Süffig, süß und rot wie Blut

Sangria ist ein beliebt-berüchtigtes Sommergetränk

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Schnell noch ein paar Orangen und Zitronen aufgeschnitten, viel Eis in den Krug und dann die süße Süffigkeit darüber geschüttet: Fertig ist die Sangria. Der Hausherr schaut verschmitzt, als die Gäste ihn nach dem so leckeren Rezept fragen: "Spezialmischung", sagt er lachend - und zieht sich geschickt aus der Affäre. Denn wer will schon zugeben, dass das edel in der Kristallkaraffe kredenzte Getränk aus einem Tetra-Pack stammt - für 1'03 Euro. "Wichtig ist bei der Sangria nicht, wo sie herkommt, sondern dass sie einem schmeckt", sagt Guillermo Sastre, Bar-Manager im Restaurant "Opio" im Puro Hotel. Sangria-Rezepte selbst gebe es so viele wie Sand am Meer. "Aber glauben Sie bloß nicht, dass die Sangria, die Sie in den Touristenzentren serviert bekommen, hausgemacht ist. Da kommt höchstens frisches Obst dazu." Warum es den Gastronomen also auf der eigenen Terrasse nicht nachmachen?

Lecker und erfrischend ist das prickelnd-rote Getränk. "Aber es ist alles andere als schick", meint Sastre. Kein Wunder also, dass es neben zahlreichen Wodka-Mischungen bei deutschen Jugendlichen immer noch ganz oben auf der Hitliste steht, wenn es darum geht, einen blauen Eimer am Ballermann mit Alkohol zu füllen. "Sangria schmeckt einfach geil", sagt der 20-jährige Gregor aus Ulm, der mit Freunden an der Playa de Palma Urlaub macht. "Das Zeug ist billig, das kannst du wie nix runterhauen und die Mädels stehen auch voll drauf."

In edlen Bars findet man das Getränk deswegen kaum auf der Karte - wenngleich man es auf Bestellung natürlich überall bekomme. "Allerdings sind es vor allem die Ausländer, die es bestellen", berichtet Sastre, Spanier orderten den Krug Sangria zwar auch, aber nicht abends beim Ausgehen, sondern eher mittags zur Paella im Chiringuito.

Ursprünglich wurde die Sangria, die ihren Namen übrigens wegen der blutroten Farbe (sangre= Blut) hat, aus einem bauchigen, gießkannenartigen Glasgefäß getrunken, dem Porrón. Mit einem halben Meter Abstand zum Mund wurde die Sangria in hohem Bogen in den Mund gegossen - wie es die Nordspanier heute noch mit der Sidra, dem Apfelwein, machen. Inzwischen haben lange Party-Strohhalme diese Trinkform abgelöst.

Wer eine "echte" Sangria probieren möchte, sollte sie sich von einem Barkeeper mixen lassen. Allerdings schwanken auch hier die Rezeptvariationen je nach Gusto des Mixers. "Ich schwöre auf einen Schuss frischen Orangensaft und einen Anteil Likör 43", verrät Guillermo Sastre. Besonders gut werde die Mischung, wenn Liköre und Obststücke ein paar Stunden ziehen. Er verwende dazu Cognac, Cointreau, 43 und Gran Marnier. "Diese Mischung sollte ungefähr ein Drittel ausmachen, dann wird mit Wein aufgefüllt, Sprite oder einem Erfrischungsgetränk mit Orangengeschmack." Wer mag, kann auch weißen Wein verwenden, gegebenenfalls mit Zucker nachsüßen. Auch wichtig: Sangria immer eiskalt genießen. Und Obacht mit den eingelegten Früchten - sie saugen den Likör richtig auf. Wer das Obst aus dem Glas nascht, darf sich über einen unverhofften Schwips nicht wundern...

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