Klimaforscher prognostiziert verlängerte Badesaison in Frühjahr und Herbst

Wissenschaftler sehen die Entwicklung nicht unbedingt negativ für Mallorca

Prof. Dr. Sergio Alonso leitet die meteorologische Abteilung der Physik-Fakultät an der Balearen-Universität.

Prof. Dr. Sergio Alonso leitet die meteorologische Abteilung der Physik-Fakultät an der Balearen-Universität.

Foto: Picasa

Verlängerte Badesaison im Frühjahr und im Herbst, bessere Bedingungen für Outdoorsportler und Kultururlauber  im Winter , aber auch  mehr Hitze im Sommer: Prof. Dr. Sergio Alonso, Leiter der meteorologischen Abteilung an der Fakultät für Physik der Balearenuniversität, spricht mit MM über die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus.

Mallorca Magazin: Die Worte Klimawandel und globale Erwärmung sind in aller Munde. Aber noch längst nicht jeder ist davon überzeugt. Haben wir nun einen Klimawandel oder nicht?

Dr. Sergio Alonso: Erst einmal sollte man den Begriff klären. Mit Klimawandel wird in der Öffentlichkeit der durch den Menschen beeinflusste Wandel im Klima, insbesondere die Erderwärmung, bezeichnet, denn Klimawandel hat es immer gegeben. Aber etwas unterscheidet die gegenwärtigen Veränderungen von denen in der Vergangenheit: Sie sind im Laufe eines Lebens spürbar. Und Simulationsmodelle belegen wissenschaftlich, dass das Klima in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ohne menschlichen Einfluss anders gewesen wäre. Aus den Messdaten geht auch deutlich hervor, dass sich die Erde erwärmt. Das schließt nicht aus, dass es weiterhin auch mal kalte Winter und weniger heiße Sommer geben wird. Das sind jedoch keine Gegenbeweise für die allgemeine Entwicklung, die auch nicht überall auf der Welt gleich ist.

MM: Wie verändert sich das Klima auf Mallorca?

Alonso: Zum einen steigen die Temperaturen überdurchschnittlich stark an. Nach Angaben des Weltklimarats IPCC sind die Temperaturen zwischen 1880 und 2012 weltweit im Mittel um 0,83 Grad angestiegen. Auf den Balearen dagegen haben sich innerhalb von 100 Jahren, also über einen kürzeren Zeitraum hinweg, die Höchsttemperaturen um fünf Grad und die Tiefsttemperaturen um 5,8 Grad erhöht. Und während die Erde insgesamt eine Zunahme der Niederschläge verzeichnet, gehen die Niederschläge auf den Balearen zurück. Insgesamt wird hier der Sommer länger und die Gewitterperiode verzögert sich. Die Niederschläge lassen in der Häufigkeit nach und nehmen in der Intensität zu.

MM: Wie erklären sich Meteorologen, dass die Temperaturen auf Mallorca überdurchschnittlich ansteigen und der Regen hier so nachlässt?

Alonso: Darauf haben wir noch keine Antwort. Das untersuchen wir gerade. Die Tatsache, dass die Veränderungen nicht im Durchschnitt liegen, überrascht allerdings nicht. Es wäre vielmehr seltsam und höchst unwahrscheinlich, wenn sich das Klima überall gleichmäßig veränderte.

MM: Welche Auswirkungen kann der Klimawandel auf den Tourismus auf Mallorca haben?

Alonso: Es kann sein, dass die Hitze im Sommer unangenehm werden wird und sich der Badetourismus mehr auf das Frühjahr und den Herbst verlagert, wo sommerliche Temperaturen herrschen werden. Gleichzeitig wird der mildere Winter Mallorca attraktiver als heute machen für Aktivtourismus, Radfahren, Wandern, Golfen, Segeln, auch für den Kulturtourismus. Die Veränderungen im Klima müssen also nicht negativ sein für die Insel.

MM: Wie untersuchen Sie denn die klimabedingten Veränderungen der Touristenströme?

Alonso: Mit qualitativen Umfragen nach sozialwissenschaftlicher Methode. Wir fragen zum Beispiel Radsportler, wie sie die gegenwärtigen Klimabedingungen zur Ausübung ihres Sports auf Mallorca einschätzen. Dazu schätzen sie Temperatur, Windstärke, Niederschlag, et cetera auf einer Skala ein. Auf dieser Basis ermitteln wir die Anzahl an Tagen mit idealen Bedingungen für diesen Sport.

MM: Der Klimawandel kann also die lang ersehnte Entzerrung der Touristensaison bewirken?

Alonso: Das ist möglich. Allerdings wird das nicht von alleine passieren können. Im Moment geht der Trend ja eher zu kürzeren Saisons. Die Hotels schließen immer eher und von den Hotelbesitzern kann man auch nicht erwarten, dass sie ihre Hotels plötzlich länger offen lassen. Unternehmer orientieren sich in erster Linie an ihrem kurzfristigen Gewinn und nicht an einem Prozess, der über Jahrzehnte geht. Institutionelle Hilfe ist nötig, um die Saison zu entzerren. Außerdem ist das Wetter ein wichtiger, aber nicht der einzige Gesichtspunkt, nachdem Touristen ihren Urlaubsort auswählen. Die wirtschaftlichen Aspekte oder die geopolitische Situation in anderen Urlaubsregionen beeinflussen Touristenströme ebenfalls. Die Entwicklung von Klima und Tourismus ist daher nicht linear zu sehen.

MM: Haben Sie schon Reaktionen auf Ihre Forschungsergebnisse erhalten?

Alonso: Sowohl von Hoteliers wie aus der Politik gab es Reaktionen auf unser Thema, allerdings nicht wie gehofft. Die Wirtschaftskrise spielt eher gegen die von uns gewünschte Entwicklung der Tourismusindustrie. Aber wir sind von der Anwendbarkeit der Ergebnisse unserer Forschungsprojekte so überzeugt, dass wir ein Spin-Off Unternehmen zur Vermarktung gegründet haben: MeteoClim Services.

Die Fragen stellte Eva Carolin Ulmer.

(aus MM 52/2013)

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