Golf-Profis am Werk: Beobachtungen vom „Skins Game” in Palma

„Aufs Grün, Martin, aufs Grün”

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Es war ein schöner Tag. Vor allem für mich.” Spaniens Golf-Legende José María Olazábal (43) hatte gut Reden – er nahm nach dem „Mallorca Golf Island Skins Game” am vergangenen Montag einen Scheck in Höhe von 204.000 Euro entgegen. Der alte Fuchs hatte den Youngstern Martin Kaymer (Deutschland), Justin Rose (England) und Robert Karlsson (Schweden) ordentlich einen eingeschenkt. Kaymer, Europas Nummer drei, ging sogar ganz leer aus – wie schon im Vorjahr.

Olazábal, von allen nur Txema genannt, war nicht nur spielerisch ein Gewinn für den Event in Son Muntaner, der Premium-Anlage des Arabella-Resorts. Der „Oldie” brachte so viel Humor ins Turnier, dass er so manchem verbissenen Hobbyspieler als Vorbild dienen könnte. Und die junge Gilde machte gerne mit – nicht zuletzt deshalb war das „Skins Game” eine rundum gelungene Veranstaltung, die mehrere Hundert Zuschauer in ihren Bann zog.

8.45 Uhr. Die Herren Profis bitten zum Einschlagen mit gleichzeitiger Fragestunde auf die Driving Range, deren Grenzen an diesem Morgen deutlich nach hinten verschoben werden – so oft werden hier keine 300-Meter-Abschläge geübt.

Schon optisch treffen hier zwei Welten aufeinander: hier der „alte” Olazábal in beiger Bundfaltenhose und diskretem „Footjoy”-Schuhwerk im Straßendesign, dort die neue Generation im stylischen Nike- oder Adidas-Outfit.

Und irgendwie schlagen sie auch so, wie sie auftreten: „Mucha clase”, attestiert ein Zuschauer Txemas Swing. „Modern”, „athletisch”, seien Rose und Kaymer. Nur der Riese Karlsson kommt nicht so gut weg – bei 1'96 Meter Größe ist die Chance auf gute Haltungsnoten eben gering. Was wiederum nichts heißen mag: Er wird am Ende Zweiter und streicht immerhin noch 84.000 Euro der Gewinnsumme (300.000 Euro) ein.

„Skins Game”, das bedeutet, dass an jedem Loch eine Gewinnsumme ausgespielt wird, an diesem Montag zwischen 6000 (Loch 1 bis 6) und 45.000 Euro (Loch 18). Bei Unentschieden wird der Betrag auf das nächste Loch draufgesattelt, also eine Art Jackpot gebildet. Zocken mit Eisen und Holz.

„Aufs Grün, Martin, aufs Grün”, rät ein Scherzbold aus der Menge, als Martin Kaymer an Loch eins aufteet. Aber Gemach. Der Auftakt gerät zur Seelenmassage für Otto Normalgolfer. Besser als Par spielt keiner der Champs. Der Schwede gibt auf, nachdem sein Ball zwei Bunker „besucht” und fast noch einen „Ausflug” ins Wasser gemacht hat. Ob Letzteres der Ente geschuldet ist, die trotz „Silencio”-Schildchen die Konzentrationsphase verquakt hat, wird wohl nicht mehr zu klären sein. „Beruhigend, dass das denen auch passiert”, flüstert unser Nachbar zur Rechten. „Toll war das ja noch nicht”, grummelt der zur Linken.

An Loch drei verstummen die Kritiker. Olazábal schlägt den zweiten Ball aus schwieriger Bunker-Randlage an die Fahne, locht zum Birdie ein und kassiert die 18.000 Euro, die sich bislang angehäuft haben. Riesen-Applaus für den Sympathieträger, der weiß, was das Publikum außer Swings noch so mag.

Gags zum Beispiel: Mal erklärt er einem Mitspieler mit ausladender Geste, dass das Green rechts stark abfällt (wo doch genau das Gegenteil der Fall ist), mal freut er sich wie ein Schneekönig, weil er den austrainierten Justin Rose um einen Meter „ausgedrived” hat: „Toma ya!” – dem hab ich's gezeigt.

Da macht es auch nichts, dass der ungeübte Turnier-Beobachter feststellt: „Im Fernsehen sieht man das eigentlich viel besser.” Besser vielleicht, aber eben ohne das unvergleichliche Live-Erlebnis. Es kribbelt in der Magengegend, wenn man weiß, dass ein Putt 42.000 (Loch 9 und 13) oder 65.000 Euro (Loch 16) wert ist.

Je länger das Turnier dauert, desto stärker kommt die Klasse der Spieler durch. Nicht zuletzt, weil sie ihr Niveau so verdammt konstant halten. Zuschauer Klaus Albrecht aus Leonberg, Hobbyspieler mit immerhin einstelligem Handicap, weiß, was ihn von den vier Jungs unterscheidet: „Auch uns gelingen Annäherungen wie den Profis hier, aber eben nicht über 18 Löcher.”

Allein Olazábal schafft an diesem Tag sieben Birdies und ein Eagle (drei Schläge am Par-5-Loch 16), und Martin Kaymer liefert sein Meisterstück an Loch 17 ab: Nach einem missratenen Schlag kann er die Position der Fahne nur erahnen, haut das Ding – mit dem Caddy als Navigator – aber dennoch an den Stock. Sein Pech nur, dass Altmeister „Ola” mal wieder gleichzieht und auch den „Jackpot” am letzten Loch (85.000 Euro) souverän knackt.

Justin Rose, mit bescheidenen 12.000 Euro Gewinnsumme, bemüht bei der Siegerehrung alte Golferweisheiten, um Txemas Erfolg zu erklären: „Der Putt bringt das Geld.”

„Ein harter Wintertag”, ironisiert ein zufriedener Arabella-Resort-Chef Jordi Tarrida das Bilderbuchwetter, das mit ein Garant des Turnier-Erfolgs war. Und nun erfahren wir, dass die Spieler auch in der Fremdenverkehrswerbung Profis sind. Artig lobt einer nach dem anderen Mallorca, das Arabella-Resort, die Turnier-Organisation, das Klima, das Golfangebot der Insel...

Selbst Verlierer Martin Kaymer, der einen noch nicht ausgeheilten Fußbruch keinesfalls als Ausrede gelten lassen will, bleibt locker und sympathisch: „Ich komme gerne wieder. Es kann ja nur besser werden.”

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