„Keine linguistischen Ghettos”

Tina Horne hat das „Sa Taronja”-Kulturzentrum in Andratx zu einem Ort vielfältiger kreativer Aktivitäten gemacht. Das nächste Highlight steht bereits an, wenn im Oktober drei Wochen lang das „Ping!”-Festival mit experimenteller Kunst zum Thema neue Medien stattfindet

|

Inmitten von Bäumen, blühenden Sträuchern und Blumen stehen Skulpturen und andere Kunstwerke. Im Garten-Restaurant hängen auffällig viele Bilder und ein Gitarrenspieler sorgt für dezente Live-Musik. In dem angrenzenden langgezogenen Bau bewegen sich zwei junge Damen graziös, sie machen wahrscheinlich Bauchtanz, Yoga oder Ballett – ganz genau kann man es aus der Ferne nicht erkennen. Eines ist jedoch sofort zu bemerken: Ob Gemälde, Skulpturen, Musik oder Tanz – die Kreativität kennt im Kulturzentrum „Sa Taronja” in Andratx keine Grenzen.

1997 übernahm der Künstler Hartmut Usadel gemeinsam mit drei anderen Geldgebern die ehemalige Hühnerfarm, um aus den Ställen Galerieräume zu machen. Während seine Partner dort Villen mit Swimmingpools bauen wollten, brachte der Maler das Gelände auf Vordermann und träumte von einem Künstlerparadies.

Um das Projekt vor den Bauplänen der anderen Investoren „zu schützen”, übernahm Tina Horne vor sechs Jahren deren Anteile. Seitdem hat die Engländerin nach und nach das Kulturprojekt ausgebaut, das heute Raum für gestalterischen und künstlerischen Ideenreichtum bietet.

„Ursprünglich hatte ich keinen konkreten Plan, sondern wollte nur diesen schönen Ort retten”, sagt Tina Horne, die inzwischen Vorsitzende des Kulturvereins ist. „Eigentlich organisierte ich nur das „Ping!”, ein Event mit experimenteller Kunst. Danach wollte ich ein Zentrum schaffen, wo interkultureller Austausch stattfindet, das sich finanziell trägt und wo alle Leute mitmachen können. Inzwischen habe ich allerdings gelernt, dass man mit Kunst keine Einnahmen erzielen kann.” Das „Ping!”-Festival hat sich jedoch bewährt und findet im Oktober inzwischen zum fünften Mal statt.

Es sei auch ein Anliegen gewesen, dass Mallorquiner, Briten und Deutsche gemeinsam kreativ sind. „Mir schwebte ein Ort vor, wo Einheimische und Fremde zusammentreffen, denn ich wollte kein linguistisches Ghetto haben. Aber vielleicht war ich ein bisschen zu naiv und idealistisch, denn die Sprache ist eine große Barriere.”

Trotzdem ist das „Sa Taronja” inzwischen Anlaufpunkt für Landsleute vieler Nationen, die wegen des vielfältigen Kulturprogramms kommen, das Horne und Event-Manager Jan Kobrzinowski regelmäßig auf die Beine stellen. Ausstellungen, Konzerte, Workshops – „vom Bridge-Club bis zum Punkrock-Konzert” – finden in den ehemaligen Hühnerställen statt. Zahlreiche Protagonisten (wie zum Beispiel das Deutsche Sinfonie-Orchester) treten dabei zu Sonderkonditionen auf, da es ihnen in der Künstler-Idylle so gut gefällt und sie wissen, dass die Verantwortlichen keine großen Gagen zahlen können.

Seit Mai dieses Jahres gibt es dort auch ein Restaurant. „Jedes Kulturzentrum verfügt über Gastronomie, außerdem wollten wir das Defizit decken”, so Horne. Von mittwochs bis sonntags hat das Lokal zwischen 19.30 und 23.30 Uhr geöffnet. Meistens bei Live-Musik werden dort Tapas und ein Menü angeboten.

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Noch kein Kommentar vorhanden.