Zeit zu handeln

Das Trauerspiel der Balearen-Politik

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Immer schön positiv bleiben, meinen die Psychologen nicht nur in Krisenzeiten. Auf Mallorca fällt das zunehmend schwer. Denn zur Wirtschaftskrise hat sich längst eine institutionelle Krise gesellt. In Palma regiert das Chaos, und ein rasches Ende dieser Situation ist nicht in Sicht.

Die Politik, nein, die Politiker aller Couleurs haben versagt. Wir leiden nicht nur unter der Korruption, sondern auch unter der Unfähigkeit dieser Menschen, die Einzelinteressen dem Gemeinwohl unterzuordnen.

Gerade jetzt wäre entschlossenes Handeln gefragt. Die Finanzkrise wütet überall, aber in Spanien und auf den Balearen sind die Auswirkungen dramatischer. Der einst überstarke Bausektor liegt am Boden, und selbst der Tourismus, diese sicher geglaubte Bank, schwächelt zunehmend. Vor allem im bevorstehenden Winter. Siehe Seite 46: ein deprimierter Chef der Hoteliersvereinigung der Playa de Palma. Siehe Seite 49: in Alcúdia und Can Picafort sind derzeit gerade mal zwei (!) Hotels geöffnet. Das riecht auch nach einer Struk-turkrise im Tourismus. Nun wäre die durchaus zu lösen, denn es ist keine Schönfärberei zu behaupten, dass Mallorca nach wie vor alle Trümpfe in der Hand hat, um die alte Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Diese Trümpfe müssen aber auch ausgespielt werden. Handwerklich geschickt, visionär.

Nur: Wie soll das gehen, wenn wir jetzt schon den dritten Tourismusminister der Legislaturperiode erleben? Wenn dieses wichtigste Ministeramt der Balearen nicht nach Fähigkeit, sondern nach Parteienproporz besetzt wird? Wenn der Ministerpräsident hauptsächlich damit beschäftigt ist, seinen wackeligen „Pakt” zusammenzuhalten? Wenn die starke PP-Opposition unter Altlasten à la Matas ächzt und eine Erneuerung nur halbherzig zustande bringt?

Wer auch immer die Regierung stellt und die Oppositionsrolle einnimmt: Sie alle müssen ordentlich öffentlichen Druck bekommen, endlich zu agieren. Nicht zum Wohl der Partei, nicht für die Galerie, sondern zum Wohl dieser Region und ihrer Menschen. Vielleicht ist es an der Zeit für eine große Koalition – allemal besser als das Chaos in klein-klein.

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