Kommentar: Das richtige Thema zur falschen Zeit

Spanien und die Rente mit 67

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Ein Jahr und zehn Monate länger arbeiten – das wäre die Konsequenz der Rentenpläne der spanischen Regierung für den Autor dieser Zeilen. Wie alle Arbeitnehmer hat auch er am vergangenen Samstag die Tabellen in den Zeitungen studiert und war „not amused”. Doch gemach, noch ist der Stufenplan zur Änderung des Renteneintrittsalters nicht beschlossene Sache.

Aber ganz gleich, wie das Vorhaben letztlich umgesetzt wird, ein Zurück wird es kaum geben. Auch in Spanien werden die Menschen immer älter, müssen immer weniger Berufstätige immer mehr Rentner ernähren. Dass im Zuge dessen länger gearbeitet werden muss, ist ein Gesetz der Logik.

Der erste Vorstoß der Regierung Zapatero imitiert das deutsche Modell, obwohl die spanische Alterspyramide ein paar Jahre mehr Puffer hat als die deutsche, weil noch weitere geburtenstarke Jahrgänge folgen. Insofern könnte man Zapatero als weitsichtig loben. Doch Lob ist das Letzte, was „Z.P.” derzeit für seine Wirtschaftspolitik erntet (und verdient). Das Wirtschaftswunderland Spanien hat sich in den EU-Ranglisten ganz hinten eingereiht.

Selbst sein Gespür für soziale Themen hat den sozialistischen Regierungschef offenbar verlassen. Die Rentendebatte jetzt loszutreten, war unnötig und ungeschickt. Spanien hat eine Arbeitslosenquote von fast 20 Prozent. Davon runterzukommen, das ist das Gebot der Stunde. So lange die Jugendarbeitslosigkeit grassiert, ist es dummes Zeug, sich über längere Lebensarbeitszeiten zu streiten. Entsprechend heftig sind die Prügel, die Zapatero derzeit von allen Seiten einstecken muss.

Und dennoch: Das Thema Rente bleibt uns erhalten, in Deutschland und in Spanien. Hier wie dort wäre es besser, flexible Lösungen zu suchen statt mit Tabellen zu agieren. Wer alle Arbeitnehmer und alle Berufe über einen Kamm schert, wird den Menschen nicht gerecht.

Die Gegenwehr gegen das spätere Renteneintrittsalter wird mit der Zeit abnehmen. Nicht nur, weil sich viele Menschen mit 65 noch zu jung fühlen fürs Altenteil. Sondern weil sie rechnen und feststellen, dass die Rente hinten und vorne nicht reicht.

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