einen Einblick in seinen Kosmos gegeben.

"Schauen Sie hier", sagt Liedtke und zeigt auf ein gelbes Bild mit einem waagerechten roten Strich in der Mitte. Es ist die Vereinfachung des berühmten Bildes von Michelangelo, der zwei sich berührenden Finger. "Hier wird der Mensch mit Gott auf einer Ebene gezeigt", sagt er. Verschiedene Bilder der großen Meister hängen bei ihm, mit gelb und roten Farben gekennzeichnet, um jeweils das Neue hervorzuheben, die Spreu vom Weizen zu trennen, wie er sagt. "Was ich kenne, bringt mich nicht weiter."

"Kunst ist immer auch Innovation", sagt er. Sonst sei es keine Kunst. Ob Dürers Frontalansicht oder bei den berühmten Kreidefelsen von C.D. Friedrich oder Rubens Figürlichkeit oder schlichtweg die Darstellung der Zeit bei Jackson Pollock, der einfach in einer Aktion mit Farbe über Leinwände spritzte und laufen ließ. Ein Pollock-Werk ist laut Liedtke das aktuell teuerste moderne Bild der Welt: Versteigert 2014 für 140 Millionen Dollar

All das könne man leicht erklären. "Jeder Achtjährige kann Kunst verstehen." Davon ist Dieter Liedtke überzeugt. Mit seiner Theorie hat er schon Spaniens Königin Sofía begeistert, die ihm einen "El Greco" für eine Ausstellung in Essen lieh.

Die Zeit, in der das Museum geschlossen war, hat Liedtke auch zum Schreiben genutzt. Mit seinen mittlerweile 14 Büchern will er sein Museum unterstützen. Wer eins kauft, erwirbt Anteile daran. An seinem Projekt hängt sein Herz. "Für Mallorca ist das eine große Chance, hier kann eine ganz andere Art von Besuchern hinkommen. Wer will nicht den Da-Vinci-Code kennenlernen?", sagt er. Einen fantastischen Ausblick auf die Bucht von La Mola aus der museumseigenen Bar gibt es noch dazu. Liedtke will auch Seminare anbieten, um Kunst zu verstehen. "Mit 70 fängt das Leben an", sagt er.

Einmal auf Betriebstemperatur, verbindet Liedtke in atemberaubendem Tempo Kunst, Philosophie und Forschung miteinander, will damit das Universum erklären. In seinem Museum hängen mehrere Pfeildiagramme, welche die Zusammenhänge erklären.

"Neue Informationen verlängern das Leben. Wenn ich 100 bin, möchte ich 50 Jahre alt sein, dafür habe ich ein Social-Network-Web-Programm unter dem Namen aimeim entwickelt", sagt er und lacht schallend. Ernst meint er es trotzdem. Verjüngung ohne medizinische Eingriffe, das sei möglich. "Eine Quallenart kann das, sie verjüngt ihr Genmaterial", sagt er. Deswegen ist er auch für Zuwanderung, um einer Gesellschaft Auffrischung und neue Idee zu bringen. "Es kommen nur Leute mit Willen zur Veränderung", ist er überzeugt.

Liedtke malt auch selbst, sein Geld hat der Autodidakt aber mit Erfindungen verdient. Er entwickelte Patente für Produkte des täglichen Bedarfs, so zum Beispiel den Haarschneider "Hairmatic 2000", Uhrendatenbänder, Registrierkassen, luftgefederte Schuhe, Haarföhne und audiovisuelles Marketing, das man heute aus Baumärkten kennt, in denen neue Produkte via TV vorgestellt werden.

Für die Ruhrmetropole entwickelte er die Formel Ruhrgebiet + Kunst = Kulturgebiet und brachte seiner Geburtsstadt Essen und dem Ruhrgebiet den Titel Kulturhauptstadt 2010. Liedtke arbeitet autodidaktisch und intuitiv und verbindet verschiedene wissenschaftliche Disziplinen. Ein Studium hat er nie absolviert. "Viele meiner Theorien wurden später in Forschungen bestätigt", sagt er.

Ein großes Ziel verfolgt er mit seinem Museum auf La Mola: Erforschung und Förderung von Kreativität. Seine Konzepte zielen darauf ab, durch Steigerung der menschlichen Kreativität gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme aufzuheben. So sei es für jeden Menschen möglich, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

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