Ballermann ins Museum

Anmerkungen zu einer uralten Debatte

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Mallorca-Fans können sich wunderbar darüber streiten, ob der Ballermann nun gut oder schlecht war für Mallorcas Entwicklung (siehe auch Frage der Woche), wobei der Spitzname der Strandbude ja nur ein Synonym ist für die Partyszene der Playa de Palma.

Zum einen haben Ballermann & Co. über viele Jahre mitgeholfen, das Putzfrauen-Image der Insel zu zementieren. Der Sauftourismus hat auf diese Weise dazu geführt, dass viele Deutsche allzu lange einen Bogen um die Insel gemacht haben.

Zum anderen sind der Ballermann und seine Nachfolger längst selbst zu Marken geworden, die Massen anziehen. Und nicht wenige der Kegelbrüder, die wir heute Partypeople nennen, haben die Insel später auch jenseits der Biertränken erkundet.

Die Diskussion führt natürlich zu nichts. Was damals war, ist vorbei. Es hat sich trotz Ballermann in Deutschland herumgesprochen, dass Mallorca deutlich mehr zu bieten hat als Stätten des deutschen Frohsinns. Und die Szene, wie sie sich heute darstellt, ist erträglich und schreckt keinen potenziellen Gast mehr ab.

Selbst von politischer Seite ist daher kaum noch jemand bestrebt, die Spaßbremse zu treten. Die tolerante Haltung wird erleichtert durch die Erkenntnis, dass es in Zeiten von Krise und All-inclusive gar nicht so schlecht ist, wenn es noch Leute gibt, die sich aus dem Hotel trauen und ordentlich Geld ausgeben.

Und eine freundliche Sprachregelung hat man auch gefunden: Das gehört zur Vielfalt Mallorcas, hier findet eben jeder sein Plätzchen.

Für die Zukunft ist das allerdings nicht ganz so sicher. Die Sanierung der Playa de Palma mit dem politisch gewollten Wandel zu mehr Exklusivität ist für die Partyszene eine größere Bedrohung als so manche Lärmverordnung. Aber bis es so weit ist, fließt noch viel Bier durch durstige Kehlen.

Der Ballermann selbst hat derweil ausgedient, gefeiert wird an anderer Stätte. Die Strandbude mit dem so furchtbar eingängigen Namen ist reif fürs nicht existierende Tourismus-Museum. Sollte sie in den nächsten Jahren beseitigt werden, muss man dort ein Denkmal setzen (oder Mahnmal?). Wie wär's mit einem Sangria-Eimer aus Marmor?

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