Laura Buadas: „Wir schätzen unsere Sortenvielfalt nicht“

Laura Buadas, Präsidentin von Slow Food Baleares, über Konsumentenverantwortung und eine nachhaltige Lebensmittelkette

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Mallorca Magazin: Was ist Slow Food?
Laura Buadas: Im Grunde die Antwort auf Fast Food. Wir sind eine Non-Profit-Bewegung, die 1989 in Italien gegründet wurde. Heute gibt es Slow Food in 132 Ländern mit rund 100.000 Mitgliedern und tausenden von lokalen unabhängigen Mithelfern.

MM: Welche Philosophie steckt dahinter?
Buadas: Slow Food sieht die Gastronomie als ein sehr komplexes Zusammenspiel. Der Koch ist dabei genauso wichtig wie der Bauer. Gut, sauber, gerecht – so lautet unser Motto hinsichtlich der Lebensmittelkette. Gut: Das bedeutet hochwertig, gemäß Tradition und Kultur angebaut, vollendet im Geschmack. Sauber: Das bedeutet nachhaltig und verantwortungsvoll, im Einklang mit der Natur erzeugt. Gerecht: Wir fordern eine kurze Vertriebskette. In der der Bauer, der das Produkt liebevoll erwirtschaftet hat, den meisten Gewinn erzielt und nicht ein Nutznießer am Ende der Kette.

MM: Wie steht es denn diesbezüglich um das Bewusstsein auf der Insel?
Buadas: Gott sei Dank gibt es immer mehr Menschen, die sich für diese lebenswichtige Thematik interessieren. Auch viele der deutschen Residenten sind hier Vorreiter für uns. Wir haben auf Mallorca eine große Sortenvielfalt, die wir viel zu wenig schätzen. Die Standardisierung greift so schnell um sich, dass vieles verloren ist, bevor wir überhaupt nur anfangen können, es zu retten: In den Supermärkten wollen sie uns mit ihrem Angebot weismachen, es gebe nur eine Sorte Paprika, eine Sorte Bohnen, eine Sorte Gurken. Wer weiß schon, dass wir 180 Feigensorten auf der Insel haben, 90 Mandelsorten, 80 Sorten der Tomate de Ramillete...

MM: Was also ist zu tun?
Buadas: Mit Aktionen wie der „Pebre-Bord”-Kampagne wollen wir einerseits fast Verlorengeglaubtes retten, andererseits sensibilisieren. Nur wenn die schmackhaften, vielleicht im Vergleich zur Supermarktware etwas unförmigeren Erzeugnisse alter einheimischer Sorten wieder gekauft werden, werden sie auch wieder angebaut. Hier sind in erster Linie wir alle in unserer Verantwortung als Konsumenten gefragt! In diesem Zusammenhang muss man sich bewusst machen, dass 98 Prozent der Lebensmittel, die wir auf Mallorca verzehren, eingeführte Erzeugnisse sind.

MM: Welche Projekte hat Slow Food schon umsetzen können?
Laura Buadas: Auf den Balearen sind wir seit rund zwei Jahren aktiv. Ein großer Erfolg ist unser Projekt zur Rettung alter Obstsorten. In sämtlichen Baumschulen der Insel suchte man bis letztes Jahr vergeblich nach alten einheimischen Arten. Aber nur wenn diese Bäume auch weiterhin in unseren Gärten wachsen, können wir in Zukunft noch die alten Obstsorten genießen. Im vergangenen Jahr konnten wir dann Jungbäume von 67 verschiedenen Obstsorten anbieten, in diesem Jahr sind es schon 117. Ein Angebot, das reißenden Absatz findet – letztes Jahr haben wir rund 3000 solcher Jungbäume vermittelt. In einem anderen Projekt haben wir und der alten Tradition des Herstellens von Trockenfisch auf Menorca gewidmet. Und wir haben erreicht, dass der letzte Fischer der Balearen, der noch Fische mit Reusen fing, nach sieben Jahren Arbeitsverbot nach einer Gesetzesänderung nun für ein Pilotprojekt diese verantwortungsvolle Art der Fischerei wieder aufnehmen durfte.

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