„Das entfachte Feuer muss gehalten werden”

Bei der Leichtathletik-WM in Berlin war sie eine gefragte Gesprächspartnerin– danach ging's für Heike Drechsler auf die Insel. Die zweimalige Weitsprung-Olympiasiegerin erkundet in diesen Tagen Mallorca – und hofft, dass ihr Sport die neuen Chancen nutzt

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Für Leichtathletik-Legende Heike Drechsler ist es eigentlich der erste Besuch auf Mallorca. Dabei war sie schon mal ein paar Tage auf der Insel. 2001 posierte sie hier für Star-Fotografin Gabo. Erotische Motive im Rahmen einer Anzeigenkampagne der Tierschutzorganisation „Peta”. „Damals habe ich aber nichts von der Insel gesehen. Die vier Tage waren eher Stress”, erinnert sich die 44-Jährige im MM-Gespräch. „Jetzt möchte ich Mallorca endlich mal kennenlernen.” Daher quartierte sich Drechsler, für viele Fans die „Leichtathletin des Jahrhunderts”, zusammen mit ihrem Freund für ein paar entspannte Tage im Robinson-Club Cala Serena ein. Der Zeitpunkt war bewusst gewählt: direkt nach der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin. An der Spree repräsentierte sie Sponsoren, analysierte auf „Eurosport” die Geschehnisse, außerdem ist Drechsler Mitglied der Frauenkommission des Internationalen Leichtathletik-Verbands. „Das ist so wie ein Familientreffen. Man sieht manche Menschen das ganze Jahr nicht, weiß aber, dass bei der WM alle mit von der Partie sind. Und wann erlebt man schon mal eine WM im eigenen Land?” Insgesamt fand Drechsler die WM in der deutschen Hauptstadt „klasse”. Und dass es mit dem Zuspruch des verwöhnten Berliner Publikums anfangs etwas schleppend lief, sei auch klar gewesen. „Es ist immer schwer, neun Tage lang 74.000 Karten zu verkaufen. ”Doch am Ende war's ja voll und die Deutschen konnten einige Erfolge verbuchen. „Jetzt muss man versuchen, das Feuer, was für die Leichtathletik entfacht worden ist, zu halten.” Und es sei wichtig, die einzelnen Athleten gut zu präsentieren. „Es sind Typen da. Ariane Friedrich zum Beispiel. Oder der Harting. Wenn auch nicht alles schön war, aber irgendwie ist der ein Typ.” Diskuswerfer Robert Harting hatte bei der WM für Schlagzeilen gesorgt, weil er gegen eine Aktion von Doping-Opfern pöbelte. Später gewann er Gold. Seine Überreaktion begründete er unter anderem mit dem Problem, dass in der Vorbereitung ständig über seinen Trainer und Doping berichtet wurde. „Man muss das auch etwas verstehen. Das ist aus ihm herausgeplatzt. Er hat noch nicht die Erfahrung und ich hoffe, dass er daraus gelernt hat.” Hinsichtlich des Themas „Trainer im DDR-Sport und das Dopingsystem” meint Heike Drechsler: „Irgendwann muss man auch mal einen Schlussstrich ziehen und nach vorne gucken.” Sie selbst hat schon in vielen Interviews betont, niemals wissentlich gedopt zu haben, kann aber nicht ausschließen, dass sie Mittel ohne ihr Zutun verabreicht bekommen hat.

Heike Drechsler stammt aus Gera und lebt heute in Karlsruhe. 27 Jahre machte sie Leistungssport, holte Titel im Weitsprung, war aber auch in den Sprintdisziplinen und im Mehrkampf erfolgreich. 1992 und 2000 gewann sie Olympia-Gold im Weitsprung, 1983 und 1993 war sie Weltmeisterin.

Die Karriere beendete Drechsler 2004, inzwischen hat sie eine Vollzeitstellung bei einer großen deutschen Krankenkasse. „Ich bin im Betriebs- und Gesundheitsmanagement tätig.” Sie betreut unter anderem Firmen und Kooperationspartner, kümmert sich beispielsweise auch um die Aktion „Deutschland bewegt sich”.

Neben dem bereits erwähnten Engagement für „Peta” setzt sich Heike Drechsler auch in anderen Organisationen ehrenamtlich ein: Sie engagiert sich im Kampf gegen Multiple Sklerose, für die Heilung von Brustkrebs und bei der Stiftung „Hänsel und Gretel” gegen Kindesmissbrauch. „Über Mangel an Beschäftigung kann ich mich nicht beklagen.”

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